14. Dezember 2015  /// Leben Umwelt

Kevin will die Welt verändern

Der 23-jährige hat alle Eigenschaften, ein Anführer im Kampf gegen den Klimawandel und für eine gerechte Welt zu sein. Er ist TV-Moderator, Mr Indonesia 2014 und Model – also prominent, charismatisch, einflussreich und attraktiv. Kevin ist dazu noch freundlich, sehr klug und eloquent. Ganz nebenbei ist der schlanke, aber sehr durchtrainierte Aktivist Kampfsportler. Sein Motto: Fight for what is right, even if you are standing alone.

Es ist sehr herausfordernd, mit ihm zu sprechen. Er ist extrem zugewandt, hört genau hin, und er weiß eine Menge über die Welt. Das verlangt von seinem Gegenüber, vor dem Sprechen nachzudenken, die eigene Position klar zu definieren und sich keine Nachlässigkeit zu erlauben. Kevin fragt oft nach, wie die Frage konkret gemeint sei, was die eigene Sicht in der Sache sei.  Dabei bleibt Kevin immer freundlich, es geht ihm nicht darum, andere bloßzustellen. Er will genau verstehen, was sein Gegenüber denkt und bestmöglich darauf eingehen, weil ihn die Menschen interessieren.

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Vielleicht liegt es daran, dass er in seiner Heimat ein bekannter Moderator ist. Kevin Hendrawan interviewt jeden Tag Promis – eine Stunde lang und live vor einem Millionenpublikum. Wer schon einmal vor der Kamera gestanden hat weiß: Das erfordert höchste Konzentration, enorme Präsenz und eine Menge Selbstbewusstsein. Besonders, weil junge Menschen in Indonesien sich beweisen und etwas leisten müssen, bevor sie ernst genommen werden – Kevin ist für sein Alter ziemlich weit oben.

Seine hervorstechenden Eigenschaften haben ihn in die Arktis gebracht. Zusammen mit vier anderen ebenso besonderen jungen Menschen aus Australien und Deutschland. Das Eis in der Arktis schmilzt jedes Jahr 8 Meter. Das sind vier Altbau-Etagen in Deutschland. Soweit die Theorie.

Der Filmemacher Jörg Altekruse ist mit den Jugendlichen in die Arktis gefahren, um einen Dokumentarfilm zu drehen. Seine Idee: Die jungen Leute selbst sehen und erfahren zu lassen, was auf sie zukommt und sie mit der Frage zu konfrontieren, ob sie bereit sind, sich dieser Herausforderung zu stellen. Kevin und die anderen trafen Grönländer, die aufgrund wärmerer Ozeantemperaturen immer häufiger Nebel erleben. Im südgrönländischen Narsarssuaq spürten sie die Dimensionen der Eiskappe am Pol. In der vor 1100 Jahren von Wikingern gegründeten Siedlung Quassiarsuq mit heute gerade mal 32 Einwohnern sahen sie kalbende Gletscher. Der Forscher Jason Box erzählte ihnen, wie er als junger Student in diese Region kam und seit über zwanzig Jahren die Veränderungen beobachtet. So musste vor wenigen Jahren die einzige Krabbenfabrik schließen, weil durch die Meereserwärmung die Tiere jetzt fast 1000 Kilometer Richtung Norden gewandert sind. Und dass das Eis schneller schmilzt, weil es mehr und mehr voller Rußpartikel ist, und die Sonne nicht mehr so stark reflektieren kann.

Die Reise macht Sinn. Denn neben dem theoretischen Wissen müssen wir es alle spüren. „Natürlich weiß ich viel über den Klimawandel und seine Ursachen“, erzählt Kevin. „Doch in der Arktis habe ich das erste Mal richtig gesehen und gefühlt, was Klimawandel ist: Wenn es tropft, wenn sich Eis in Bäche verwandelt, wenn um einen herum der Boden wegbricht.“  Kevin trieb das schon vorher an, doch seitdem ist er richtig sauer.

