Dieter Bartels
Bild: Dieter Bartels
12. Januar 2016  /// Athener Tagebuch

Athener Tagebuch KW 53/1 (171-184)

Sonntag, 10.01.2016 / Folge 184

Wie verwöhnt wir hier sind lässt sich daran feststellen, dass einen sofort eine leichte Melancholie überfällt, wenn es einmal bewölkt ist und regnet.
Heute ist so ein Tag. Die Wolken hängen tief und es nieselt vor sich hin. Eine komische Stimmung ist draußen und man möchte sich am besten wieder ins Bett verkriechen.

Aber der Hunger treibt uns an den Frühstückstisch und wir machen es uns gemütlich mit einem guten Kaffee, Rühreiern und was sich sonst noch so alles im Kühlschrank befindet.

Da geht es einem doch gleich besser. Der blaue Himmel ist zwar immer noch nicht zu sehen, aber mit einem gefüllten Magen verfliegt zumindest die Schwermütigkeit.

Ach, was für ein schöner Tag!

Samstag, 09.01.2016 / Folge 183

Meine Frau wurde für eine kurzfristige Beratung in den Norden von Athen, genauer gesagt einem Vorort unter dem Berg Parnitha, dem „Berg“ der Stadt, verlangt.

So machen wir uns auf den Weg, was gut eine Stunde Fahrzeit bedeutet. Die Beratung wird wohl drei Stunden in Anspruch nehmen und so rufe ich einen Freund an, der in der Nähe wohnt. Es ist ein nobler Vorort und für griechische Verhältnisse sehr gut organisiert und struktuiert.

Alle Häuser haben Erdgasanschluß, die Straßen sind breit und quadratisch angelegt, was einem die Orientierung leichter macht. Es erinnert mich ein bisschen an Mannheim, dessen Innenstadt nach Quadraten aufgeteilt ist. Dort gibt es keine Straßennamen, sondern nur z.B. Q2, Block 4, Hausnummer 6.

Wir treffen uns in einem Café in einem kleinen Park. Es ist übrigens das Einzige hier. Das Café ist vollbesetzt und wir finden nur noch einen Tisch um ein bisschen zu plaudern.

Die Temperaturunterschiede zwischen den Vororten sind relativ groß, während wir mit 18°C wegfuhren hat es hier nur 12°C. Dafür haben sie hier im Sommer nicht die Hitzewelle, wie wir im Süden, sondern eine angenehme Frische an den Abenden.

Ja, man kann nicht alles haben. So ist das im Leben. Eine wichtige Erkenntnis.

Freitag, 08.01.2016 / Folge 182

Der Dauerbeschuss der Opposition hinsichtlich des neuen Rentengesetzes ist schon verwunderlich. Über 30 Jahre haben sie das System ins Chaos geführt und jetzt wehren sie sich mit Händen und Füßen gegen eine Aktualisierung, die dem Jahr 2016 entspricht.

Ziel ist es, eine Einheits-Rente zu schaffen, die – und das dürfte allen klar sein – mit Kürzungen für die Zunkunftsrentner versehen sein wird. Auchdas Rentenalter wird heraufgesetzt und dem Sterbealter angepasst, was immer das auch heißen mag.

Aber die Menschen werden älter und da kann man nicht mit 50 in Rente gehen. Dies soll nun vorbei sein und das passt natürlich nicht ins Konzept der Opposition.
Eigentlich wissen sie, dass es gar nicht anders geht, aber die Machtspielereien in einer Demokratie lassen es nicht zu, dass man zusammenarbeitet und zum Wohle des Bürgers Lösungen findet.

Warum auch? Der Bürger nimmt ja doch alles hin und lässt sich auch im 21. Jahrhundert noch fanatisieren.

Donnerstag, 07.01.2016 / Folge 181

Wer geht schon gerne zum Zahnarzt? Warum das so ist? Ganz einfach, weil es immer weh tut, egal wie zart die Hände der Zahnärztin auch sein mögen. Meine ist aus Belgien und sie ist so feinfühlig, das man immer das Gefühl hat, dass sie die Schmerzen „mitlebt“. Ständig fragt sie mich, ob ich es noch aushalten kann. „Ich kann“, antworte ich tapfer! Und da ich die Zähne nicht zusammenbeißen kann, bilde ich eine Faust, als Reaktion auf den Bohrer, der sich an meinem Zahnfleisch zu schaffen macht.

