Diegter Bartels, Athen
Bild: Diegter Bartels, Athen
1. August 2015  /// Athener Tagebuch Gastkommentar

Athener Tagebuch KW 32 (29-37)

Sonntag 09.08.15 / Folge 37

Wenn Griechenland etwas zu viel hat, dann ist es Marmor. Es gibt ihn ausreichend an fast jeder Ecke des Landes. Der Parthenon wurde hauptsächlich mit dem Marmor vom Berg Penteli gebaut. Spezielle Sorten wurden dafür benötigt und eigens augesucht. Der Gebirgszug liegt im Norden von Athen, und dort wird auch heute noch in eingeschränktem Maße der Abbau betrieben.

Für die Dachkonstruktion des Parthenon schiffte man Marmor aus Paros ein. Er ist durchsichtiger, und somit konnte das Tageslicht in den Tempel eindringen. Übrigens sind die Säulen nicht gerade, sondern alle schief, was für das bloße Auge nicht zu erkennen ist, aber die alten Griechen hatten die Natur beobachtet, und hier gleicht auch kein Blatt dem anderen. Entsprechend bauten sie auch ihre Tempel. Harmonie verbunden mit der Umwelt. Ein Thema das auch in unserer Zeit immer aktueller wird!!

Viele Kleinbetriebe existieren auch heute noch, zumal das wertvolle Produkt im Hausbau eingesetzt wird. Hauptsächlich für Kamine und im Küchenbereich. Gerade in den älteren Häusern findet man ihn häufiger, da er vor vielen Jahren günstig zu erwerben war. Marmor ist sehr widerstandsfähig und war im antiken Griechenland das wichtigste Produkt für Tempelbauten, Amphitheater etc., weil er sich ausgezeichnet eignete für die Akustik (siehe Epidaurus).

In den letzten Jahren sind die Preise gestiegen, und die Betriebe kämpfen ums Überleben. Deshalb wird mehr nach Übersee exportiert, weil dort der Marmor ein Luxusprodukt ist und entsprechend gut bezahlt wird.

Hinzu kommt, dass man heute umweltbewußter denkt. Denn seien wir ehrlich, der Marmorabbau hinterlässt Umweltschäden, die nicht mehr repariert werden können, wie Landschaftsarchitekten feststellten. Auch hier hat ein positives Umdenken eingesetzt.

 

Dieter Bartels / AthenSamstag, 8.8.2015 / Folge 36

Wie sagte mir diese Woche der Nachbar: „So lange ich nicht sehe, dass die Betonmaschinen wieder laufen, glaube ich nicht an einen Aufschwung!“

Ein markanter Satz, der jedoch einen großen Wahrheitsgehalt hat.

Die Bauindustrie liegt seit Jahren am Boden und wurde bisher auch von keiner Regierung gefördert. Im Gegenteil, die Steuern für Kauf und Verkauf wurden vor zwei Jahren immens erhöht, sodass fast niemand mehr ein Interesse daran hatte, eine Immobilie zu erwerben, geschweige denn zu verkaufen.

Jede Bauindustrie ist ein Eckpfeiler der Wirtschaft, die viele Arbeitsplätze schafft und somit neue Investoren anzieht. Ein Hand-in-Hand-Geschäft. Eine Kettenreaktion, die sich bis zum Maler, Fliesenleger, Maurer durchzieht.

Betroffen sind hiervon hauptsächlich die handwerklichen Betriebe, die keine Küchen mehr bauen, keine Elektrokabel mehr verlegen, keine Wasserinstallationen mehr einbauen usw. usw.

Natürlich muss man erwähnen, dass die Grundstückspreise vor der Krise ins Unermessliche gestiegen waren. Mit dem plötzlichen Zusammenbruch hatte niemand gerechnet, und wer ein Baugrundstück zu einem überhöhten Preis gekauft hatte, konnte nun nicht mehr bauen, weil der qm-Preis für einen potentiellen Käufer einfach nicht mehr erschwinglich war.

Ähnlichkeiten mit Irland und Spanien waren sicherlich vorhanden, jedoch nicht in diesem Ausmaß, weil die Menschen kleinere Wohneinheiten bevorzugen. Hochhäuser mit 300 und mehr Wohnungen gibt es hier so gut wie gar nicht.

