Dieter Barteil / Athen
Bild: Dieter Barteil / Athen
31. Juli 2015  /// Griechenland Leben

Athener Tagebuch (28)

Hellas wie es leibt und lebt. Wollte mit einem Geschäftsmann einen Termin vereinbaren. Er teilte mir jedoch mit, dass er in Urlaub sei, mit seiner Segelyacht aber nicht unweit von Athen entfernt liege. Wenn ich möchte, dann könnte ich ihn gerne dort besuchen und mit ihm zusammen Mittag essen.

Das brauchte er mir nicht zweimal zu sagen, also machte ich mich auf den Weg, rund 40 Minuten Autofahrt, Richtung Sounion, wo der berühmte Poseidon Tempel steht.

Die kleine Segelyacht lag in einer Bucht und er holte mich mit einem Schlauchboot vom Strand ab. Um ehrlich zu sein, war es das erste Mal, dass ich eine geschäftliche Verabredung auf dem Wasser hatte. Aber sind nicht viele Dinge, die wir im Leben tun, das erste Mal?

Weil wir durchgeschwitzt waren, schlug er vor, ein kurzes Bad im Meer zu nehmen.

Dieter Bartels / AthenRein in die Badehose, Schwimmflossen angelegt und „platsch“, waren wir auch schon im erfrischenden Nass. Fast synchron stießen wir beide die gleichen Laute aus „Ahh, tut das gut!“

Zurück an Bord, servierte er einen griechischen Mokka und eisgekühltes Wasser und die Besprechung konnte beginnen. Denkste! Kein griechischer Geschäftsmann kommt sofort zum Thema. Erst wurde über die politische Situation und die Kapitalverkehrskontrollen gesprochen.

Er, ein Mann Mitte Fünfzig, war gut informiert und meinte, dass er zwar eigentlich optimistisch wäre, aber trotzdem nicht daran glaube, dass sich Griechenland in den nächsten 15 Jahren erholen werde. Bamm! Das klang aber gar nicht positiv und um ehrlich zu sein, gefiel es mir auch nicht. Er definierte die derzeitige Lage als einen Zusammenbruch der Wirtschaft, eine Situation die jetzt schon fünf Jahre andauere. „Eigentlich überleben wir nur noch“, klang es melancholisch aus seiner Stimme. „Nach jedem Zusammenbruch braucht es die Erholungsphase und die hat in Griechenland noch nicht einmal begonnen!“

Irgendwie hatte er recht und das war mir klar, aber als „Oberoptimist“ antwortete ich ihm: „Auch die Mauer in Berlin ist in einer Nacht gefallen und wenn das jemand ein Monat früher vorhergesagt hätte, dann hätte man ihn für verrückt erklärt! Also warum soll sich die Wirtschaft nicht schneller erholen?“ „Und wie soll das gehen?“, fragte er. „Ganz einfach!“ antwortete ich: „Weil die Hälfte der Volkswirtschaft aus Psychologie besteht, bedarf es einer Ökonomie-Euphorie, so wie der Ausbruch eines Vulkanes. Und alles kann sich ganz schnell und plötzlich ändern!“

Er war überrascht über mein Argument. Etwas nachdenklich geworden, hatte er aber keine Antwort auf meine Aussage. Er wusste wohl, dass es noch etwas anderes gibt außer Zahlen im täglichen Leben. Und das wäre die Hoffnung, denn die stirbt bekanntermaßen immer als Letztes!!!

Das „Athener Tagebuch“ wird ab jetzt wöchentlich zusammengefasst sonntags „gesendet“.

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