14. Dezember 2015  /// Athener Tagebuch Griechenland

Athener Tagebuch KW 51 (157-163)

Sonntag, 20.12.15 / Folge 163

Die konservative Partei hat heute ihre Anhänger zur Wahl aufgerufen. Vier Politiker möchten Vorsitzende der Partei werden. Es soll einen reibungslosen Ablauf geben, im Gegensatz zum letzten Monat, als die Wahl in einem Desaster endete, weil die Technik nicht funktionierte.

Gegen 18 Uhr liegen die ersten Ergebnisse vor und es sieht so aus, als wenn alle Erwartungen übertroffen wurden. Es sollen fast 400.000 Bürger in den Wahllokalen erschienen sein und ihre Stimme abgegeben haben.

Die größte Oppositionspartei im Land wird hoffentlich wieder stabiler in der Öffentlichkeit auftreten, weil es in einer Demokratie von höchster Notwendigkeit ist, dass die Regierung eine funktionierende Opposition hat.

Man könnte es auch anders ausdrücken. Die Opposition schaut der Regierung auf die Finger und bei Themen von nationalem Interesse bedarf es immer einer Stimme, die das Land nach außen vertritt.

Samstag, 19.12.15 / Folge 162

Auf der Fahrt nach Piräus morgens um neun kommt man sich vor, als wenn die Stadt noch im Winterschlaf wäre. Alle Ampeln auf Grün und in Piräus sind die Cafes am Hafen noch geschlossen. Man bereitet sich auf die Gäste vor, die heute bei blauem Himmel und mildem Wetter erwartet werden. Die Gehsteige werden gereinigt und die Tische für die durstigen Kaffetrinker vorbereitet.
Ein Kaffee am Hafen mit dem Blick aufs Meer und den vielen Schiffen ist einfach beeindruckend. Irgendwie hat man das Gefühl, man lebt in einer anderen Welt.

Piräus hat ein eigenes Flair und eine andere Atmosphäre als zum Beispiel Athen, das ja eigentlich nur wenige Kilometer entfernt liegt. Aber hier trifft man andere Menschen. Viele haben mit der Schifffahrt zu tun oder holen am Wochenende ihr kleines Boot heraus um zu segeln.

Und wenn man mit Seglern spricht, warum sie diesen Sport so lieben, dann bekommt man immer eine klare Antwort: Das Gefühl der Freiheit und eine tiefe Verbundenheit mit dem Meer!

Freitag, 18.12.15 / Folge 161

Und Tsipras trifft mal wieder Frau Merkel. Jetzt geht es aber nicht um wirtschaftliche Hilfen, sondern um das Flüchtlingsproblem, das man mittlerweile auch in Griechenland kritischer betrachtet. Denn viele stellen sich die Frage, wie die Menschen über den Weg der Türkei auf die griechischen Inseln gelangen und aber eigentlich aus Marokko bzw. Tunesien kommen?

Bisher hat noch niemand diese Frage beantwortet, aber es liegt wohl klar auf der Hand, dass hier Menschenhändler ihre Finger im Spiel haben.
Griechenland in Kooperation mit Frontex macht jetzt die Grenzen dichter, was immer das auch heißen mag, oder besser ausgedrückt, ob das überhaupt möglich ist aufgrund der Ägäis.

Sicher ist auch, dass die Türkei ihrem Versprechen bisher nicht nachgekommen ist und immer noch die Schlauchboote von ihren Häfen auslaufen lässt.

In der Ägäis herrschen zur Zeit winterliche Temperaturen und das Meer ist entsprechend aufgewühlt mit bis zu Windstärke 8 auf der Skala. Wie soll man da in einem Schlauchboot überleben?

Das Risiko wird immer größer und hat wieder zu tragischen Todesfällen geführt, darunter sieben Kinder. Traurig und fassungslos zugleich.

Donnerstag, 17.12.15 / Folge 160

Irgendwie sind die letzten Tage auf der politischen Ebene ruhiger geworden. Ist es die Ruhe vor dem Sturm? Hoffentlich nicht.

Auf jeden Fall hat die Schwarzgeld-Liste aus Nordrhein-Westfalen in Athen eingeschlagen. Die Staatsanwaltschaft hat die Liste mit über 10.000 Namen vorliegen und verfolgt die ersten Geldeinzahlungen auf den Schweizer Banken. Man spricht von Geldüberweisungen in Höhen von 1,5 – 10 Mio. Euro.

Jetzt ist die Gerichtsbarkeit gefordert und hat die Kontoinhaber bereits darauf hingewiesen, sich selbst anzuzeigen, sollte ein Teil der Summen nicht versteuert sein.

Hier ist zu erwähnen, dass der Finanzminister von NRW die jetzige Regierung, die diese CD angefordert hatte, auch logistisch unterstützt. Mehr als 50 griechische Beamte sollen in Düsseldorf ausgebildet werden. Gleichzeitig wird ein enger Austausch der Daten stattfinden, denn Gelder wurden mit Sicherheit nicht nur in die Schweiz transferiert, sondern auch in andere europäische Länder und hiermit meint man vor allem Luxemburg, das einen besonderen Status genießt.

