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13. Juli 2015  /// Griechenland Politik

Athener Tagebuch (10)

Na, das kann ja lustig werden

Das Wort des Jahres „Grexit“ wurde durch ein neues ersetzt „A-Greek-ment“ (von engl. agreement).

Humor ist wenn man trotzdem lacht: Und es sieht so aus, als wenn das ausgelassene, herzliche Lachen langsam aber sicher wieder in unser Leben zurückkehrt.

Wobei die Griechen an einem Tag wie Heute nicht wissen ob sie lachen oder weinen sollen. Die Reformen sind hart, aber es ist auch eine gewisse Erleichterung zu spüren.

Obwohl in den social media von Besatzung etc. gesprochen wird.

Die Griechen lassen ihrer Enttäuschung freien Lauf. Sie sind voller Pathos und den zeigen sie. Diese Emotionen müssen raus. Sie leben sie! Pathos mit allen Höhen und Tiefen.

Jetzt sind sie wieder in ihrem Element: Schimpfen über die Reformen, die jetzt anstehen.

Teilweise verständlich. Denn ist es nicht immer das Volk, das die Zeche zahlt?

Andererseits: Ist das Volk nicht immer auch zurecht dran beteiligt, weil mitverantwortlich? Doch, das sind sie und das wissen sie. Doch wem gefällt das schon? Selbstkritik ist angesagt. Und nun mal ehrlich: Wer blickt schon gern in den Spiegel und gesteht sich ein, dass alle im gleichen Boot sitzen. Die da oben und die da unten.

Politisch steht das Land vor starken Veränderungen. Alexis Tsipras hat nicht mit Europa gebrochen, er hat mit dem linken Flügel seiner Partei gebrochen. Er ist in diesen Wochen zu einem Ministerpräsidenten aller Griechen gereift. Er hat das Land über seine persönlichen und seine Parteiinteressen gestellt. Es ist nicht mehr der Tsipras von gestern. Jetzt ist er ein Mann von morgen und laut Umfragen hat er einen Sympathiegrad von über 70%.

Und er muss noch etwas beweisen: Dem griechischen Volk und den Europäern, dass es ihm gelingt, die versprochenen Gesetze am Mittwoch zu verabschieden. Mit einer neuen Regierungsmannschaft und mit den Stimmen der Opposition. Denn weder die Kommunistische Partei noch der extreme linke Flügel werden ihn unterstützen.

Alle Minister, die noch am Sonntag „Nein“ gestimmt haben, werden ersetzt. Tsipras braucht jetzt eine Mannschaft, die die Reformen vorantreiben und in die Praxis umsetzen.

Es ist ein Signal an Europa, an Hollande und an Renzi, die Griechenland in diesen schwierigen Tagen beiseite gestanden haben und sich für  Griechenland eingesetzt haben. Die will, darf und wird er nicht enttäuschen!

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