Dreißig Minuten sind eine lange Zeit und das Zahnfleisch-Blut fließt in Strömen. Zuviel Steinbildung, wie sie mir zu erkennen gibt. Und da sie so empfindlich mit ihren Patienten umgeht, läßt sie mich auch nicht länger leiden, sondern gibt mir für die nächste Woche einen neuen Termin.

„Dann können wir ein bisschen tiefer bohren“, sagt sie zum Abschluß. Wie beruhigend das auf mich wirkte, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

Mittwoch, 06.01.2016 / Folge 180

Und heute ist vorläufig der letzte Feiertag. Die Orthodoxen feiern ihn ganz besonders und die alte Sitte ist, dass der Priester ein Kreuz insMeer wirft und die Männer ins kalte Nass springen, um dieses Kreuz vom Meeresboden zu angeln.

Derjenige, der das Kreuz als erster aus dem Wasser holt wird entsprechend mit einer Medaille geehrt. TV-Sender zeigen dieses Spektakel teilweise live.
Politiker nutzen diesen Tag auch gerne, um sich nochmals der Masse zu zeigen und natürlich auch  unter Beweis zu stellen, wie volksnah sie sind.

Na ja, dann lassen wir sie mal. Das Volk dankt und applaudiert.

Dienstag, 05.01.2016 / Folge 179

Die Schulen sind noch geschlossen und werden erst wieder nächsten Montag geöffnet. Entsprechend ruhig ist es diese Woche noch. Es geht gemütlich zu und die Cafés sind überfüllt, egal wo man hingeht. Man genießt die ersten Tage in 2016 und was gibt es schöneres für die Griechen um zu philosophieren? Kaffee und gute Freunde um sich herum.

Wir passen uns diesem Gesellschafts-Spiel gerne an und trödeln sozusagen auch durch diese Woche, bis es dann endlich wieder losgeht. Kräfte sammeln ist angesagt, weil steuerliche Einschnitte vorgesehen sind und entsprechend muss man dafür mehr arbeiten.

Wird jetzt Griechenland auch langsam europäisch? Warten wir es ab, weil in der DNA steckt immer noch das Revolutionäre der Spartaner!

Dieter Bartels

Montag, 04.01.2016 / Folge 178

Es stehen immer noch sehr viele Geschäfte leer. Die Regierung versucht mit allen Mitteln die Austeritäts-Politk real umzusetzen, aber ohne Investitionen wird das nicht möglich sein.

Dazu bedarf es eines stabilen Steuersystems, das bisher nicht vorhanden war. Und das ist das Problem. Wie kann man diesen Dschungel von Steuergesetzen lichten, wenn die Ämter voller veralterter Bürokratie sind.
Das wird die Hauptarbeit sein und das neue Rentengesetz soll endlich eine Basis sein für die nächsten Schritte.

Wieso braucht Hellas ein neues Rentengesetz? Weil es über 900 – in Worten neunhundert – unterschiedliche Berechnungsmethoden für die Erstellung des endgültigen Rentenbescheides gibt! Das ist eine Katastrophe für alle Personen, die in Rente gehen. Aber nicht nur das, sondern auch die Wartezeit, bis die ersten Gelder fließen. Da können zwei bis drei Jahre vergehen!
Jetzt kann man sich vorstellen, wie die letzten Jahrzehnte im Lande gewirtschaftet wurde und warum das Land in die tiefe Rezession verfiel.

Erst wenn die geschlossenen Läden wieder vermietet werden, erkennt man den Aufschwung im Lande. Hoffen wir, das diesbezüglich 2016 ein gutes Jahr wird.

Sonntag, 03.01.2016 / Folge 177

Die letzten Tage waren doch sehr kalt für mediterrane Verhältnisse. Wir hatten nur 5°C und bei der hohen Luftfeuchtigkeit macht sich die Kälte besonders bemerkbar. Sie geht durch Mark und Bein, kann ich Euch sagen.

