25. April 2016  /// Athener Tagebuch

Athener Tagebuch KW 16 (262-268)

Sonntag, 24.04.2016 / Folge 268

Die Osterwoche steht an. Das Land bereitet sich auf das größte Fest vor, vergleichbar mit Weihnachten in Mitteleuropa. Alles strömt aus und fährt zu Besuch aufs Land, soll heißen zu Müttern, Onkeln und Tanten. Die Schiffe, die zu den Inseln fahren sind vollends ausgebucht und alles kommt zum Stillstand. Ab Donnerstag geht nichts mehr und halb Athen ist auf den Beinen.

Aber wenn sich das gelegt hat kann man auf der Hauptstraße im Zentrum spazieren gehen, so wenig Verkehr ist da. Viele Geschäfte haben geschlossen, ebenso die beliebten Kioske und Cafes

Man muss sich vorher rechtzeitig mit Lebensmitteln und allem, was man sonst so braucht, eindecken, wenn man wie wir in Athen bleibt. Die Hektik ist uns einfach zu groß und es ist ein Genuss an Ostern in die Altstadt zu gehen, um sich die antiken Stätten anzuschauen.

Man ist unter sich und kommt sich vor, als wenn die Stadt ausgestorben wäre. Eine himmlische Ruhe überweht Athen und der griechische Mokka schmeckt noch besser als sonst.

Samstag, 23.04.2016 / Folge 267

Wir wohnen im Süden von Athen und knapp 15 Minuten Autofahrt entfernt vom alten Flughafen, der seit Jahren leer steht und jetzt für Flüchtlinge als Unterkunft dient.

Es sollen sich über 3000 Menschen dort befinden und das unter hygienischen Umständen, die ich lieber nicht beschreiben möchte. Jetzt werden sie in bewohnbare Einheiten umgesiedelt .

Ich fahre dort oft vorbei und kann mit eigenen Augen sehen, was es bedeutet in einem Zelt zu wohnen, ohne Warmwasser und wenigen Waschräumen und Toiletten.

Das entspricht nicht der Gastfreundlichkeit eines Landes und die Bürgermeister der zuständigen Gemeinden haben dies auch kundgetan. Aber wo hätte man die Menschen auch unterbringen sollen, es mussten erst geeignete Wohnräume geschaffen werden für die mittlerweile 50.000 Flüchtlinge.

Ein weiteres Dilemma ist, dass die Schlepper mit der Situation derzeit Millionen von Euros im Jahr machen. Es ist schon verwunderlich, dass man diese Leute mit allen technischen Mitteln, die Staaten heute zur Verfügung stehen, noch nicht dingfest machen konnte. Oder wollen bestimmte Länder das vielleicht gar nicht? Diese Frage muss erlaubt sein.

Freitag, 22.04.2016 / Folge 266

Das Olympische Feuer wurde in Olympia entzündet. Die bekannten Spiele waren ursprünglich ein Ritual zu Ehren des Zeus. Alle Waffen- und Kampfhandlungen waren während dieser Zeit streng untersagt. Als Symbol für den Frieden brannte auch ein Feuer zu Ehren der Göttin Hestia.

Das würde für heutige Tage bedeuten, dass nur Länder vertreten sein dürfen, die sich nicht im Krieg befinden. Welcher Staat wäre dann noch berechtigt teilzunehmen?

Die antiken Olympischen Spiele wurden von 776 v. Chr. bis 393 n. Chr. in Olympia abgehalten und hielten über 1000 Jahre. Ihr Ende kam erst, als der christliche Kaiser Theodsosius I. sie 394 n. Chr. als heidnischen Kult verbot. Ein weiteres Zeugnis von religösen Dogmen, die wir auf anderen Ebenen noch bis in unsere Tage spüren.

Wann wird sich die Menschheit davon lösen können? Und sich auf seine spirituellen Kräfte besinnen? Ein Wunschtraum. Wird er je in Erfüllung gehen?

Donnerstag, 21.04.2016 / Folge 265

Weil wir Menschen so ungeduldig sind ist mir eine kleine nette Geschichte eingefallen:

Nehmen wir den Bambus. Wisst Ihr wie lange es braucht bis Bambus so hoch ist wie ein Gebäude?

Im ersten Jahr gibt man ihm Wasser und kümmert sich um ihn, aber es tut sich nichts, nichts was man optisch sehen könnte. Auch im nächsten Jahr, tut sich nichts. Und für ein weiteres Jahr und noch eins und noch eins. Und es tut sich immer noch nichts.

Dann im fünften Jahr schießt es aus der Erde heraus. In 6 Wochen wächst er 25 Meter!

Also wie lange hat er gebraucht um so hoch zu werden? 6 Wochen? Falsch! 5 Jahre!

