15. Juli 2015  /// Griechenland

Athener Tagebuch (12)

Wird es ein Pyrrhus-Sieg von Tsipras?

Als König Phyrros 279 v. Chr.  gegen Rom gewann, gelang ihm das nur mit sehr hohen Verlusten. Die Verluste waren so hoch, dass man im Endeffekt kaum mehr von einem Sieg sprechen konnte.

So könnte es heute Alexis Tsipras ergehen. Die Regierungspartei ist gespalten. Es gab reihenweise Rücktritte und ein linker Flügel, der mit „nein“ stimmen wird, formiert sich. Somit ist der Ministerpäsident auf die Oppositionsparteien angewiesen, die zumindest bisher eine klare Zusage abgegeben haben.

Gleichzeitig schlug die Analyse des IWF in Athen ein wie eine Bombe. In ihr wurden Daten veröffentlicht, die eine klare Rezession von 4% aufgrund der Reformen voraussagen. Damit hat der IWF Öl ins Feuer gegossen, weil selbst die wankelmütigen Abgeordneten, hinsichtlich dieser Zahlen, schwer zu überzeugen sein werden.

Die Menschen sind aufgewühlter denn je, auch das einstündige TV-Interview von Alexis Tsipras gestern Nacht konnte sie nicht beruhigen. Für heute sind landesweite Streiks angesagt, darunter die öffentlichen Verkehrsmittel und Apotheken.

Alle haben ihre Gründe, aber der gravierendste wird wohl sein, dass die Gewerkschaften mit den neuen Gesetzesvorlagen geschwächt werden sollen.Das passt vielen Linken nicht, weil das auch Auswirkungen auf die Demonstrationen hat.

Hiermit sind nicht die großen gemeint, sondern die kleinen. Demonstrationen von 20, 50 oder 100 Personen hatten fast jede Woche das Zentrum lahmgelegt und somit die Geschäfte stark finanziell geschädigt. Hier hatten die Gewerkschaften das Demokratieverständnis zu Lasten der Mittelständler für sich in Anspruch genommen.

Man muss sich das so vorstellen, als ob die Wiener Innenstadt oder das Umfeld des Brandenburger Tors  zwei Wochen dicht gemacht würden!!

Das hatte viele Unternehmer dazu bewegt, ihre Büros ausserhalb des Zentrums einzurichtenund sehr viele Läden zum Schließen gebracht. Der Puls der Stadt wurde getroffen.

Es wird Veränderungen geben im Lande. Nicht nur ökonomische, sondern auch politische. „Sie werden heute beginnen“.

Wie sagte mir heute Morgen der Verkäufer im Supermarkt: „Auf das die Götter mit uns sind!“ Ich antwortete ihm: „Es gab 12 Götter und ich hoffe, sie hören uns!“

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