Dieter Bartels
Bild: Dieter Bartels
21. Dezember 2015  /// Athener Tagebuch Griechenland

Athener Tagebuch KW 52 (164-170)

Sonntag, 27.12.2015 / Folge 170

Eine Freundin kommt zu Besuch und bringt, wie das so üblich ist, wenn man jemanden besucht, ein kleines Geschenk mit. Meistens ist es etwas zu essen, so auch in diesem Fall. Weil die Griechen Süßigkeiten lieben, hat sie uns eine griechische Spezialität mitgebracht, die es nur zu Weihnachten gibt.
Man nennt sie übersetzt „Blätter“, weil sie so dünn sind, versehen mit Honig und Nüssen.
Einfach lecker, kann ich Euch sagen!

Ihr Mann ist zur Zeit auf seinem Segelboot mit Freunden auf einer Fahrt über den Atlantik unterwegs. Im Winter ist dies die beste Zeit, wie sie meint und das Meer ruhiger als zu anderen Jahreszeiten. Im Augenblick liegen sie in Las Palmas auf den Kanarischen Inseln fest und warten auf Wind. Anscheinend ist  der Hafen dort gerade voll von Seglern, die das große Meer überqueren wollen.

Persönlich habe ich kein so gutes Verhältnis zum Wasser, außer im Sommer bei 40°C, wenn es angenehm warm ist und Temperaturen von 28°C hat. Dann gehe ich auch mal rein und drehe ein paar Runden. Mit Schwimmflossen natürlich. Sicher ist sicher!

Samstag, 26.12.2015 / Folge 169

Wieder so ein wichtiger Namenstag: Christos und Christine. Die Telefone laufen heiß und nach alter griechischer Sitte halten wir uns auch an diesen Brauch.
Einerseits sind wir nicht sehr kirchennah eingestellt, aber gleichzeitig nutzen wir diese traditionellen Glückwünsche , um mit Bekannten und Freunden ein paar liebevolle Worte auszutauschen.

Alle erhoffen sich für das kommende Jahr eine Besserung und die meisten glauben, dass die Talsohle durchschritten ist, denn tiefer kann sie nicht mehr werden.
Das Land hat seine größte Krise der Nachkriegszeit erlebt und versucht wieder auf die Beine zu kommen. Das geht nur mit viel Geduld. Die hat selbstverständlich auch seine Grenzen, aber die Menschen hier haben sich mittlerweile daran gewöhnt.

Es ist immer wieder erstaunlich mit welcher Gelassenheit sie diese Krise angehen und vor allen Dingen hinnehmen. Wenn man sich die Geschichte des Landes anschaut und sieht, welche Unterdrückungen man die letzten Jahrhunderte durchlebt hat, vor allem unter osmanischer Herrschaft, dann kann man nur sagen: „Respekt“. Und man spürt, das Volk wird auch diese ökonomische Unterdrückung verarbeiten und gestärkt daraus hervorgehen.

Freitag, 25.12.2015 / Folge 168

Ausschlafen ist heute angesagt und dann gibt es ein großes und kräftiges Frühstück. Es macht mir Spaß und Freude, so ausgiebig mit meiner Gattin am Tisch zu sitzen und die gekochten Eier sind auch gelungen. Nicht zu hart und nicht zu weich. Der Kaffee ist mit Hand gefiltert und entsprechend schmeckt er auch. Einfach köstlich.

Ein kleiner Spaziergang in unmittelbarer Umgebung bei Temperaturen von 20°C machen uns Appetit auf das Mittagsmahl. Zum Festtag gibt es Penne mit Gorgonzola-Sauce und zum Nachtisch ein paar griechische Süßigkeiten.

Wie geht es uns doch gut. Wir haben zu essen und zu trinken und leben trotz aller ökonomischer Probleme in einem relativ sicheren Land.

Das können nicht alle Menschen von sich sagen in dieser Welt. Deswegen muß man zufrieden sein. Und das sind WIR auch!

Donnerstag, 24.12.2015 / Folge 167

Diese Tage sind ganz der Familie gewidmet und es ist entsprechend ruhig. Nur in den Supermärkten geht es zu wie auf dem Bahnhof. Alle kaufen nochmal ein für die nächsten Tage, weil die Geschäfte geschlossen sind und wenn man nicht unbedingt muss, dann meidet man lieber derartige Einkäufe.

