2. November 2015  /// Athener Tagebuch Griechenland

Athener Tagebuch KW 45 (115-121)

Sonntag, 08.11.15 / Folge 121

In Athen ist die gesamte Stadt gesperrt. Es ist ein besonderer Tag, denn es findet der 33. Marathonlauf statt. Ein großes Ereignis, an dem über 42.000 (!!!) Läufer aus der ganzen Welt teilnehmen. Die Organisatoren erwarten über hunderttausend Zuschauer an den Straßenrändern, die die Sportler entsprechend anfeuern werden.

Das Rennen startet natürlich in Marathon, wobei der ursprüngliche Laufweg verändert wurde, gezwungenermaßen, weil dort heute Häuser stehen. In der Antike rannte der Bote direkt in die Stadt um die Nachricht zu überbringen. Zwischendurch hielt er an und ruhte sich wenige Minuten aus. Auf griechisch heißt das „σταμάτησε“ und deswegen nannte man die Region „Stamatis“. Dieser Ort heißt auch heute noch so und erinnert uns an die Antike und den denkwürdigen Lauf, der in die Geschichte eingegangen ist.

Der Marathon endet übrigens im alten und ehrwürdigen olympischen Stadion, das ein Fassungsvermögen von mehr als 40.000 Zuschauern hat. Die Devise lautet: Dabei sein ist alles! Ein ehrenvoller olympischer Spruch, den sich manche Sportler heutzutage hinter die Ohren schreiben sollten!

Samstag, 07.11.15 / Folge 120

Es kommen auch immer wieder Geschichten zum Schmunzeln ans Tageslicht. Gestern wurde ein Mann festgenommen, der über 10 Jahre die Rente seiner verstorbenen Mutter einzog, weil er Zugang zu ihrem Konto hatte.

Da fragt man sich natürlich: wie konnte das passieren? In Griechenland wird der Tod zwar dem Amt gemeldet und entsprechend von den Behörden bestätigt. Die Behörden sind aber untereinander nicht elektronisch verbunden und überlassen es dem Bürger dies jedem Amt zu melden. Das hat dieser Mann sicherlich „aus Versehen“ versäumt und somit über 100.000 Euro eingezogen.

Jetzt wurde er dem Haftrichter vorgeführt und wird dafür bestraft. Die Ämter, die nicht dazu fähig sind, ihre Daten zu aktualisieren, werden natürlich nicht zur Rechenschaft gezogen. Warum auch?

Damit soll der Betrug des Mannes auf keinen Fall gerechtfertigt werden, ein Bußgeld für das zuständige Amt wäre aber auch fällig!

Das würde man ausgleichende Gerechtigkeit nennen.

Freitag, 06.11.15 / Folge 119

Es wird wieder Ernst für die Regierung. Die Kreditgeber üben erneut Druck aus und fordern höhere Steuern. Die Politik der Austerität kehrt zurück in ein Land, dass gleichzeitig die höchste Arbeitslosenzahl und die niedrigsten Einkommen in Europa hat.

Jeder logisch denkende BWLer fragt sich, wie man eine Wirtschaft ankurbeln kann, wenn die Einkommen gesenkt und die Steuern erhöht werden? Und das nennt man auch noch Reformen! Man hat weniger im Geldbeutel und damit wird auch weniger ausgegeben. Der Mittelstand spürt dies bei seinen Umsatzzahlen, die sich um über 70 % reduziert haben.

Also, was treibt die EU dazu an, die Ökonomie noch weiter auszuquetschen? Amerikanische Wirtschaftswissenschaftler schütteln nur mit dem Kopf und weisen ständig darauf hin, dass der Geldumlauf verstärkt werden muss. Aber wer hört denen schon zu?

Und so erzählt man den Leuten, Portugal, Spanien und Irland ginge es viel besser. Rechnerisch mag das stimmen, wenn man sich den Überschuss im Primärhaushalt anschaut, aber real? Real haben die Menschen mit weniger Geld auszukommen und müssen noch mehr sparen.

Die Regierungen sagen den Bürgern, sie müssen sparen und geben ihnen Unterricht im 1×1-Rechnen. Wobei sie selbst das überhaupt nicht umsetzen und nur auf Pump leben und sich ständig neu verschulden müssen.

Wie lange lassen sich das die Menschen noch gefallen?

Donnerstag, 05.11.15 / Folge 118

Gestern war Fußballabend und Olympiakos Piräus gewann gegen Dynamo Zagreb in der europaweiten Champions League. Das alleine würde eigentlich ausreichen, um den Fussballanhängern eine Freude zu machen. Dem war auch so, zumindest für die griechische Fangemeinde.

Was hatten aber serbische und kroatische „Fans“ in Athen zu suchen, bewaffnet bis zum Hals? Die Polizei hatte vorher schon 50 serbische Personen festgenommen. Und trotzdem kam es gestern Abend am Flughafen zu großen Auseinandersetzungen zwischen Kroaten und Serben. Die Leute müssen Geld übrig haben, dass sie so eine Reise unternehmen, nur um sich zu schlagen!

