24. November 2015  /// Athener Tagebuch Griechenland

Athener Tagebuch KW 48 (136-142)

Sonntag, 29.11.15 / Folge 142

Die Klimakonferenz schlägt ihre Wellen und sie erreichen mittlerweile auch Athen. Friedliche Demonstranten fordern einen radikalen Kurswechsel, damit der Planet gerettet werden kann.

Die Frage, die immer wieder auftaucht ist: Wie konnte es soweit kommen? Warum hat man nicht schon früher reagiert?

Ist der Mensch aufgrund seines Egos so dumm, sich den eigenen Planeten zu zerstören, auf dem er lebt und seine Kinder aufwachsen? Es sieht fast so aus, weil der Drang nach Geld eine sehr große Priorität einnimmt. Gewinnsucht vereint mit Machtstreben und wirtschaftlicher Kontrolle geben sich gegenseitig die Hand.

Das dabei unsere Natur zu kurz kommt ist das folgenschwere Resultat.

Aber wir können nicht alles auf die Politiker abwälzen. Der einzelne Bürger ist gefordert daran teilzunehmen und Sorge dafür zu tragen, dass Mutter Erde geschont wird und wir auch noch in 100 Jahren Wälder haben, durch die wir wandern können.

Aber was können WIR tun? Die Frage beschäftigt mich ständig und ich habe nur eine Antwort darauf: „Man muss selbst umweltbewusst leben und handeln!“

Samstag, 28.11.15 / Folge 141

Ein spannender Tag für die Regierung und die Oppositionsparteien. Alexis Tsipras hat alle Parteivorsitzenden, unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten, in den Regierungspalast eingeladen.

Er möchte Solidarität von ihnen und fordert ein einheitliches Auftreten gegenüber Europa. Leider hat er die Rechnung ohne sie gemacht, denn das Treffen endet im Fiasko. Die konservative Partei, die innerlich total zerstritten ist, blockiert jede Mitarbeit. Auch die sozialdemokratische PASOK stemmt sich gegen alles, was die Regierung vorschlägt. Nur die kleineren Parteien zeigen einen Hauch von Entgegenkommen.

Tsipras ist ein Taktiker und hat der Öffentlichkeit hiermit gezeigt, dass keine der Oppositionspartein bereit ist FÜR das Land einzutreten, geschweige denn zu regieren fähig ist. Das ist ihm gelungen und alle sind in diese taktische Falle getappt. Aus der sie jetzt gar nicht mehr herauskommen, weil nächste Woche die nächsten Abstimmungen im Parlament anstehen. Wird er auch diese Hürde nehmen? Zuzutrauen ist es ihm.

Freitag, 27.11.15 / Folge 140

Wenn man 20°C hat um diese Jahreszeit, dann sollte man sich eigentlich nicht beklagen. Wir können unseren Kaffee immer noch draußen trinken. Und das tun die Menschen auch, die diese letzten Sonnenstrahlen vor Einbruch des Winters regelrecht in allen Zügen genießen.

Im Zentrum von Glyfada, einem Vorort im Süden von Athen, reiht sich ein Café an das andere und alle sind voll besetzt. Da muss man sich schon fragen: „Wo ist hier die Krise?“ Eigentlich ist hier gar nichts davon zu sehen, wenn man sich so umschaut.
Aber das ist ein Trugschluss, denn hinter dem Vorhang sieht es weit düsterer aus, als es den Anschein hat.
Die GriechenInnen können diese Gefühlslagen sehr gut verstecken. Und hier hilft das Klima. Denn selbst wenn man Probleme hat und dann den blauen Himmel sieht mit den warmen Temperaturen, dann geht es einem sofort besser.

Ob man will oder nicht!!!

Die Psychologie spielt halt doch eine große Rolle. Und wenn man dann auch noch in netter Gesellschaft seinen Kaffee trinken kann, dann geht es einem umso besser. Und das macht das Leben lebenswert.

Donnerstag, 26.11.15 / Folge 139

Die Hilfsbereitschaft der Inselbewohner gegenüber den ankommenden Flüchtlingen zeigt nicht nur mitmenschlichen Einsatz und Humanität, sondern auch die Gastfreundschaft eines Landes, für die es in Europa geschätzt wird.

Ärzte und Krankenschwestern haben auf Lesbos eine kleine Krankenstation für Kinder und deren Mütter eingerichtet. Dort kann Erste Hilfe geleistet werden, gerade für die Kinder, die teils Untertemperatur haben und schnellstens versorgt werden müssen. Das „kleine“ Krankenhaus ist modernstens eingerichtet und wird von einem privaten Verein mit Medikamenten etc. unterstützt.

