21. Juli 2015  /// Griechenland Leben

Athener Tagebuch (18)

Die Überraschung der Woche: Die Banken sind seit gestern wieder geöffnet. Nicht ganz, denn Kapitalverkehrskontrollen werden noch eine Weile das tägliche Leben beeinflussen. Man kann immer noch täglich 60 € abheben bzw. an 7 Tagen, am Sonntag auch den gesamten Betrag von 420 €. „Naja, immerhin etwas“, sagte ein Rentner in der Schlange vor dem Geldautomaten.

Ebenso wurde gestern fast das ganze Mehrwertsteuersystem geändert. Am meisten betroffen sind die Lebensmittel, die Cafes und Restaurants. Hier gibt es teilweise eine Erhöhung von 13 % auf 23 %.
Es wird also fast alles teurer und zwar genau das, was die GriechenInnen am meisten lieben. Im Cafe sitzen, um zu philosophieren, und das gemeinsame Essen mit Freunden.

Hier sind den Verantwortlichen auch ein paar kleine Fehler unterlaufen. Der so beliebte Souvlaki (Fleischspieß) hat einen MwSt-Satz von 13 %. Wenn man aber Salz darauf streut, müssen 23 % veranschlagt werden, weil er, wie es im Wirtschaftsdeutsch so schön heißt, „bearbeitet“ wurde.
Da lachen sogar die Hühner, und die können gut lachen, denn Hühnerfleisch fällt weiterhin unter die MwSt. von 13 %.
Da ich kein Fleisch esse, ist es mir eigentlich egal, aber das mein so geliebter Freddo jetzt teurer wird, das fuchst mich schon, um ganz ehrlich zu sein.

BBC London hat sogar extra einen Reporter nach Athen gesandt, der aus einer Taverna über die neuen Steuern berichtete. Auf dem Tisch vor ihm standen frische Kalamari (Tintenfisch) mit Pommes und Salat, und er analysierte, wie sich die Preiserhöhungen auf den Geldbeutel auswirken. Mannomann bzw. Frauofrau, man muss sich das mal vorstellen, da fliegt man einen BBC-Reporter ein, der den Engländern erklärt, wie die Restaurant-Preise in Athen sind!!!

Als wenn es auf der Welt nichts Wichtigeres gäbe. Erst jetzt wird einem bewusst, wie enorm relevant die griechische Ökonomie ist, die ein Bruttoinlandsprodukt in der Größenordnung von Hessen hat!

Es stimmt also doch: Griechenland ist der Nabel der Welt!

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