CC0 Public Domain
Bild: CC0 Public Domain
30. August 2016  /// Athener Tagebuch

Athener Tagebuch KW 34 (388-394)

Sonntag, 28.08.2016 / Folge 394

Ich am Flughafen in Athen und hole meine Gattin ab. Hier erkennt man, welchen Andrang an Touristen das Land in diesem Jahr trotzalledem hatte. Massen bewegen sich durch das Flughafengelände und die Parkplätze sind total überfüllt.

Ein gutes Zeichen, denn der Tourismus ist bekanntlich eine der Haupteinnahmequellen Griechenlands und bringt flüssige Mittel für die Geschäfte, Hoteliers etc.

Die Unruhen in der Türkei haben auch dazu beigetragen, dass viele Urlauber ihre Flüge umgebucht haben, um in Hellas die freie Zeit zu verbringen. Denn Sicherheit spielt mittlerweile eine große Rolle und auf den Inseln kann man immer noch richtig seine Seele baumeln lassen, weit ab von allen Unruhen auf dieser Erde.

Samstag, 27.08.2016 / Folge 393

Der griechische Außenminister besucht seinen Amtskollegen in Ankara. Sie vereinbaren engere Beziehungen auf verschiedenen Ebenen. Das kann für alle nur hilfreich sein, gerade in dieser explosiven Zeit unter der vor allem das Nachbarland zu leiden hat.

Die Vergangenheit zeigte, dass man sich nicht immer auf den Partner verlassen konnte –siehe Einmarsch in Zypern- die letzten Jahre geht es jedoch relativ friedlich zu.

Man muss miteinander auskommen, auch wenn die Lage schwierig ist. Seine Nachbarn kann man sich nicht aussuchen, aber man kann mit ihnen in respektvoller Harmonie miteinander leben.

Freitag, 26.08.2016 / Folge 392

Alle strömen wieder aus dem Urlaub in die Stadt zurück. Die Schlange an den Kassen ist wieder lang wie eh und je und die Zeit der Friedlichkeit ist vorbei.
Die Stadt lebt wieder. Gehupe und Nervosität verbunden mit Hektik machen sich wieder breit. Tja, das ist Großstadtleben pur.

Die Schulen sind noch geschlossen und öffnen Anfang September. Hier haben die SchülerInnen fast 3 Monate Sommerpause. Klar, bei der Hitze verständlich.

Der Ernst des Lebens geht nun wieder los und der Alltag wird seinen Lauf nehmen. Aber das hat auch schöne Seiten, man muss sie nur so betrachten.

Donnerstag, 25.08.2016 / Folge 391

Meine Frau fliegt heute nach Zypern, genauer gesagt nach Lefkosia (Nikosia). Die Zyprioten haben eine sehr gute Küche und vor allem ihr berühmter Käse „Chaloumi“ ist ein Leckerbissen. Er wird in der Pfanne oder überm Grill zubereitet und dann in Fladen mit Zwiebeln und Petersilie etc. eingewickelt.

Auf Zypern spricht man noch in vielen Regionen die „alte“ griechische Sprache, was man daran erkennt, dass sie ein „N“ an das Ende der Hauptwörter setzen. Gleichzeitig hat man immer das Gefühl, dass sie Singen und das hört sich sehr lustig an.

Ein freundliches Völkchen, diese „nur“ 800.000 Zyprioten, das doch so viel leiden müssen hat, nach der Besatzung des nördlichen Inselteils durch die Türkei.

Dort lebten alle friedlich miteinander. Bis, ja bis der Krieg kam, ohne Vorwarnung und ohne Provokation.

Mittwoch, 24.08.2016 / Folge 390

Der alte Flughafen am Meer wurde an eine griechische Investorengruppe verkauft. Wobei dahinter arabische und russische Investoren mit im Spiel sind.

Es geht um die größte Investition in der Geschichte der Stadt Athen, die über 50.000 Menschen Arbeit geben soll. Die Werbekampagne läuft schon jeden Tag im Fernsehen.

Neben Einkaufszentren und Luxuswohnungen soll auch der größte Park der Stadt entstehen, mit direktem Zugang zum Meer. Die Pläne sehen ein bisschen futuristisch aus, aber wir leben ja auch im 21. Jahrhundert.

Dienstag, 23.08.2016 / Folge 389

Es kommen wieder vermehrt Flüchtlinge. Zwar nicht in der Anzahl wie vor dem Abkommen mit der Türkei, aber mehr als erwünscht und für die Inseln verträglich.

Das schadet dem Tourismus. An den Rückgängen der Buchungen sieht man zweifelsohne, dass die Bilder, die im Frühjahr um die Welt gingen, sich negativ ausgewirkt haben. Die Menschen meiden die Inseln, die von Flüchtlingen überfüllt waren.

Einerseits sagen viele, man müsse den Flüchtlingen helfen, aus humanitären Gründen. Aber andererseits zeigt die Realität, dass die TouristenInnen aller Länder das nur von ihrem Sofa aus betrachten. Im Urlaub wollen sie davon nichts wissen.

Das ist dann wohl die sogenannte „Wohnzimmer-Humanität“.

Montag, 22.08.2016 / Folge 388

Das politische Klima ist auf Messers Schneide. Die Opposition fordert Neuwahlen, obwohl planmäßig noch drei Jahre vor der Regierung liegen. Aber jetzt im September stehen schwierige Verhandlungen mit Brüssel bevor.

Neue Reformen müssen verabschiedet werden und die größte Hürde dürften die Arbeitnehmergesetze werden. Hier sind die Gewerkschaften sehr stark und keiner will von seinen Pfründen etwas abgeben.

Stehen neue und lange Demonstrationen bevor? Streiks, an die wir uns mittlerweile gewöhnt haben? (oder auch nicht!)

Es wird ein „heißer“ Herbst.

Wir freuen uns über Ihren Kommentar

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.