Aber ab heute wird es wieder wärmer und diese Woche werden es wieder 18°C. Da kann man es besser aushalten. Irgendwie habe ich mich so sehr an dieses Klima hier gewöhnt, dass ich auch nicht mehr im Winter nach Deutschland fahre, sondern nur noch in den Sommermonaten.

Und wenn ich das den Griechen erzähle, dann lachen sie und sagen:“Ja, ja, du bist halt doch ein echter Grieche geworden!“

Bin ich das wirklich? Es sieht ganz so aus!!!

Samstag, 02.01.2016 / Folge 176

Den gestrigen Tag haben wir doch ziemlich verschlafen, aber heute sind wir wieder fit und munter und hatten Lust auf einen Kaffee.

Wir riefen ein paar Freunde an und trafen uns in einem Café, nicht weit von unserer Wohnung entfernt. Das Kaffeehaus war bekannt für seine Süßigkeiten und denen konnten wir nicht widerstehen. Zu einem guten Kaffee gehört einfach etwas Süßes, oder nicht?

Mit Erstaunen stellten wir fest, dass an unserem Nebentisch ein sehr berühmter griechischer Fussballer saß. Giorgos Samaras, der immerhin bei der WM in Brasilien ein entscheidendes Tor für die Nationalmannschaft geschossen hatte.

Ebenso erstaunt sahen wir, dass er wohl begeisterter Raucher ist. „Der lässt es aber locker angehen“, sagte unser Freund. „Das kann man wohl sagen“, erwiderte ich.

Aber warum auch nicht, zum guten Kaffee kann man ruhig mal eine Zigarette rauchen, was ich übrigens auch mache. Und wenn mich jemand darauf anspricht, dass ich doch auch die wenigen Zigaretten am Tag weglassen könnte, dann antworte ich einfach: „Wenn Du die negativen Gedanken weglässt, dann höre ich auf zu rauchen.“

Das ist es nämlich. Negative Gedanken schaden uns mehr, als wir uns vorstellen können und sind das größte Übel in unserer Zeit.

Freitag, 01.01.2016 / Folge 175

Ausgeschlafen und doch noch müde. Wieso? Weil ich nicht jede Nacht um 04:30 ins Bett gehe.

Es wurde doch spät gestern abend. Und wie ich es vorhergesagt hatte, ging es sehr ruhig zu. Wir waren zu fünft, aber die Gespräche in der Runde waren so interessant, dass wir gar nicht merkten, wie es immer später und später wurde.

Die kleine Runde setzte sich aus der Gastgeberin, dem Gastgeber (einem Professor), meiner Ehefrau, einem Freund der Familie (Journalist) und mir zusammen.

Wir hatten bewußt ein paar heiße Themen herausgesucht und so wurde uns nicht langweilig, sondern die Dialoge bzw. Diskussionen führten uns über Brüssel, Moskau, Kairo, Konstantinopel, bis nach Amerika und wieder zurück.

Alle waren in der Welt herumgereist und so gab es eine Menge zu erzählen. Selbst wie der Tango in Argentinien getanzt wird.

Die Torte lag dann doch ein bisschen schwer im Magen, aber die Gastgeberin wusste hier Abhilfe zu schaffen, weil sie einen selbstgemachten Underberg servierte und der bereinigte die Angelegenheit bestens.

Eins weiß ich, morgen brauche ich nicht viel zu essen.

Donnerstag, 31.12.2015 / Folge 174

Die letzten Einkäufe werden getätigt, weil die nächsten 4 Tage alle Läden geschlossen haben. Entsprechend geht es in den Geschäften zu. Manchmal meint man gerade, die Menschen würden verhungern, was sie so alles einkaufen.

Na ja, jeder nach seinem Pläsier. Aber die bestellte Torte für heute Abend muß ich auf jeden Fall abholen. Wir sind nämlich bei Freunden eingeladen. Es wird gemütlich zugehen, ohne große Feier. Eigentlich nach unserem Sinne.

Die Torte ist frisch zubereitet und wird von der Verkäuferin als Geschenk verpackt. Werfe noch mal einen letzten Blick darauf und freue mich schon auf später, wenn wir sie von der Gastgeberin serviert bekommen.

