Dieter Bartels
Bild: Dieter Bartels
24. Juli 2015  /// Griechenland Leben

Athener Tagebuch (21)

Zunächst zwei technokratische Neuigkeiten:

Standard & Poor’s hat Griechenland von CCC- auf CCC+ hochgestuft, was so viel bedeutet wie von „Ramsch“ auf „Ramsch plus“. Das ist ja schon was für griechische Verhältnisse. Man sollte nicht unzufrieden darüber sein, und es ist ein erster positiver Schritt.
Und das griechische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, um Gerichts- und Verwaltungsprozesse künftig zu vereinfachen.

Im alltäglichen Leben spielen zur Zeit die Kapitalverkehrskontrollen eine große Rolle. Firmen, die im Ausland Waren bestellen möchten, sind gezwungen, sich eine Genehmigung zu holen. Damit möchte man vorerst die Abwanderung von Geldern ins Ausland eindämmen. Der Nachteil ist allerdings, dass dadurch kein reibungsloser Warenverkehr mehr möglich ist.

Gerade Exportfirmen, die auf Roh- und Hilfsstoffe angewiesen sind, stehen vor unlösbaren Problemen und leiden sehr stark darunter, insbesondere die Bekleidungs- und Schuhindustrie. Umsatzeinbrüche auf allen Ebenen sind die Folge.

Was hat sich nach dem Referendum geändert? Wie ist die Stimmung im Lande?

Diese Fragen werden uns sehr oft gestellt. Hier ist zu unterscheiden zwischen Athen und dem Rest des Landes. Die Menschen auf den Inseln und auf dem Lande spüren viel weniger davon. Die Inseln leben hauptsächlich vom Tourismus und sind bis in den Herbst hinein beschäftigt. Auf Kreta, Mykonos, Santorini etc. sind die Hotels so gut wie ausgebucht. Auch in den ländlichen Gebieten, die von der Agrarwirtschaft leben, gibt es keine größeren Probleme.

Das Problem ist und bleibt Athen mit seinen 4 Millionen Einwohnern. Sehr viele Geschäfte bleiben geschlossen, weil die Nachfrage geringer ist als das Angebot. Die Verteuerungen und neuen Steuern werden die Schattenwirtschaft ankurbeln. Auch neigen die Menschen dazu, vieles in Bargeld zu bezahlen, aus Angst vor kontrollierenden Staatsmechanismen, wie es bereits in Schweden der Fall ist. Dort gibt es nur noch eine Bank, die Bargeld in kleinen Mengen herausgibt. Hierzu kann ich nur sagen. „Das machen die GriechenInnen nicht mit!“

Dazu ist ihr Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit viel zu groß!!!

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