13. Juli 2015  /// Gesellschaft Leben

Ärztekammer fordert Nachhaltigkeit

Eine nachhaltige Umweltstrategie im Sinne unserer Gesundheit und ein stärkeres Verantwortungsbewusstsein für kommende Generationen – das fordert die Wiener Ärztekammer: „Es ist unumstritten, dass ein gesunder Lebensraum in Koexistenz mit einer natürlichen Artenvielfalt eine wesentliche Grundlage zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit der Menschen darstellt„, betont der Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien, Piero Lercher. Um welche Forderungen geht es der Ärztekammer im Sinne der Nachhaltigkeit konkret?

Handyfreie Zonen

Der exzessive Handykonsum samt seinen direkten und direkten Folgen bereiten der Ärztekammer Sorgen. Sie fordert die Untersuchungen von Langzeiteffekten und einem bewussten Umgang mit Mobiltelefonen. Dass diese Sorge begründet ist, kann  Prof. Dr. Wilhelm Mosgöller vom Institut für Krebsforschung der Medizinischen Universität Wien bestätigen. Noch nie zuvor hätten sich so viele Menschen einen Mikrowellen-Sender an den Kopf gehalten, so Mosgöller. Er gibt zu bedenken, dass wir heute noch nicht abschätzen könne, was das mit uns in der Zukunft machen würde. Er erinnert an das Beispiel „Asbest“. Hier hat es mehrere Generationen gedauert, bis klar war, welche schädlichen Auswirkungen Asbest auf uns Menschen hat. Auch DI Dr. Hamid Molla-Djafari von der AUVA erklärt dazu:Bei den Handystrahlen handelt es sich um Kraftfelder, sogenannte elektromagnetische Strahlungen, die sich von ihren Quellen, dies sind zumeist Antennen, lösen und mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten. Dabei wird Energie transportiert. Diese Energie hat Auswirkungen auf uns Menschen.“ Im aktuellen Fact Sheet der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Oktober 2014 werden diese elektromagnetischen Felder immerhin bereits als „für Menschen möglicherweise krebserregend“ klassifiziert. Lercher dazu: „Zeitliche und örtliche handyfreie Zonen, die in vielen Gesellschaftsbereichen und Institutionen immer stärker angenommen und implementiert werden, sind eine positive Entwicklung, die die Ärztekammer befürwortet“,

Keine Renaissance der Kernenergie

Egal um welche Energieversorgungsprozesse es sich handelt, alle haben Auswirkungen auf das Lebensumfeld der Menschen und wirken auf unsere Gesundheit. „Großdimensionierte Projekte sollten daher umweltmedizinischen Prüfungen unterzogen werden und Gesetzeslücken, die eine Umgehung von Umweltverträglichkeitsprüfungen zulassen, geschlossen werden„, erläutert Lercher. „Wir appellieren hier vor allem an politische Entscheidungsträger, das Thema Energiesparen wieder verstärkt zu propagieren.“ Jedes im Rahmen der Energiewende geplante Ökostromprojekt muss daher beachtet werden, es hilft unsichere Kraftwerksprojekte einzusparen. Die Ärztekammer Wien unterstützt daher die Bestrebungen der österreichischen Bundesregierung, die Förderung und Neuerrichtung von Kernkraftwerken auch auf internationaler Ebene abzuwehren und einzudämmen. „Die Renaissance der Kernenergie wird als fragwürdige Klimaschutzmaßnahme propagiert“, kritisiert Lercher. Verwiesen wird auf die Nuklearkatastrophen der jüngsten Zeit, welche zeigen, welche unverantwortliche Sicherheitsrisiken alle Kernkraftwerke in sich bergen. Auch die Entsorgung von radioaktiven Abfällen stellt nach wie vor ein ungelöstes und permanentes Problem dar, kritisiert die Ärztekammer.

Schutz der Biodiversität

Die biologische Vielfalt ist eine wesentliche Grundlage und Voraussetzung für die Erhaltung eines gesunden Lebensraums des Menschen. Daher appelliert die Ärztekammer auch an die verantwortlichen Politiker, in den Verhandlungen rund um das geplante Freihandelsabkommen TTIP im Sinne einer Verantwortung für kommende Generationen Naturschutz, Biodiversität und Gesundheitsförderung über wirtschaftliche Interessen zu stellen. Für die Erhaltung eines gesunden Lebensraums des Menschen sei aus medizinischer Sicht der Schutz der Biodiversität von größter Bedeutung.

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