Ansonsten wird heute nicht mehr viel gemacht. Besser gesagt GAR NICHTS. Ach wie schön!

Mittwoch, 30.12.2015 / Folge 173

Am Ende des Jahres sitze ich gerne im Büro, das im Haus untergebracht ist, und aktualisiere meine Kalender. Ihr werdet es nicht glauben, aber da ich ein Fan der Brunnen-Kalender bin, bestelle ich sie jedes Jahr in Deutschland. Sie sind einfach hervorragend geordnet, zumindest nach meinem Geschmack.

Beim Eintragen lässt man noch einmal das Jahr an einem vorüber laufen, zumindest hinsichtlich der wichtigen Daten. Und ich muss sagen, es waren einige darunter, viele unangenehme, aber auch einige sehr gute.

Die nicht so schönen haben mit der Wirtschaft zu tun und unserem persönlichen Geldfluss, der alles andere als gut war. Aber dreifache Wahlen in 2015 haben uns alle zurückgeworfen, abgesehen von den langwierigen Verhandlungen mit Brüssel, die das Land in eine Art Hypnose versetzt hatten.

Irgendwie sind die letzten Wochen leichter und die Arbeit nimmt zu, was mich doch positiv stimmt. Wenn es so weiter geht, dann haben wir ein gutes Jahr 2016.

Dienstag, 29.12.2015 / Folge 172

Eigentlich sollte es eine ruhige Woche werden, aber die Arbeit nimmt zu. Worüber man sich nicht beschweren sollte in diesen Tagen, denn Arbeit bedeutet auch Geldenergie. Und die ist seit Jahren knapp geworden, deswegen ist es eine besondere Freude, wenn man arbeitet und dafür seinen Lohn empfängt.

Eine kurzfristige Beratung in einer Firma vor dem Jahresende ist angesagt. Die kleine Reise führt in den Norden von Athen entsprechend wärmer ziehen wir uns an.

Die Nordathener leben in einer anderen Klimaregion und für sie ist es immer wieder überraschend zu hören, wieviel Grad Unterschied wir haben.
Aber das Thema war die Beratung und hier ist Betriebspsychologie angesagt, denn in der Firma „brodelt“ es ein bißchen. Diese Unruhe wurde von draussen hereingetragen, was bedeutet, das es persönliche Probleme der Chefin sind.

Und so unterhalten wir uns über zwei Stunden über ihre privaten Problemzonen, bevor wir dann endlich auf die Firma zu sprechen kommen.
Der Abend wurde lang und erst gegen 23.00 trudelten wir zu Hause wieder ein. Bereit für das Bett, denn wir waren k.o., aber gleichzeitig zufrieden.
Was für ein schöner Tag, dachten wir uns.

Montag, 28.12.2015 / Folge 171

Die Stadt ist voller Menschen und wenn ich nicht etwas wichtiges zu tun gehabt hätte, dann hätte ich diese Fahrt vermieden. An solchen Tagen, wenn alles unterwegs ist, dann bleibt man am besten zu Hause. Das hätte ich auch tun sollen, denn als ich zu meinem Auto zurückkam, musste ich mit Entsetzen feststellen, dass mir jemand den linken Außenspiegel abgebrochen hat. Muss wohl ein anderes Fahrzeug gewesen sein, weil er aus der Fassung herausgerissen wurde.

Anstatt nach Hause fuhr ich in die Werkstatt, die auch an diesen Tagen offen hat. Der Inhaber lächelte schon, als er mich sah und ich ihm den Spiegel zeigte.
Leider ist die Person weitergefahren, ohne einen Zettel am Fahrzeug zu hinterlassen und entsprechend muss ich den Schaden alleine tragen. Eine griechische Unsitte, die ich nur mit Rücksichts- und Respektlosigkeit erklären kann. Es ist zwar ein blauer Himmel heute, aber auch hier ist nicht immer „eitel“ Sonnenschein, wie man an diesem Falle sehen kann.

„Es gibt schlimmeres im Leben“, dachte ich mir. Also nehme ich es mit Humor und bestelle mir einen Kaffee und warte geduldig bis der Spiegel repariert ist.

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