7. Dezember 2015  /// Athener Tagebuch Griechenland

Athener Tagebuch KW 50 (150-156)

Sonntag, 13.12.15 / Folge 156

Manche haben heute arbeitsfrei, wir – meine Frau und ich sind selbständig – und sind beruflich unterwegs. Eine Firma bedarf einer Beratung. Die Fahrt ist angenehm und dauert ca. 1 Stunde, weil das Unternehmen im Norden von Athen liegt.

Eine andere Welt, zumindest vom Klima her gesehen, existiert in den nördlichen Vororten. Die Unterschiede sind bis zu 7°C. Wir sind mit 16 °C weggefahren und hier haben wir gerade einmal 11°C. Denn das Unternehmen liegt unterhalb vom Berg Pendeli, dessen Marmor auch teilweise auf der Akropolis eingesetzt wurde.

Die klimatischen Unterschiede hängen auch damit zusammen, dass es hier einen sehr großen Waldbestand gibt. Natürlich ist in diesen Gegenden vom Meer weit und breit nichts zu sehen, auch die Brise die wir noch bei der Abfahrt spürten, kann man nur erahnen.

Aus allen diesen Gründen sind die Häuser entsprechend winterfester gebaut und die Heizkosten übersteigen bei weitem die Ausgaben der südlichen Vororte. Sie sind teilweise 3-4mal so hoch!

Für mich wäre es unmöglich hier zu wohnen, weil ich die Kälte und den Winter aus Deutschland zur genüge kennengelernt habe. Deswegen nenne ich diese Gegenden im Norden auch gerne „Athener Alpen“.

Samstag, 12.12.15 / Folge 155

Das wird heute ein langer Tag, zumal wir einen Termin bei einer Firma haben, die unsere Beratung braucht. Genauer gesagt ist es ein privates TÜV-Unternehmen, das wie in Deutschland die Plakette für Motorräder und Kraftfahrzeuge vergeben darf.

Mittlerweile gibt es davon eine ganze Menge, weil die staatlichen TÜV-Stellen doch ziemlich korrupt und nachlässig arbeiteten. Wie uns die Chefin sagte, haben diese Stellen früher teilweise gar keine Kontrollen durchgeführt, sondern die Plakette „einfach so“ vergeben. Das bedeutet natürlich: „Gegen Bezahlung“.

Wie das ging? Ganz einfach. Der Halter hat ein Fax mit den Kfz-Daten zugesandt und die staatliche Stelle hat ihm dann gegen entsprechende Bezahlung das Symbol per Post zugeschickt.

Da brauchte sich keiner zu wundern, dass so viele kaputte Fahrzeuge auf der Straße herum fuhren. Das war vor 2004 und ist nur knapp 10 Jahre her.
Das hat sich total geändert und die Kontrollen sind heute europäischer geworden. Von jedem Fahrzeug wird ein Foto gemacht, das zusammen mit der Meldung an das Ministerium per Internet weitergeleitet wird.

Wie schon erwähnt, es ist europäischer geworden, aber noch lange nicht so streng wie in deutschen Landen, denn hier drückt man doch immer noch gerne ein Auge zu.

Wenn es bei einem bleibt ist es ja in Ordnung, nur wenn es zwei werden, dann könnte es gefährlich werden.

Freitag, 11.12.15 / Folge 154

Meine Frau kam heute nach spät nach Hause, wie bereits erwähnt, von einer „Damen-Party“ und deswegen war ich heute mal an der Reihe das Mittagessen zu kochen.

Wenn jemand glaubt, dass ich nur Spiegeleier und Bratkartoffeln machen kann, der täuscht sich gewaltig. Heute gibt es Spaghetti Napoletana, dazu einen frischen Salat mit Frühlingszwiebeln, vermischt mit Granatapfel (schmeckt fabelhaft!) und zum Nachtisch Vanilleeis.

Jetzt sind wohl einige Leser erstaunt wie ich meine Frau verwöhne! Aber sie hat es verdient, nach so einer langen, durchtanzten Nacht. Schließlich waren keine Männer dabei, wie sie meinte, die eher nachlässig und träge in ihren Stühlen sitzen, weil sie keine Lust haben das Tanzbein zu schwingen. Ganz anders die Damenwelt, die es genoss, sich ausgiebig auf der Tanzfläche zu bewegen.

Da ist man selbstverständlich am nächsten Tag erschöpft. Und das gehört auch zum Leben: sich einfach mal fallen zu lassen und einen Abend mit netten Menschen zu verbringen, ohne an die täglichen Sorgen und schon gar nicht an die Krise denken zu müssen.

Das tut der Seele ausgesprochen gut und kann ich nur weiter empfehlen.

Donnerstag, 10.12.15 / Folge 153

Die Frauen sind in Griechenland ziemlich emanzipiert, auch wenn das patriarchalische Verhalten vieler Männer immer noch vorhanden ist. Gerade auf Kreta und auf den kleineren Inseln herrschen noch diese Rituale vor.

