5. Oktober 2015  /// Athener Tagebuch Gesellschaft

Athener Tagebuch KW 41 (94-99)

Samstag 10.10.15 / Folge 99

Besuch aus Deutschland ist angekommen. Meine Schwester und eine Bekannte sind zum Tango-Marathon nach Athen eingeflogen.

Ja, richtig gehört, Tango ist in der Stadt total „in“ und es gibt jede Woche zahlreiche Milongas. Es ist ein Marathon, denn sie hier bis morgens um sechs Uhr tanzen!

Und das 3 Tage lang. Was Menschen nicht alles tun, um fit zu bleiben?!

Das erste was meine Schwester aber haben wollte, war selbstverständlich ein Freddo, den, wie ich es in einem früheren Beitrag erzählte, nur in Griechenland gibt. Ein herrliches Getränk! Also gingen wir zu einem befreundetet Cafe-Besitzer und genossen den eisgekühlten Kaffee bei Außentemperaturen von 26°C.

„Hier läßt es sich leben“ meinte sie „bei dem Wetter.“ Wie sich der Mensch doch gleich wohl fühlt bei einem milden Klima. Und meine Schwester hatte sich schnell angepasst, nicht nur weil sie schon oft bei uns war, sondern weil sie auch, wie sonst typisch für Touristen, keine Strümpfe trug.

Um ehrlich zu sein, helfen einem die angenehmen Temperaturen die täglichen, ökonomischen Probleme ein bißchen zu vergessen. Es wird alles ein bißchen leichter und die Brise, die vom Meer herüberweht, trägt ihren Teil dazu bei.

Deswegen gehen wir hier auch nicht zum Psychologen. Wir setzen uns in ein Cafe am Meer mit Freunden, genießen den Kaffee und das Rauschen der Wellen. Das ist die beste Therapie. Und viel günstiger!!


Freitag 09.10.15 / Folge 98

Brain Drain: Das neue Modewort.

Es ist ein Massenexodus an jungen studierten Menschen und ein großer Verlust für dieses Land, weil diese gut ausbildeten Uni-Absolventen, wahrscheinlich nicht mehr zurückkehren. Einmal im Ausland Fuss gefasst, werden sie in England, Holland, Deutschland, Schweiz und USA bleiben.

Sie werden gut bezahlt und teilweise schon direkt von den Unis abgeworben.

Dieser Aderlass wird Griechenland teuer bezahlen, sollte nicht bald eine Rückkehr zur Normalität einkehren. Die Eltern haben ihre Kinder teils unter großen finanziellen Schwierigkeiten im Ausland studieren lassen, um ihnen eine bessere Zukunft zu geben. Das wurde in den letzten fünf Jahren alles vernichtet.

Und wer hat gesagt, dass Griechenland nicht exportiert? Seit 2010 verließen mehr als 200.000 ihre Heimat, in der sie vorhatten zu leben und zu arbeiten. Es ist bitter zu sehen und auch von Freunden zu hören, wie sie jetzt, weit ab von ihrer Familie, in einem für sie fremden Land sich gezwungendermaßen niedergelassen haben.

Für GriechenInnen ist das besonders tragisch, weil die Familie und der Freundeskreis ein ganz wichtiger Bestandteil im sozialen Leben ist. Ich würde sagen: „Der Wichtigste!“


Donnerstag 08.10.15 / Folge 97

Korrupton überall. Als wenn sie nicht schon genug verdient hätten an dem einfachen Bürger. Volkswagen, FIFA, Siemens, Deutsche Bank, alles spricht über Wirtschafts-Ethik, nur keiner hält sich dran.

Wir nehmen das alles sehr ernst in Hellas, gerade wegen der Vorwürfe, die dieses Land als eines der korruptesten in Europa hingestellt haben. Wir wissen auch, daß es hier viel zu tun gibt, aber Besserwisser sollten es auch „besser machen“!

Es sieht wohl eher so aus, daß die großen Wirtschaftsmächte bestimmte Schmiergeldaffären als normales business einstufen, aber den Bürger, sollte er mal beim Nachbarn schwarz arbeiten, als kriminell einstufen.

Da stößt es mir richtig sauer auf, weil hier die absolute Verhältnismäßigkeit fehlt. Und das passiert auch auf Länderebene in Europa und hat gar nichts mehr mit Gemeinsamkeit zu tun.

Meine Empfehlung: Jeder kehrt am besten mit dem Besen erst mal vor seiner eigenen Tür!