Aber irgendwie fehlt doch immer etwas in der Küche und gezwungenermaßen mache ich mich auch auf den Weg, was ich nach wenigen Minuten bereits bereue. Die Schlangen vor den Kassen sind ellenlang und die Leute ungeduldig und aufgewühlt. Anstatt sich auf die nächsten Tage zu freuen und sie zu genießen, verfallen sie in Hektik. Und wenn man sie fragt, warum? Dann hat niemand eine passende Antwort.

Es ist einfach so. Na denn, dann ist es an der Zeit das zu ändern.
Also beruhige ich mich innerlich und unterhalte mich in der Schlange mit den Anderen und siehe da, mit einem Lächeln und Freundlichkeit geht es auch.

Frohe Weihnachten wünsche ich Allen und geruhsame Tage.

Mittwoch 23.12.2015 / Folge 166

Weihnachten steht vor der Tür und wir haben immer noch Kapitalverkehrskontrollen.
Jetzt hat die verantwortliche Dame, die der Bankenvereinigung vorsteht, sich erstmals positiv geäußert, dass bis Juni 2016 mit der Abschaffung  zu rechnen ist.

Was das für uns bedeutet braucht man wohl nicht groß zu erklären, denn man kann immer noch wöchentlich maximal 420 €  in bar vom Konto abheben. Alles andere muss überwiesen werden und das macht der Wirtschaft und vor allem dem Mittelstand schwer zu schaffen.

Aber wie es so ist, die Griechen finden immer eine Lösung. Sie arbeiten und handeln mit dem Geld, neben der Ökonomie. Wir nennen das Para-Ökonomie und bedeutet im Klartext, man arbeitet am Fiskus vorbei. So simpel ist das.

Wenn der Staat Hürden aufbaut, dann muss man sie umgehen, wie man es hier ausdrückt.
Und man glaubt es kaum, aber es funktioniert bestens !

Dienstag, 22.12.15 / Folge 165

Im Parlament wurde heute abgestimmt und alle Parteien gaben, unter dem Beisitz des palästinensischen Präsidenten ihr positives Votum für die Anerkennung von Palästina  ab.
Griechenland pflegt seit vielen Jahren enge Beziehungen zu diesem Land und es ist ein eher freundschaftliches Verhältnis. Aufgrund der geographischen Lage ist dies auch angebracht, weil dadurch die Neutralität des Landes bewahrt wird.

Man versucht immer wieder zu vermitteln zwischen Israel, Palästina, Ägypten etc., Ländern die unmittelbar an den Außengrenzen liegen, wenn man Zypern mit einkalkuliert. Damit ist das Land ein Vermittler zwischen diesen Staaten und das wirkt sich auch auf wirtschaftlicher Ebene positiv aus.

Viele Geschäftsleute aus Syrien, Libanon, Jordanien besuchen ständig Athen, um neue wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen. Und was die meisten nicht wissen, ist, dass griechische Großunternehmer stark in Saudi-Arabien vertreten sind, darunter sehr viele Reedereien, die vor Ort tätig sind.

Wir sind ein kleines Land, aber geopolitisch äußerst wichtig für Europa, was einige Politiker aufgrund der Krise vergessen haben, aber nicht vergessen sollten!

Montag, 21.12.15 / Folge 164

Es fängt auch hier langsam an zu „weihnachten“, wobei es gar nicht mit Zentraleuropa vergleichbar ist. Die paar Tannenbäume und der schlichte Schmuck in den Geschäften ist eher ein bisschen südländisch.

Vielmehr geht man zum Bummeln in die Stadt und setzt sich in ein Cafe und trinkt eine heiße Schokolade. Und das ist schon „sehr“ winterlich!

Wir sind auch in die Stadt, vielmehr in die Plaka, einen der ältesten Stadtteile Athens und gehen unter der Akropolis bummeln. Es sind um diese Jahreszeit mehr GriechenInnen unterwegs, im Gegensatz zum Sommer, wenn hier die Touristenströme durch die engen Gassen fließen.

Das nutzen die Einheimischen aus und genießen ihre Plaka bei einem Ouzo und einer Kleinigkeit zu essen. Es wimmelt nur so von Menschen, weil der Flohmarkt auch viele Neugierige anzieht.

Mit dem Blick auf die Akropolis wünschen wir allen einen wunderschönen Tag!!

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