29. April 2017  /// Athener Tagebuch

Athen im April

Und wie jedes Jahr wurde wieder der 25. März gefeiert, um der Revolution gegen die türkische Besatzung, die 1821 auf dem Peloponnes begann, zu gedenken. Und dieser Tag ist aktueller denn je, wenn man die erneute türkische Aggression beobachtet. Man fordert nicht nur die griechischen Inseln, die sie als ihr Eigentum ansehen, sondern auch die Erdgasvorkommen vor Zypern. Nun ja, es gibt da zwar den Vertrag von Lausanne, der das eigentlich regelt, aber den erkennen sie scheinbar auch nicht mehr an. Populistische Zeiten sind angebrochen, auch in Europa.

Dieser Tage waren wir im Zentrum und haben ein „Märchen-Cafe“ besucht. Am Eingang begrüßte uns Schneewittchen und vor dem Hause stand eine kleine Kutsche. Das Cafe ist der Insider-Tipp zur Zeit in Athen und der selbstgemachte Kuchen schmeckte einfach delikat. Vielleicht sollte ich doch für Touristen eine Schlemmer-Tour organisieren? Denn diese Orte finden selbst Griechen nicht.

Übrigens war ich für 14 Tage in Deutschland, meiner Geburtstätte auf dieser Erde und flog in den hohen Norden, genauer gesagt nach Bremen und von dort aus nach Bad Zwischenahn, einen idyllischen Kurort. Und das Wort „idyllisch“ trifft absolut zu. Die Welt ist hier noch bzw. „fast“ noch in Ordnung. Und trotzdem klagen die Leute.

Die sollten doch einfach mal für ein paar Wochen nach Griechenland kommen, dachte ich mir, dann könnten sie wirklich klagen. Sieben Jahre Wirtschaftskrise und Einkommenseinbrüche von bis zu 80 %, das ist wirklich ein echter Grund.

Was mir auffiel, war, dass auch hier das „Mein-Smart-Phone-Syndrom“ existiert. Überall sitzen die Menschen herum und spielen, schreiben, telefonieren mit diesem Gerät. Es ist der Ersatz für die menschliche Kommunikation geworden. Die griechische Jugend trifft sich in Gruppen und sie unterhalten sich über ihr Handy. Da breitet sich bei mir Sprachlosigkeit aus.

Deswegen ziehe ich persönlich die klassischen Cafes vor, in denen auch heute noch die Athener plaudern und philosophieren über Gott und die Welt. Einsamkeit und Langeweile kennt man hier nicht. Der Grieche ist sehr politisch und die Politik ist häufig Kernthema. Das muss wohl mit der alten Agora unter der Akropolis zusammenhängen, in der man diskutierte und auch wählte.

Gleichzeitig scheint eine neue Mode ausgebrochen zu sein. Die Autonomen versenden Briefbomben nach Europa. Nicht sehr gefährlich aber schmerzen tut es trotzdem, wenn man sie öffnet. Sie kommen aus der extrem linken Szene, die sich im Studentenviertel Exarchia aufhält und wurden an den IWF und das deutsche Finanzministerium verschickt. Ob das Herrn Schäuble umstimmen wird? Wohl eher nicht!

Griechenland ist also wieder in aller Munde, wenn auch im negativen Sinne. Wobei die Tourismuszahlen dieses Jahr über 30 Millionen steigen werden. Da gehen wir am besten erst wieder im Winter in die Athener Altstadt. Schon auf dem Herflug aus München war der Airbus zur Hälfte mit Chinesen belegt, mit denen man sich leider nicht unterhalten konnte, weil sie kein Wort Englisch verstanden. Da bin ich ja mal gespannt wie das die Souvenirläden in Monastiraki lösen. Wahrscheinlich werden sie Chinesisch-Kurse für Anfänger belegen, denn man weiß, dass die Touristen aus China einen lockeren Geldbeutel haben.

Was passiert sonst noch so? Ach ja, ein Brezelladen hat aufgemacht. Für alle Deutsch-Griechen ein Muss. Brezeln, die das Herz begehrt und das in allen Variationen. Der Inhaber ist übrigens aus Deutschland und das bedeutet, dass die Brezeln keine griechische Imitation sind, sondern authentisch!

Natürlich feiert man auch hierzulande Ostern. Für das Land sollen es Tage der Besinnung sein und das ist mit Fasten verbunden. Erstaunlich wie viele Leute, auch Junge, sich daran halten. Diese Empfehlung könnte man einigen „übergewichtigen“ Priestern geben, denn gesund leben und in Maßen essen sollte man das ganze Jahr über und nicht nur in diesen Wochen. Aber das ist eine ganz persönliche Meinung.

Aber ab Samstagnacht darf dann wieder zugeschlagen werden und es wird getanzt, gegessen und getrunken bis in die späte Nacht bzw. die frühen Morgenstunden hinein.

Der Sonntag ist dann den Lämmern gewidmet, die zu tausenden geschlachtet und gegrillt werden. Es ist wohl mehr ein Familientreffen, das den Menschen die Gelegenheit gibt in ihre Heimat, soll heißen, in ihre Dörfer und auf ihre Inseln zu reisen. Genauer gesagt, ganz Griechenland ist auf den Beinen. Für uns Athener ist das eine schon fast himmlische Ruhe in der Stadt, die wir jedes Jahr genießen.

Ganz entziehen können auch wir uns nicht von dem Osterfest, denn wir sind wie jedes Jahr bei einem echten Bayern eingeladen, der abseits eines Dorfes, unweit von Athen, dort mit seinen 13 Hunden lebt. Ein uriger Bursche mit seiner typisch netten wie knurrigen Art, die aber sehr liebevoll ist. Dort haben wir also den ganzen Tag verbracht, auch wenn wir als Vegetarier uns nicht dem „Lamm-Schlemmen“ hingegeben haben.

Er lädt alle seine Freunde aus dem Dorf ein und selbst aus München kommen sie angereist. War also ein sehr unterhaltsamer und langer Tag, an dem alle Themen die uns so bewegen, diskutiert wurden. Angefangen bei der Politik, über die wirtschaftliche Krise bis hin zu den alten griechischen Philosophen und den Türken. Sicher ist, langweilig wird es in so einer Runde nicht!

Und wenn dann alle Themen erschöpft sind, dann fangen die Griechen wie immer an zu tanzen und bei dem guten Wein ist das eine erheiternde Selbstverständlichkeit.Man lässt es sich gut gehen und für einen Tag alle Sorgen hinter sich und lebt einfach. Das ist doch schon was. Leben………

Das Wetter hat sich auch bereits auf die Feiertage eingestellt und jetzt möchte ich Euch nicht unnötig ärgern. Aber der mediterrane, blaue Himmel schwebt bereits  auf seine verführerische Art über unseren Köpfen und das bei angenehmen 22 ° C.

Wie sieht’s aus? Kommt Ihr dieses Jahr auch nach Athen? Wenn ja, nicht vergessen mich zu kontaktieren, denn für einen guten Kaffee habe ich immer Zeit!

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