Aber in der Großstädten sieht es ganz anders aus. Die Griechinnen arbeiten mit und wenn man heute in eine Bank geht, dann sieht man mehr weibliche Personen als männliche.

Warum erzähle ich das. Heute ist eine Party, die eine Jugendfreundin jedes Jahr organisiert. Sie lädt nur Frauen ein und das zahlreich. Meisten 100 an der Zahl.
Von jung bis alt ist alles vertreten und die Generationen sind schön durcheinander gewürfelt. Von der Oma mit 97 bis zur Enkelin, die gerade einmal 9 Monate alt ist.

Alles Frauen, die es genießen mal ohne die andere gute Hälfte zu sein. Sie tanzen und feiern ausgelassen bis in die späte Nacht hinein.

Und das sei ihnen gegönnt: „Einmal im Jahr !“

Mittwoch, 09.12.15 / Folge 152

Tsipras wurde vom staatlichen Fernsehen ERT eingeladen und stellte sich den Fragen von vier Journalisten. Die Stimmung war ein bisschen aufgeheizt, weil gerade die Zeitung „Die Welt“ einen lancierten Artikel veröffentlicht hatte. Hier teilte sie ihren Lesern mit, dass die Regierung führungslos sei und eventuell Neuwahlen anstehen.

Wie wir alle wissen unterstehen „Die Welt“ und die „Bild“ einem Verlag. Was das bedeutet braucht man nicht näher zu analyiseren, denn es sagt alles. Deswegen kann man davon ausgehen, dass dieser Beitrag nicht von der Zeitung kommt, sondern vom Wirtschaftsministerium und hier wiederum aus dem Dunstkreis Schäubles.

Er hat es immer noch nicht überwunden, dass das Land noch im Euro ist und es zu keinem GREXIT kam. Vor ein paar Tagen versuchte er es mit Schengen und das hat auch nicht funktioniert. Deswegen ist es kein Zufall, dass Tsipras über den IWF philosophiert, der einen Schuldenschnitt von Europa fordert. Und dies gleichzeitig nach dem Treffen mit John Kerry zusammenfällt.

Der politische Poker hat begonnen. Mal sehen wer den längeren Atem hat!

Dienstag, 08.12.15 / Folge 151

Der ägyptische Präsident besucht Athen. Es geht um die Erweiterung von Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern. Ägypten erlebt zur Zeit einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung von 6% und die beiden Länder verbindet eine enge, nachbarschaftliche Freundschaft.

Das war schon im Altertum so, weil die größte griechische Bibliothek in Alexandria war, benannt nach Alexander dem Großen. Leider wurde diese einmalige Ansammlung von Wissen von den Christen verbrannt. Eine mutwillige Zerstörung enormen Wissens von Jahrtausenden von Jahren, die uns heute bei der Erforschung unserer Vergangenheit sicherlich von Nutzen wäre.

Auf jeden Fall geht es um die Erdgas- und Erdölvorkommen im Mittelmeer. Und hier spielen Zypern und Griechenland im ökonomischen Dreieck zusammen mit Ägypten eine große Rolle. Die Funde sollen derart groß sein, dass sie sogar die der arabischen Länder übertreffen könnten.

Interessant ist, dass Israel mit einbezogen wird. Und hier kommt etwas zum Tragen, was die westliche Welt kaum wahrnimmt: Griechenland und Zypern sind die einzigen Länder in Europa, die mit beiden Ländern, nicht nur wirtschaftliche Interessen sondern auch kulturelle, verbindet.

Das ist ein positiver Beitrag zur Stabilität in dieser Region und für uns alle von Vorteil.

Montag, 07.12.15 / Folge 150

Ein Postgang ist immer mit viel Zeit verbunden. Man holt sich eine Nummer ab und dann muss man warten. Ich hatte die Nummer 123 und auf dem Bildschirm erschien 98, d.h. 25 Personen waren vor mir und wenn man das mal 2-3 Minuten multipliziert bedeutet das eine Wartezeit von ungefähr 1 Stunde.

Abholen wollte ich ein Paket von meiner Frau Mutter, die mir immer zu Weihnachten selbstgemachte Plätzchen schickt. Auf die freue ich mich jedes Mal riesig, denn das Gebäck von Mutti ist doch immer noch das Beste. Mit viel Butter und Nüssen und anderen Zutaten versehen, wartete ich geduldig bis ich an der Reihe war. Und wie ich es vorhergesehen hatte, waren es knapp 60 Minuten.

Das Päckchen, welches ich abholte, war zu meinem Erstaunen ein riesiges Paket und wog sicherlich über 5kg und da waren all die leckeren Sachen drin, die mir auf dem Nachhauseweg schon das Wasser im Munde zusammenlaufen ließen.

Zuhause angekommen öffnete ich sofort das Paket und fand vor mir alles voller Dosen, gut verpackt, gefüllt mit Weihnachtsgebäck. Ihr könnt davon ausgehen, dass ich alle umgehend probierte, zusammen mit einer guten Tasse heißen Kaffees. Was für ein Genuss. Mutti ist doch die Beste!!!

Wir freuen uns über Ihren Kommentar

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.