6. Juli 2015  /// Griechenland Leben Politik

Athener Tagebuch (3)

Der Tag danach!

Bis nachts um 02.00 saß ganz Griechenland vor den Bildschirmen, nicht nur um das Endergebnis zu hören, sondern auch die Statments der politischen Parteien und die Rede des Ministerpräsidenten Alexis Tsipras.

Es war eine kurze Rede, in der er von einem Volk sprach und nicht von JA und NEIN-Menschen, ein Volk, das einfach eine demokratische Antwort gegeben hat.

Keine Vorwürfe, keine Propaganda, vielmehr ein Zeichen von Griechenland an die Kreditgeber. Denn Europa ist Griechenland, es ist schließlich unser Name. Auch eine Rückenstärkung für ihn, verbunden mit einer großen Verantwortung für das 10-Millionen-Völkchen.

Am Syndagma Platz wurde dezent gefeiert, denn es gibt noch keinen Grund für eine große Party. Die Menschen wissen das! Auch auf facebook, wo sich die ganze Woche noch die besten Freunde über JA und NEIN gestritten hatten, war jetzt nur noch die Rede davon, sich nicht eine Freundschaft durch eine Volksabstimmung kaputt machen zu lassen.

Nein, die Griechen sind reifer geworden in den letzten 5 Jahren. Sie haben lernen müssen mit einer Krise zu leben, die wie Steinbrück sagte in Deutschland nicht möglich gewesen wäre. Sein Satz: „ Hier wäre die Hölle los!“

Alle wissen, dass diese Woche die Entscheidende sein kann. Alle wissen, dass sie Technokraten gegenübersitzen und Politikern, die jetzt beleidigt sind und wütend, wegen dieser Volksabstimmung. Die nicht aufgelegt sind zum Sirtaki und zu einem Glas griechischen Wein, den Udo Jürgens so herrlich für die Herzen der Hellenen schrieb.

Nein, es ist nicht die Zeit zum Zurücklehnen. Nicht die Zeit zum Ausruhen. Jetzt werden alle Kräfte gebraucht, auch wenn es die allerletzten sein könnten. Aber wer kennt schon die Griechen? Die totgeredet wurden und immer wieder aufstehen.

Das ist ihre Natur und diese innere Kraft ist ganz tief in ihrer DNA eingebrannt. Ich nenne es immer DNA-Tattoo.

Deswegen muss man dieses Land einfach lieben. Es kann so schön chaotisch sein, so unorganisiert, so widersprüchlich, doch wenn sie ihr freundschaftliches Herz aufmachen, dann heißen sie alle willkommen, egal welcher Rasse, egal welcher politischer Richtung und vor allen Dingen „ohne nachtragend“ zu sein. Ein wunderschöner, menschlicher Zug.

Fazit: Europa und Griechenland sind kulturell unzertrennlich und so wird es immer bleiben! Daran werden auch Politiker, Banken und Technokraten nichts ändern!!!

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