19. Juli 2015  /// Griechenland

Athener Tagebuch (16)

Ein trauriger Tag, eine große Naturkatastrophe für das Land. In Athen konnten die Brandherde glücklicherweise gelöscht werden und es besteht keine Gefahr mehr. Besonders stark betroffen ist die Region Lakonien auf der Halbinsel Peloponnes, deren Hauptstadt Sparta ist. Hunderttausende von Olivenbäumen sind verbrannt. Es ist die zweite schwere Katastrophe auf dem Peloponnes in wenigen Jahren. Einwohner berichten von Explosionen, und es ist jetzt offensichtlich, dass Brandstiftung vorliegt, zumal sie an drei verschiedenen Stellen plötzliche Brandherde beoachteten. Eine regionale Tragödie, die in wenigen Stunden Existenzen vernichtet hat und von der man sich erst nach vielen Jahren erholt haben wird.

Die Tragödie hatte im antiken Griechenland eine wichtige Bedeutung. Sie sollte die Kranken zur inneren Reinigung führen und war eine Vorbereitung auf die Therapie in Epidauros, der wichtigsten antiken Kultstätte für den Gott der Heilkunst, Asklepios. Damit sie jedoch am Ende einer Tragödie nicht schwermütig nach Hause gingen, wurde ihnen gleich im Anschluss eine Komödie gezeigt, die sie aufheitern sollte. Theaterspiele waren ein wichtiger Teil im Genesungsverfahren und nicht nur zur Unterhaltung der GriechenInnen gedacht.

Gerade Epidauros mit seinen therapeutischen Elementen war ein sehr beliebter Ort für viele Menschen. Epidauros bedeutet so viel wie „auf der Aura der Erde“, und man muss sich vorstellen, dass vor über 2500 Jahren die damaligen Ärzte mit diversen Methoden die Aura oder Seele geheilt haben! Und heute heißt die Antwort auf viele Leiden Antibiotika, übrigens auch ein griechisches Wort, das so viel bedeutet wie „gegen das Leben“. Tja, wenn es doch eine Zeitmaschine gäbe, um herauszufinden, wie die damaligen Therapeuten die Menschen geheilt haben. Ich würde sofort einsteigen!!

Wer heute nach Epidauros fährt, kann immer noch Teile des rund 15.000 Zuschauer fassenden Theaters mit seiner berühmten Akustik bewundern. Selbst in unserer heutigen Zeit haben es Wissenschaftler bisher nicht geschafft, ein Amphitheater mit dieser Akustik nachzubauen. Wenn man sich in die letzte Reihe setzt und man unten im Zentrum, dem „Orchestra“, eine Nadel fallen lässt, dann kann man sie bis oben hin hören. Einfach fantastisch.

Epidauros, ein Ort der Meditation, an dem man seine Seele „baumeln“ lassen kann.

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