„Der Kampf gegen den Klimawandel ist doch wie eine Diät“, sagt er. „Du hast ein Problem. Du bist zu dick. Der Weg ist da: Tausende Daten, Methoden, Rezepte. Aber die Frage ist: Wirst du es tun? Wenn ja, wirst du abnehmen, und es ist eigentlich nicht schwer. Vielleicht fühlst Du Dich hinterher viel besser. Wenn Du es nicht tust, wird sich nichts ändern. Beim Klimawandel ist es ebenso: Du weißt es, Du hast die Methoden, aber wirst du es tun und eine bessere Welt bauen?“

Kevin glaubt, dass wir einen Wandel des Systems brauchen. In Paris interviewt er Politiker, Wissenschaftler und junge Leute. Sie haben alle verschiedene Hintergründe und Kulturen. Doch das Ziel eint sie, erzählt Kevin, und dieselben Lösungen: Energie sparen, saubere Energien nutzen, Wasservorräte schonen, öffentliche Verkehrsmittel nutzen, weniger Fleisch essen. Aber sie sehen verschiedene Wege, um dorthin zu gelangen, das habe er diese Woche auf dem Klimagipfel gespürt.

Kevin bewegt sich problemlos zwischen verschiedenen Kulturen. Auf Bali, wo er lebt, hat er in Hotels gejobbt.

„Ich versuche herauszufinden, was die Leute brauchen. Damals beim Arbeiten, heute beim  Klimawandel. Wir machen uns alle Sorgen darum. Wir kommen alle aus verschiedenen Regionen und Kulturen und haben unterschiedliche Verhaltensweisen. Darum muss es verschiedene Ansätze geben. Man muss professionell daran gehen und es nicht persönlich nehmen, wenn jemand die eigene Sichtweise nicht teilt oder andere Kommunikationsweisen hat. Zum Beispiel sind Europäer viel direkter. Wenn sie jemanden oder etwas nicht mögen, sagen sie es. Wir sind vorsichtiger, wir denken: Wenn ich es so deutlich sage, mache ich mein Gegenüber traurig oder bin verletzend. Alle diese Dinge muss man einbeziehen und  richtig einordnen.

Indonesien ist ganz anders als Europa. 80 Prozent der 250 Millionen Menschen sind arm. „Viele Menschen denken täglich darüber nach, wie sie den nächsten Tag überleben, sie haben keine Zeit für den Klimawandel“, sagt Kevin. „Man muss sie dort abholen, wo sie sind und ihnen klarmachen, dass eine nachhaltige Lebensweise ihre Situation verbessern und ihr Leben einfacher machen kann. Wenn die Natur sauber ist und wir gerechte Arbeitsbedingungen haben, profitieren gerade die Armen.“

Kevin will die Welt verändern und er hat einen mächtigen Hebel, weil er viele Fans hat. Gern würde er eine Fernsehserie über den Klimawandel machen, aber die soll unterhaltsam sein, so dass die Menschen sie auch anschauen wollen. „Das Problem ist ja, dass niemand gerne von Klimakatastrophen hören will und noch weniger darüber nachdenken möchte, dass er oder sie das eigene Verhalten ändern muss, um das zu verhindern.“ In Indonesien hat  kaum jemand Zugang zum Internet. Darum sehen viele fern. Eine gut gemachte Sendung würde potentiell Millionen Menschen erreichen.

In Paris trifft Kevin andere junge Menschen aus aller Welt und vernetzt sich mit ihnen. Manchmal ist das auch langweilig, wenn die anderen eher träumen als zielorientiert sind. Dann verlässt er die Veranstaltung eben und schaut, wo er mehr ausrichten kann. Zum Beispiel, indem er sich mit der Schweizer Klimastiftung Myclimate zusammensetzt und schaut, wo es Kooperationen geben könnte. Denn darauf kommt es an, dass alle, die gute Ideen haben, zusammen vorangehen.

 

 

https://www.instagram.com/ykhendrawan/

http://www.youth4planet.com/author/kevin/

https://www.youtube.com/watch?v=kyvJQFUKqGE#t=500

ab Minute 749

https://www.instagram.com/ykhendrawan/

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