20. Juli 2015  /// Griechenland Leben

Athener Tagebuch (17)

Die Wettervorhersage für die Woche: Am Meer windig, heiß, 38° C, im Parlament stürmisch, schwül, 24° C – mit eingeschalteter Klimaanlage.

Es steht eine Woche mit weiteren Abstimmungen zu den geforderten Reformen bevor. Hitzige Debatten werden folgen, und die Medien haben eine Menge zu schreiben. Livesendungen und Diskussionen werden im Fernsehen ausgestrahlt, um das Volk auf die „harte“ Zukunft vorzubereiten. Als wenn sie nicht schon hart genug wäre!

Ist sie wirklich so hart? Alles ist dual und muss von zwei Seiten betrachtet werden. Und das Gegenteil von „hart“ ist „weich“. Deswegen möchte ich es positiver ausdrücken: „Es stehen uns „weiche“ Wochen und Monate bevor!“ Klingt doch viel besser, oder?

Eine Umfrage von TV-Sendern unter Touristen hat ergeben, dass sie von der sogenannten Krise überhaupt nichts mitbekommen! Sie fragen sich alle: „Wo ist diese Krise in Griechenland?“ Sie hätten zwar davon gehört, aber vor Ort sei davon nichts zu spüren!

Die Griechen sind freundlich und lachen, sind ausgelassen und höflich wie immer. Der Tourist aber weiß nicht, wie es im Inneren aussieht. Denn: ein Grieche würde seine Probleme, sollten sie auch noch so groß sein, NIE und NIMMER einem Gast, der dieses Land besucht, zeigen! Dafür hat er viel zu viel Stolz und Ehrgefühl. Und er meint, dass er auch nicht das Recht hat, Gäste mit seinen Problemen zu belästigen.

Es gibt selbstverständlich auch Touristen, die trotzdem ein ungutes Gefühl haben. Eine derartige Geschichte von einem Touristenehepaar auf Kreta, kam mir heute zu Ohren.

Sie trug sich zu in einem Cafe-Restaurant außerhalb von Knossos, Kreta. Eine Familie aus Bayern war besorgt, ihre Herkunft zu verraten (als wenn man das nicht sehen würde!!). Man muss vielleicht dazu sagen, dass die griechischen Kellner fast immer aus Interesse fragen: „Wo kommen Sie denn her?“ Sie hatten also Angst zu sagen, sie seien Deutsche. „Vielleicht sollten wir so tun, als wären wir aus Spanien!“, sagte er zu seiner Gattin. Der griechische Kellner konnte zufällig Deutsch und ging zum Tisch, um das Ehepaar zu beruhigen: „Machen sie sich keine Sorgen“, bemerkte er lachend, „Politik ist nicht unsere Sache. Das wäre ungefähr so, als hätte ich ein Problem mit jemandem, würde aber den Kindern die Schuld dafür geben!“

Dennoch wollte der Bayer keine Risiken eingehen und bat ihn: „Bitte sagen Sie dem Koch nicht, dass wir Deutsche sind!“

Ob er den Koch trotzdem informiert hat, wissen wir nicht. Auch wenn dem so gewesen wäre, vor was hatten die Deutschen Angst? Dass der Koch sie vergiften würde???

Als ich diese Geschichte heute einem Freund erzählte, schüttelte er nur den Kopf und meinte: „Wir können uns zanken und streiten, aber Gastfreundschaft steht bei uns aus Respekt vor dem Anderen immer an ERSTER Stelle!“

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