8. Februar 2016  /// Athener Tagebuch

Athener Tagebuch KW 5 (185-191)

Sonntag, 07.02.2016 / Folge 191

Die Nacht war kurz, weil wir heute mit Freunden ins Nationalmuseum gehen. Der Eintritt ist frei und um 12:30 versammeln wir uns vor dem Haupteingang.
Es wuselt nur so von Menschen, die diesen Tag nutzen, um mit der Familie die Sehenswürdigkeiten zu betrachten.

Meine Frau, eine studierte Reiseleiterin, übernimmt die Führung und so marschieren wir über 1 ½ Stunden durch das Museum. Wir machen es im Schnelldurchgang, um so viel wie möglich zu sehen. Eigentlich bräuchte man für jeden Saal alleine schon einen ganzen Tag, so eindrucksvoll sind die Ausstellungsstücke.

Im Keller befindet sich ein Atelier und dort kann man für günstiges Geld Kopien der Originalabdrücke kaufen. Im Gegensatz zu den Souvenirläden in der Altstadt, die von Kopien weitere Kopien anfertigen.
Geschenke für Freunde im Ausland kaufen wir hier ein, weil es seltene Stücke sind und sie von Künstlern angefertigt werden.

Wir waren schon oft im Museum, aber es ist immer wieder ein Besuch wert, schließlich ist das in Europa der einzige Ort, an dem solche Originale in dieser Häufigkeit zu begutachten sind.

Samstag, 06.02.2016 / Folge 190

Kalt ist es in Athen und wenn wir hier 9°C haben, dann sind das gefühlte Minusgrade, weil die Feuchtigkeit, bedingt durch das Meer und den dazukommenden Nordwind, durch jede Öffnung zieht. Man kommt sich vor, als wenn man keine Kleider tragen würde. Dieses kurze Tief hält aber nur ein paar Tage an und dann können wir uns wieder auf 16°C freuen.

Trotz alledem ist heute Abend eine öffentliche Veranstaltung eines philosophischen Vereines und das ist immer etwas besonderes. Einmal im Jahr veranstalten sie diesen Abend und es werden rund 50 geladene Gäste erwartet.

Der Clou an diesem Abend ist, außer einem kleinen Theaterstück von Lucianos, das Aufschneiden der Pita. Die Pita ist ein großer Kuchen in dem sich ein Geldstück befindet. Wer dieses Stück zufällig erhält, dem wird ein glückliches Jahr prophezeit.

Ein schöner Aberglaube, aber wie es das Wort schon sagt: „Aber Glaube“, d.h. glaube daran und es wird geschehen.

Die Glückliche war übrigens eine Opernsängerin.

Freitag, 05.02.2016 / Folge 189

Auch heute steht alles still, weil Freitag ist und die Bauern es zu einem „black out“ haben kommen lassen. 24 Stunden haben sie alle Einfahrtsstraßen  mit ihren Traktoren gesperrt. Man könnte sagen, das es ein richtiger „Bauernaufstand“ ist.

Sie sprechen von Krieg und sind überhaupt nicht bereit dem zuständigen Minister zuzuhören, sondern stellen nur Forderungen.
Inzwischen werden auch die Großstädter langsam unruhig. Man zeigt zwar einerseits Verständnis, aber andererseits möchte man auch frische Waren auf dem Tisch haben.

Und da auch die Grenzen versperrt sind, gibt es bereits über 30 km lange Staus von LKW-Kolonnen. Bisher ist es noch ruhig, aber sollte jetzt jemand ein bisschen Öl ins Feuer gießen, dann kommt es zur Explosion.

Hellas ist mal wieder im Epizentrum des Geschehens.

Donnerstag, 04.02.2016 / Folge 188

Was für ein Tag. Das ganze Land geht auf die Straße. Generalstreik wurde ausgerufen und die Angestellten, Polizisten, Beamten etc. folgen diesem Aufruf.

Grund ist die Rentenreform. Die Regierung möchte das System vereinfachen. Was bedeutet das? Bisher gibt es über 700 verschiedene Berechnungsmethoden. Und die Rentenauszahlung dauert teilweise 3-4 Jahre. Manchmal geht es auch schneller, dann bekommt man seine Rente schon nach 2 Jahren.

Die Zusammenlegung der verschiedenen Kassen birgt ein Problem in sich. Hier wurden die letzten 30 Jahre Leute reingesetzt, die sich parteilich verdient gemacht haben, was auch immer das wieder heißen soll.

Nun nimmt man ihnen diese Posten weg, weil sie zentralisiert werden. Damit sind die Gelder kontrollierbar und werden nicht für unnütze Posten ausgegeben.
Das passt den Parteien der Opposition gar nicht, weil sie damit keine Vertrauten mehr auf diese nichtssagenden, aber geldeinbringenden Sessel versetzen kann.