Die Ärzteschaft arbeitet auf freiwilliger Basis und das ist besonders hoch einzuschätzen, gerade in unserer heutigen Zeit, in der alles nur noch auf das Finanzielle Wert legt.

Ein Vorbild von Menschlichkeit, das hoffentlich Beispiel machen wird für andere Gruppen.

Mittwoch, 25.11.15 / Folge 138

Die Gemüter, hinsichtlich des Zwischenfalls von gestern in Syrien, beruhigen sich langsam wieder, was man hier in Athen erfreulich aufnimmt.

Widmen wir uns den interessanten Themen, die heute u.a. einen ökonomischen Hintergrund haben. Nordrhein-Westfalen hat dem Finanzministerium eine Liste mit über 10.000 Namen von Personen, die in der Schweiz ein Konto haben, zur Verfügung gestellt. Das nennt man Kooperation!

Was das bedeutet ist noch nicht absehbar, aber ab Montag werden diese Daten ausgewertet und man rechnet mit hochrangigen Namen. Aber viel schöner wäre es, wenn die Schwarzgeldkonten Geld in die Staatskasse fließen ließe plus einer zusätzlichen Bestrafung der Personen natürlich.

Denn wer hat denn schon ein Konto in der Schweiz? Außer den Schweizern nur Personen, die nicht möchten, dass man eine Einsicht hat.

Persönlich brauche ich keine Angst zu haben, denn ich bin sicher nicht auf der Liste. Darauf lege ich meine Hand ins Feuer!

Dienstag, 24.11.15 / Folge 137

Das absolute Tagesgespräch ist die Nachricht vom Abschuss eines russischen Flugzeuges durch die türkische Armee. Das hat eingeschlagen wie eine Bombe, zumal man hier ja direkter Nachbar ist.

Alte Ängste kommen wieder hervor, weil man den Türken einfach nicht traut. Auch heute noch nicht und der Vorfall bestätigt genau diese Vorbehalte. Im TV wurde in mehrstündigen Debatten exakt analysiert, die Hintergründe und die Absichten, die nach griechischen Ansichten nicht zufällig waren, weil es gerade jetzt zur Allianz Frankreich-USA-Russland kommt und dies laut Insidern, der türkischen Regierung gar nicht gelegen kommt.

Politik hin oder her, die Menschen fühlen sich stärker zu Russland hingezogen, auch aufgrund der gemeinsamen Religion. Die orthodoxe Kirche verbindet die beiden Länder intensiv und es findet ein reger Austausch statt.

Aber was den Leuten am meisten aufstößt, ist, dass ein Flugzeug, nach 10-15 Sekunden im Land , abgeschossen wird. Die türkische Luftwaffe bricht diese Ländergrenzen in der Ägäis fast wöchentlich, was auch der NATO bekannt ist, die aber bisher nicht eingegriffen hat.

„Also kann man der türkischen Regierung trauen oder träumen sie wieder vom osmanischen Reich?“, das ist die Frage die jetzt wieder auftaucht. Das griechische Verteidigungsministerium hat bereits Vorsichtsmaßnahmen getroffen und wir können nur hoffen, dass es ein osmanischer Traum bleibt.

Montag, 23.11.15 / Folge 136

Lese da gerade einen interessanten Artikel über Schottland, die es geschafft haben in einem Jahr 650.000 Plastiksäcke weniger zu benutzen. Die Supermärkte haben ganz einfach ein Aufschlag für jeden Plastiksack gefordert und die Kundschaft hat sofort reagiert.

Das wäre was für Griechenland, die in Plastiksäcke „verliebt“ sind. Überall gibt es sie umsonst und das in Massen. Wir kaufen mit Leinentaschen ein und fallen natürlich auf, weil uns die Leute anschauen. „Was ist das denn?“, fragen mich viele. Und wenn ich es ihnen erkläre, dann reagieren sie alle positiv und finden es eine gute Idee. „Schade, dass es das nicht bei uns gibt“, ist dann ihre Antwort.

Mittlerweile sind wir schon bekannt und wenn wir sie mal vergessen haben, kommt schon mal die Frage: „Und, wo ist Ihre Tasche?“

Die GriechenInnen sind in den letzten zehn Jahren umweltbewusster geworden und es wird mittlerweile auch Müll getrennt. Das kommt gut bei der Bevölkerung an und auch in den Schulen wurden extra Unterrichtsstunden dafür eingerichtet.

Aber es ist noch ein weiter Weg, gerade was den Verbrauch von Plastik betrifft, der bisher immer noch einen enorm großen Umsatz hat. Wir tragen auf jeden Fall dazu bei, diesen Umsatz zu verringern!

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