16. Juli 2015  /// Griechenland Politik

Athener Tagebuch (13)

Die innerparteiliche Troika

Was für eine Nacht. Und wieder stehen wir morgens mit Ringen unter den Augen auf. Die Politik lässt uns nicht zum Schlafen kommen.

Wer gestern die Parlamentsdebatte verfolgte, die um 11.00 Uhr morgens begann und erst nachts um 02.00 mit der Bekanntgabe der Stimmen endete, weiß, dass diese 229 Stimmen für  Griechenland etwas besonderes sind – weil sie mit der Mehrheit der Opposition zustande kamen. Die eigene Partei, und damit ist der extrem linke Flügel gemeint, hat Tsipras die Gefolgschaft verweigert. Darunter auch einige Minister und die Vorsitzende des griechischen Parlamentes!

Das wird Folgen haben. Heute werden bereits alle Minister, die für „nein“ gestimmt haben, ausgetauscht werden. Wenn nicht heute, dann morgen. Es wird zu einer Regierungsumbildung kommen. Auf jeden Fall hat Tsipras geliefert, was die Europäer gefordert haben und damit ist und bleibt er der starke Mann, mit dem man verhandeln muss.

Natürlich ist das einigen Abgeordneten im deutschen Bundestag nicht recht, wie auch die Aussage von Thomas Strobl, stv. CDU-Vorsitzender, im ZDF „heute-journal“ beweist: „Die Griechen haben jetzt lange genug genervt!“

Probleme an der Wurzel anpacken. Referendum. Neue Verträge mit Brüssel. Schuldenerlass und die Frage wie es überhaupt zu diesem Ausmaß an Verbindlichkeiten kam. Siemens und die Schmiergelder deutscher Waffenlieferanten an griechische Minister. Tausende von Flüchtlingen auf den griechischen Inseln, ohne Hilfeleistungen aus Europa usw. usw. Das alles ist natürlich auf die Dauer „nervend“, weil man gezwungen ist, Lösungen zu finden, zum Wohle Europas

Hinter den Kulissen spielten sich teilweise dramatische Szenen ab, aber auch eine belustigende Geschichte:

Eine Abgeordnete der kleineren Regierungspartei hatte während der Fraktionssitzung plötzlich eine Eingebung, wie sie es ausdrückte. Sie hatte eine Vision und sah den heiligen Ephraim. Er sagte zu ihr, dass sie dagegen stimmen sollte. In diesem Augenblick brach ihr Stuhl zusammen!

Sie sah das als ein Zeichen von oben und ging zum Präsidenten der Partei um ihm davon zu erzählen. Und er hat zu ihr gesagt: „Wenn Du dagegen stimmst, werde ICH Deine „Vision“ sein und nicht der heilige Ephraim!“

Sie stimmte übrigens mit JA!

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