Und welchen Intelligenzquotienten müssen diese Leute erst haben, dass sie sich um einen Ball streiten? In Holland wurde bei einem Fan der IQ-Test gemacht und auf 72 eingestuft. Er kam in psychiatrische Behandlung, nicht nur wegen seines IQs, sondern auch wegen seines tätlichen Angriffes gegen einen Schiedsrichter.

Es muss ja nicht jeder Fußball mögen, aber als Volkssport sollte man wenigstens das „Fair Play“ respektieren. Und gekickt haben wir alle in unserer Kindheit, auf dem Rasen im Park oder auf der Strasse. Es war auch ein sozialer Aspekt, denn man spielte mit allen Kindern, auch wenn man nicht befreundet war. Dazu ist der Sport da und für nichts anderes!

Mittwoch, 04.11.15 / Folge 117

Wo die Griechen nicht überall waren? Jetzt hat man in Jerusalem sogar eine altgriechische Zitadelle unter einem Parkplatz entdeckt. Die Zitadelle wurde von Fachleuten als eines der größten ungelösten archäologischen Geheimnisse eingestuft.

Aber nicht nur im Altertum waren sie viel unterwegs – Alexander der Großen verschlug es bis nach Indien und Ägypten – auch in Marseille und in Süditalien haben sich Griechen niedergelassen. Dort spricht man in einigen Dörfern in den Bergen heute noch die überlieferte altgriechische Sprache.

Im Land leben ungefähr zehn Millionen und weitere zehn Millionen, schätzt man, sind auf der ganzen Erde verteilt. Die meisten davon in USA und Australien, aber auch in Deutschland (300.000) gibt es viele GriechenInnen in der 3.Generation.
In Wien steht eine historische Kirche in der Altstadt und es lebt dort eine kleine Gemeinde von Hellenen, die komplett in der österreichischen Gesellschaft integriert sind.

Ja, und dann spricht man von Völkerwanderungen nach Europa. Europa, welches selbst die davon selbst genug erlebt hat, würde, wenn alle in Europa geborenen Menschen  heute hier lebten, wohl die doppelte Einwohnerzahl haben!

Dienstag, 03.11.15 / Folge 116

Na, wenn das keine guten Zeichen sind? Auf dem Fußweg zum Bäcker kam ich an drei Baustellen vorbei, und siehe da: Es wurde gearbeitet! Diese Baustellen lagen die letzten drei Jahre still, weil es von den Banken kein Kapital zum Weiterbau gab.
Seit wenigen Wochen werden wieder Kredite vergeben, und die Eigentümer können den angefangenen Bau zu Ende führen.

Mit Sicherheit ist die Bauindustrie ein Index für den Aufschwung, weil an ihr viele Arbeitsplätze hängen. Aber nicht nur das, sondern auch der Weiterverkauf der Eigentumswohnungen, für die man eine Hypothek erhält, ist ein wichtiges Zeichen für den Stand des Kapitalmarktes.

Freudig ging ich nach Hause, nicht nur wegen des frischen Brotes, auch weil ich endlich mal wieder Betonmaschinen hörte, die fast vom Erdboden verschwunden waren. So muss es weitergehen, weil nur dann, wenn die Psychologie der Bürger mit dem Daumen nach oben zeigt, ein realer Aufwärtstrend zu erkennen ist.

Montag, 02.11.15 / Folge 115

Die Troika drückt, und die Hardliner versuchen die Wohnsitze der GriechenInnen mittels der Banken zu pfänden. Die wehren sich dagegen, aber die Troika besteht auf dieser Gesetzesvorgabe, die bisher von der Regierung noch nicht dem Parlament vorgelegt wurde.

Finanzminister Tsakalotos hat das Vorhaben strikt abgelehnt und verweigert sich, beharrend darauf, dass man nicht das einzige Eigentum der Menschen versteigern kann, damit die Banken zu Bargeld kommen.

Die Banken, die am Samstag den Stress-Test der EZB hervorragend bestanden haben, benötigen diese Gelder auch nicht, da sie im Augenblick relativ gut dastehen, wie EZB-Chef Draghi offiziell bestätigte.
Somit wäre eigentlich das Argument der Verpfändung hinfällig, aber dem ist nicht so.

Was steckt dahinter, und vor allen Dingen wer hat ein Interesse an diesen menschenunwürdigen Maßnahmen? Will man das Land in die Knie zwingen und soziale Unruhen heraufbeschwören? Denn die wären die klare Folge!

Wir haben es in Spanien und Portugal erlebt. Die Familien wurden auf die Straße geschmissen und ihrer Menschenwürde beraubt. Das nennt man soziale Marktwirtschaft? Da sollten sich einige europäische Finanzminister aber schleunigst noch mal auf die Uni begeben, denn dort wurde es anders gelehrt! Vor allem wurde auf das Wort „sozial“ großen Wert gelegt, und das sollte man nicht vergessen!

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