Das Land ist im Umbruch und das geht nur wenn man die Pfründe der Herrschaften beschneidet. Wohle dem Volke heißt es doch so schön. Ob dieses Wohl wohl allen am Herzen liegt ?

Mittwoch, 03.02.2016 / Folge 187

Ist Griechenland wirklich ein Problem für Schengen ?

Diese Frage kursiert zur Zeit in den griechischen Medien. Die Antwort ist aus hiesiger Sicht eindeutig, zumal der Schutz der Grenzen kein Festland ist, sondern die Ägäis. Bei der Aufnahme wurden anscheinend nicht exakte Kontrollen durchgeführt, was man den Ämtern auf den Inseln vorwirft. Was auch immer das heißen mag.

Gleichzeitig sagt man, dass IS-Milizen einfach hätten einreisen können. Hierzu ist zu erwähnen, dass sie schon lange in Belgien, Frankreich, England und Deutschland wohnen. Und das seit vielen Jahren. Also ist das kein Argument.

Wegen der HotSpots ist die Regierung unter Druck geraten, weil sie die letzten Wochen nicht mit Hochdruck an diesen gearbeitet hat. Das ist richtig. Jetzt ist die Armee damit beauftragt, die bereits in anderen Ländern derartige Projekte durchgeführt hat, und es besteht die Aussicht, dass diese in den nächsten 2-3 Wochen fertig werden.

Also warum diese Vorwürfe, wenn alleine in Deutschland 5000 Flüchtlingskinder vermisst werden? Wo sind die Aufnahmebehörden, die diese Kinder schützen? Oder in Belgien, wo die Terroristen fast frei herumlaufen konnten, wie auch in Paris?

Irgendwie ist hier die sachliche Verhältnismäßigkeit verloren gegangen! Aber warum? Was steckt dahinter, dass man Griechenland aus Schengen herausdrücken möchte?

Dienstag, 02.02.2016 / Folge 186

Der Druck auf das Land wird stärker. Es sieht so aus, als wenn man Griechenland aus Schengen werfen möchte. Der Grund soll sein, dass die Registrierungen auf den Inseln nicht EU-konform sind. Ausserdem wirft man der Regierung vor, die Grenzen nicht schützen zu können. Was auch immer das heißen mag.

Daraufhin antwortete der zuständige Minister: „Sollen wir etwa die Kinder im Meer ertrinken lassen?“ Eine Antwort auf diese Frage blieb Brüssel bis heute schuldig.

Hat man einen Sündenbock für das Desaster in Syrien, Afghanistan und den nordafrikanischen Ländern gefunden? Es sieht fast so aus.
Gleichzeitig gesteht man Griechenland nicht zu, diese Ausgaben mit in die Staatsbilanz aufzunehmen. Der italienische Ministerpräsident reagierte auf diese Vorschriften, die auch Italien betreffen, mit einer starken Rede und sagte im Wortlaut: „Das ist bürokratische Perversion!“

Da kann man ihm nur recht geben. Die Technokraten, die an ihren Schreibtischen sitzen, weit weg von jeglicher Realität, haben mal wieder mit einem Schildbürgerstreich zugeschlagen!

Montag, 01.02.2016 / Folge 185

Endlich ist die „schreibe-freie“ Zeit zu Ende und das Portal wieder online!

Es gibt so viel zu erzählen. Aber nicht nur das, sondern diese Wochen, in der ich kein Tagebuch geschrieben habe, kamen mir irgendwie „leer“ vor.
Plötzlich war der Rhytmus weg. Aber die Uhr bleibt nicht stehen und alles drehte sich weiter. Auch hier in Athen und vor allem im ganzen Land.

Die Bauern sind aufständisch und blockieren mittlerweile alle Hauptstraßen. Ihnen geht es um das neue Rentengesetz und um eine Versteuerung ihrer Einnahmen.

Tja, wer gibt schon gerne etwas ab. Und wenn es um die Subventionen geht, dann melden sich vor allem die Bauernverbände zu Wort. Und hier sind die Großbauern angesprochen, die die Kleinbauern auch ein bisschen dazu benutzen für etwas zu kämpfen, das man eigentlich auch im Dialog mit dem Ministerium hätte lösen können.

Eine Zerreißprobe auch für die Regierung Tsipras. Wird sie diesem Druck standhalten? Schließlich geht es auch um eine Verschiebung der Machtpotentiale.
Wir werden es in den nächsten Wochen sehen.

Aber was viel wichtiger ist. Ab heute kann man wieder das „Athener Tagebuch“ lesen und es ist mittlerweile das „Einhundertfünfundachtzigste“ (185ste)!

Eine wunderschöne Woche und einen wunderschönen Monat, denn heute ist der 1.Februar!!!

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