Damit erkennen wir, wie wichtig es ist beständig und mit Kontinuität an einer Sache zu arbeiten, damit ein Ergebnis sichtbar wird. Diese Geschichte erzähle ich oft den GriechenInnen, weil sie die Geduld verloren haben, nach sechs Jahren Krise.

Am Ende der Erzählung breitet sich jedoch bei Allen ein nettes Lächeln aus, verbunden mit einem Kopfnicken.

Hoffe, es geht Euch genauso!

Mittwoch, 20.04.2016 / Folge 264

Das Ringen mit der Troika findet kein Ende und die so wichtige endgültige Bewertung lässt auf sich warten. Sicher ist, dass die Mehrwertsteuer von 23% auf 24% erhöht werden soll. Damit werden alle Produkte, vor allem aber Lebensmittel, teurer.

Der Bürger muss wieder einmal  die Zeche bezahlen, die ihnen die früheren Politiker eingebrockt haben. „Aber warum lassen wir uns das gefallen?“, fragte ich einen Bekannten und er erwiderte mir: „Ganz einfach, wir können uns nicht solidarisieren, weil wir keinen Zugriff auf die Medien haben!“

Das ist ein gutes Argument, aber das möchte ich nicht so im Raum stehen lassen, weil wir uns heute über die sozialen Medien miteinander verbinden können.

Nur, wer nutzt sie und wer ist offen für entsprechende Handlungen? Denn vom Wohnzimmer aus lässt es sich leicht kritisieren. Wir müssen also aktiver werden, heißt, teilnehmen am politischen und kulturellen Geschehen in unserer Umgebung.

Beschweren reicht nicht aus, man muss etwas dafür tun. Und auch wenn es nur im kleinen Rahmen ist, dann strahlen wir damit positive Energie auf unsere Umwelt aus.

Wir müssen nur zuerst säen, um zu ernten!

Dienstag, 19.04.2016 / Folge 263

Drei Griechen wurden für ihre fotografischen Aufarbeitung der Flüchtlingskrise in Europa mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Eine besondere Ehre, die ihnen in New York zuteil wurde.

Es zeigt aber auch die Wichtigkeit und die Bedeutung des Krieges in Syrien und das Verhalten des Westens. Die täglichen Bilder, die über die TV-Bildschirme flimmern sind nicht mehr so tragisch wie vor Monaten, in denen fast stündlich Schlauchboote kenterten und Menschen umkamen.

Nein, diese Bilder sehen wir nicht mehr, dafür aber die Hilflosigkeit der Menschen die langsam aber sicher in Aggressivität umschlägt. Kann man dafür Verständnis haben? Eine gute Frage! Wie würden wir uns dieser Situation verhalten, wenn wir wochenlang bei Wind und Wetter und unter miserablen hygienischen Zuständen verbringen würden?

Sicherlich haben auch die Flüchtlinge eine Verantwortung zu übernehmen, denn alle Angebote in saubere Unterkünfte umzuziehen haben sie bisher abgelehnt, weil sie hoffen, dass sich die Grenzen öffnen.

Eine verzwickte Lage, die sich auch nicht ändern wird, zumal jetzt noch starke Unruhen in Skopje dazukommen. Die dortige Regierung hat die letzten Wahlen gefälscht und die korrupten Politiker der Strafverfolgung entzogen.

Weitere unruhige Zeiten stehen uns bevor.

Montag, 18.04.2016 / Folge 262

Die Besuche auf der Insel Lesbos nehmen zu. Jetzt war der Papst vor Ort, um sich auch ein Bild von den Zuständen zu machen. Er wollte damit ein Zeichen setzen, wie er sagte. Ob es wohl hilft?

In unserer Zeit sind Menschlichkeit und Kultur keine Ideale mehr. Nein, was zählt ist nur die Wirtschaft, die uns täglich mit ihren Daten regelrecht überrennt. Es wird auch nicht erwähnt, wie sich die Menschen fühlen, sondern wieviel Einkommen ein Volk per Einwohner hat. Zustände, die etwas mit Dekadenz zu tun haben, weil kein Land der Erde ohne eine kulturelle Basis leben kann.

Alle Themen drehen sich um die Börse, das Wirtschaftswachstum, das Bruttoinlandsprodukt etc. Mit keinem Wort wird die Psychologie eines Volkes erwähnt, so als wenn es sie gar nicht gäbe.

Dabei weiß jeder BWL-Student im 1.Semester, dass eine Volkswirtschaft zu 50% psychologische Faktoren beinhaltet, die nicht berechenbar sind. Das heißt, die Technokraten beschäftigen sich nur mit der anderen Hälfte der Ökonomie. Ob das ausreicht? Es sieht nicht so aus, denn wenn dem so wäre, würden wir alle im Wohlstand leben.

Die Zeit ist reif für einen Wechsel, wenn die Bürger es wollen. Die große Frage ist: Sind sie schon bereit für diesen Schritt?

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