Mittwoch 07.10.15 / Folge 96

Es gibt Tage, die sind traurig und vor allem dann, wenn eine gute Freundin vorzeitig diese Welt verläßt. Eine Beerdigung in der orthodoxen Kirche findet mit dem offenen Sarg statt. Die meisten verabschieden sich nochmals von der Person, in dem sie eine Blume in den Sarg legen. Es sind Szenen, die einem wieder zeigen, daß alles aber auch alles vergänglich ist.

Nach der Bestattung wird man immer eingeladen zum Kaffee und einem Cognac. Der griechische Kaffee wird fast ohne Zucker serviert und heißt „Kaffee des Trostes“. Warum es Cognac gibt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen und alle die ich fragte, wußten es auch nicht. Es ist einfach Sitte, wurde mir gesagt.

Man trifft alte Bekannte und Freunde, die man teilweise Jahre nicht mehr gesehen hat. Natürlich kommt Nostalgie auf, weil man sich an Zeiten erinnert, in denen man fröhliche Stunden zusammen verbrachte. Was mir besonders auffiel war, daß einige darunter waren, die gesundheitlich angeschlagen waren.

Mich überkam ein melancholisches Gefühl dabei und ich fragte mich: „Warum lassen sich die Menschen so gehen?“ und vor allem „Warum pflegen sie ihren Körper nicht besser ?“ Zu viel Essen und keine Bewegung, das war offensichtlich.

Die Wohlstandsgesellchaft hat ihre Nachteile und die waren deutlich zu erkennen.


Dienstag 06.10.15 / Folge 95

Die Regierung fängt mit dem Aufräumen an und beginnt bei den Krankenhäusern. Hier wurden die letzten Jahre Provisionen an die Pharmaindustrie und deren Verkäufer gezahlt, die jedes erdenkliche Mass überschreiten.

Natürlich haben davon auch bestimmte Kreise im Gesundheitswesen verdient. Ärzte und die Verantwortlichen in der Verwaltung sind damit gemeint, die wußten, daß die Preise total überhöht waren und somit das Bugdet sprengten. Man kann es auch Korruption nennen, ist eigentlich das richtige Wort dafür.

Man muß sich das mal vorstellen, die Essensausgabe ist fünfmal teurer als in anderen europäischen Ländern! Das sagt alles!

Die Vorregierungen haben dieses Thema gar nicht erst angefasst, weil sie darin stark verwurzelt sind. Und das muß man ihnen zum Vorwurf machen, weil sie selbst in der Phase vor der Wahl, sich um diese grobe Veruntreuung von Steuergeldern gekümmert haben. Und das war auch das Hauptargument von Tsipras, die Vermischung der Politik in derartige Korruptionsgeschäfte.

Wenn sie das schaffen, diese Schmutzlachen auszutrocknen, dann haben sie die Bürger für die nächsten Jahre auf ihrer Seite.


Montag 05.10.15 / Folge 94

Das Computerleben kann manchmal ganz schön schwer sein, vor allem wenn er abstürzt. Dann wird man unterbrochen von der Außen-Welt und man erkennt, wie wichtig dieses Ding im alltäglichen Leben geworden ist.

Nun, lange Rede kurzer Sinn, meiner ist zusammengebrochen, heißt, er fährt gar nicht mehr hoch, was immer das auch heißen mag. Man sitzt vor dem PC und alles ist dunkel. Kurze Panik tritt ein, weil man nicht weiß was lost ist mit dem technischen Freund. Nach ein paar Minuten haben sich die Schweißperlen gelegt und es gibt nur eins. Auf zum Fachmann und der heißt Kostas und hat seinen Laden (s.Foto) ein paar Ecken weiter.

Er wußte sofort was los war und das beruhigte mich ungemein. Der Motor war heißgelaufen. „Aha“ sagte ich „und was tun wir jetzt ?“ „Einen neuen einbauen, dauert ungefähr 1 Stunde mit einer Generalreinigung.“ Mein Freund wurde durchgeputzt und von Staub befreit, übrigens seiner größter Feind. Was machen in der Zwischenzeit ? Kostas sagte: „Hol dir einen Kaffee von gegenüber und warte bis er fertig ist.“ Gute Idee und während er alles auf Vordermann brachte, trank ich meinen Freddo und wir unterhielten uns über die wirtschafltiche Lage im Lande.

Die Stunde ging rasend schnell vorbei und nebenbei habe ich über die Plauderei noch erfahren, welche Probleme er mit dem Laden hat: „Zu viele Steuern !“ meinte Kostas dem plötzlich gar nicht zum Lachen zu Mute war.

Wir freuen uns über Ihren Kommentar

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.