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9. Juli 2015  /// Griechenland Leben

Athener Tagebuch (6)

Was für ein schöner Tag!

Meine erste Frage war heute an mich selbst gestellt: „ Was soll ich ins Tagebuch eintragen?“ „Mit welcher Information soll ich zuerst anfangen?“
Vielleicht beginnen wir am besten im Cafe, mit einem Freund, der in Athen lebt, sich zur Zeit aber bei Egion (kurz vor Patras) aufhält, um seine kranke Mutter zu pflegen, die vor 14 Tagen einen Gehirnschlag hatte.

Natürlich war die erste Frage nicht: „Was meinst Du zur derzeitigen Situation?“, sondern „Wie geht es Deiner Frau Mama?“ „Gut“, war die Antwort, „denn sie hat immer gesund gelebt und keine Lähmungserscheinungen. Das einzige was sie jetzt braucht ist Ruhe, und meine Familie ist bei ihr, um sie zu unterstützen!“

Er hat seine Arbeit komplett liegen lassen und kümmert sich um seine Mutter. Das ist für ihn so selbstverständlich wie das tägliche Atmen und jeder Arbeitgeber akzeptiert das. Denn die Familie hat Vorrang!!

Ihm gehören mehrere Olivenhaine und er brachte mir fünf Liter reinstes Olivenöl mit. Ihr könnt Euch vorstellen, wie begeistert ich war, denn dieses Olivenöl bekommt man in dieser Reinheit nicht einmal auf dem freien Markt zu kaufen!

Er ist ein ruhiger Typ von Mensch und als ich ihn dann doch noch fragte: „Was meinst Du?“, kam nur eine kurze Antwort: „Alles geht vorbei!“

Wir hatten keine Lust weiter in diesem Thema zu bohren, weil wir langsam müde geworden sind von all diesen, uns erschlagenden Informationen. Wir unterhielten uns also über andere, private Dinge, zumal er sich wieder auf den Weg zu seiner Mutter machen musste, knapp 170km von Athen entfernt.

Zu Hause angekommen traf ich zufällig unsere Vermieter, die über uns wohnen. Es ist ein 2-Familienhaus und liegt im Süden von Athen, im Vorort Glyfada.

Anhand der Badetaschen erkannte ich, dass sie ans Meer fahren würden. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und ich sagte ihnen, dass ich die Miete aufgrund der geschlossenen Banken noch nicht bezahlen könne. Hierzu wäre zu erwähnen, dass wir die Miete allgemein immer noch in bar bezahlen. Das hat einen großen Vorteil. Man bleibt in Kontakt, unterhält sich zumindest einmal im Monat über dies und das und pflegt die gute Nachbarschaft.

Seine Antwort war spontan: „Machen Sie sich keine Sorgen, wichtig ist: Wir sind alle gesund!“ Natürlich bedankte ich mich höflich und wünschte ihnen: „Ein schönes Baden!“

Was für ein schöner Tag, dachte ich mir. Wunderbares Wetter, blauer Himmel und nette Nachbarn, die genauso wichtig sind wie gute Freunde.

„Ja! Was für ein schöner Tag !“

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