Man darf gespannt sein auf die ersten Namen, die Millionen von Euros ins Ausland gebracht haben und letztendlich auch dazu beigetragen haben, dass Griechenland in diese Krise schlitterte.

Mittwoch, 16.12.15 / Folge 159

Auf dem Weg ins Athener Zentrum fiel uns auf, dass der Verkehr enorm zugenommen hatte. Das hängt nicht nur mit der Weihnachtszeit zusammen, sondern auch mit dem größeren Aufkommen an Fahrzeugen. Anscheinend geht die Wirtschaft aufwärts, dachten wir uns.

Unser Termin war um 20 Uhr und lag mitten im Herzen der Stadt, nämlich in Kolonaki. Hier hatten wir eine Besprechung mit einer Ladenbesitzerin, die seit über 25 Jahren hier ansässig ist. Ihre Ware ist aus Italien und eher für Damen gedacht, die auch berufstätig sind, also Rechtsanwältinnen, Geschäftsfrauen etc.

Auf die Frage, wie es zur Zeit laufe, machte sie einen nachdenklichen Eindruck und sagte: „Wir sind ein alt eingesessenes Geschäft mit hoher Qualität und das hat sich auch in dieser Krise ausgezahlt. Auch wenn ein Rückgang zu verzeichnen ist und die Geschäfte neben uns seit 3 Jahren leer stehen, können wir hochzufrieden sein!“

Das empfanden wir als positive Einschätzung der Lage und gleichzeitig zeigte es, dass man auch in der schwierigen Phase überleben kann, wenn man den Kunden qualitativ hochwertige Ware anbietet, versehen mit einem guten Service und einem freundlichen Lächeln.

Gerade das letztere ist vielen in den letzten Jahren vergangen, aber es ist immer noch eine Wohltat, wenn man in ein Geschäft eintritt und die Inhaber einen höflich empfangen.

Deswegen sollte man nicht vergessen: „Lächeln ist kostenlos und tut der Seele gut“.

Dienstag, 15.12.15 / Folge 158

Die GriechenInnen mögen mittlerweile auch den Winter und selbstverständlich feiern sie auch Weihnachten. Es ist jedoch nicht das größte Fest im Land, das ist immer noch die Osterzeit. Trotz alledem gibt es fast überall kleine Stände und neuerdings auch in manchen Vororten eine kleine Eisbahn zum Schlittschuhlaufen. Europäer würden darüber lachen, wenn sie die Größe der Eisfläche sehen würden und die ist ungefähr zu vergleichen mit einem Babylift für Skiläufer.

Aber nichtsdestotrotz, die Kinder genießen es und die Eltern schauen ihnen bei einem heißen Kaffee vergnüglich zu.

Als ich bei einer Eisbahn bei uns in Voula vorbeikam, blieb ich stehen und schwelgte in Kindheitserinnerungen. Meine Eltern lebten damals in Ludwigshafen am Rhein und es gab nur ein Eisstadion und das war in Mannheim. Aber das war zu weit und es deshalb nur in Begleitung der Eltern möglich, dort mit der Straßenbahn hinzufahren.

Ein Winter war so kalt, dass die Feuerwehr eines Morgens und eine große Fläche auf unserem Sportplatz mit Wasser bespritzte. In wenigen Stunden entstand somit eine Eisfläche, die in unmittelbarer Nachbarschaft lag. Zu Fuß gingen wir täglich dort hin und spielten Eishockey. Die Schläger bastelten wir uns selbst und der Puck war eine Metallscheibe. Aber das war uns egal. Wir konnten herumtollen und spielen.

Ja, heute ist alles organisiert. Die Kinder tragen Helme, auch zum Fahrradfahren. Das iPhone klingelt ständig überall und die Technik beherrscht das heutige Leben.

Wo bleibt die Einfachheit? Sie ist uns verlorgen gegangen. Irgendwie schade. Oder?

Montag, 14.12.15 / Folge 157

Der Satz neben der Statue lautet: „Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“.

Wer weiß, wer diesen ausdrucksvollen und weisen Satz geprägt hat? Werde es nicht verraten, sondern die Leser bitten es für sich selbst herauszufinden.

Somit liest man nicht nur einen Satz, sondern er bleibt bei der eigenen Suche besser im Geiste „kleben“.

Dieser Satz birgt nicht nur eine tiefgreifende Weisheit in sich, sondern sagt auch alles darüber aus,wie wir HEUTE leben sollten. Es werden so viele Bücher geschrieben. Die Zeitungen sind voll von Artikeln über Gesundheit und die beste Art und Weise zu leben. Man bekommt fast täglich zu lesen, was man nicht essen sollte, was man nicht tun sollte. Im Grunde ist fast alles verboten, nur das denken ist noch erlaubt.

Und hier ist der Punkt, der so entscheidend ist für unser Leben. Wir können denken was wir wollen!!! Der Geist ist frei und wenn er gesund denkt dann sendet er auch gesunde Energien in den Körper. So einfach ist das und doch so schwer für die Masse der Menschen, die „ungesund“ denkt.

Tja, und das wussten die alten Griechen schon vor über 2500 Jahren. Schade, dass wir es bis heute noch nicht geschafft haben, diesen Satz in unser tägliches Leben einzubinden.

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