Die GriechenInnen haben statistisch gesehen den größten Eigentumsanteil in ganz Europa. Lieber ein kleines Häuschen mit Garten als eine Eigentumswohnung im 18. Stock, was natürlich auch mit der Fläche des Landes zu tun hat, die sich auf Tausende von Inseln (über 400 davon bewohnt) und das gebirgige Festland verteilt.

Das Haus auf meinem Foto wollte ein Arzt bauen, er konnte es aber aus finanziellen Gründen nicht fertigstellen. Er sucht mittlerweile Käufer für das halbfertige Haus, und das schon seit fünf Jahren.

Ja, wenn doch nur bald wieder das Geräusch der Betonmischer zu hören ist, dann wissen wir, es geht aufwärts im Lande!

 

Dieter Bartels / AthenFreitag 07.08.15 / Folge 35

Ein Tag wie jeder andere. Es ist August, und die Straßen sind wie leer gefegt. Die meisten sind im Urlaub oder am Strand. Die Stadt ist ruhig. Selbst beim Bäcker, bei dem sich sonst eine Schlange bildet, herrscht eine eigenartige Stille. Auf die Frage, ob ich ein Foto von ihr machen dürfe, schaute die Verkäuferin ein bisschen beschämt weg und packte mir das Vielkornbrot ein, das frisch aufgeschnitten einfach herrlich schmeckt.

So ist der August in Athen. Eigentlich eine Zeit, in der man die Stadt genießen kann. Kein Gehupe, kein Geräuschpegel, keine Hektik und kein Gedränge. Man nimmt sich Zeit und redet mehr miteinander.

Das gilt natürlich nur für die Wohnbereiche, die nicht in Kontakt mit dem Tourismus sind. Auf den Inseln und in der Altstadt ist es genau das Gegenteil. Menschen aus der ganzen Welt wandern durch die Geschäftsstraßen. Der Boom vom letzten Jahr hält an und wird auch dieses Jahr die 22 Millionen-Grenze knacken. Aber wie gesagt, das ist alles 20 Autominuten weit weg von uns.

Wir bekommen davon in Glyfada (südlicher Vorort) rein gar nichts mit, auch nicht von den Flüchtlingen, die zur Zeit das Land überschwemmen. Man hat diesbezüglich extra einen ganzen Park aufbereitet, in dem die Kinder, Frauen und Männer erstversorgt werden können. Ärzteteams und viele Freiwillige helfen vor Ort mit und versuchen die Probleme zu lindern. Darunter ist auch eine Gruppe von Frauen aus Afrika, die selbst vor Jahren geflohen sind und nun in Athen leben. Sie bereiten täglich das Frühstück zu. Alles Eigeninitiative und selbst finanziert. Sie kochen und backen zu Hause für 200 Personen und bringen es dann persönlich in die Parkanlage.

Sie meinen, dass es ihre Pflicht sei, für ihre Mitmenschen zu sorgen, die sich in dieser Notlage befinden.

Erstaunlich, wie großzügig sich dieses Land verhält, selbst wenn es gerade selbst so viel Not leiden muss. Leider muss man hierzu erwähnen, dass sich Europa nicht spendabel zeigt und keine Hilfswerke bzw. finanzielle Mittel nach Athen schickt.

Irgendwie fühlt man sich allein gelassen in dieser schwierigen Phase. Miteinander sieht anders aus!!!

 

Dieter Bartels / AthenDonnerstag 06.08.15 / Folge 34

Ein Besuch bei der staatlichen Stromgesellschaft DEI ist immer ein Erlebnis. Heute war ich mal wieder dran.

Wir bezahlen die Stromrechnungen in bar, also musste ich zur Zentrale fahren. Für die südlichen Vororte gibt es eine Anlaufstelle. Man kann sich ungefähr vorstellen, was da so los ist.

Für Nordeuropäer ein Alptraum, weil man hier die An- bzw. Abmeldung direkt vornehmen muss. Per Telefon geht das leider nicht. Wie erwähnt, zahlen die griechischen Haushalte ihre Rechnung immer noch „cash“. Aufgrund der Krise bietet DEI mittlerweile an, die Rechnungen zu strecken, man kann den Betrag also auf acht Monate verteilt, begleichen. Davon machen zur Zeit über 50% der Haushalte Gebrauch, und somit entgeht man der Gefahr, den Strom abgestellt zu bekommen.

Es ist immer sehr viel Betrieb, und man sollte Geduld mitbringen. An der Kasse sind sicherlich über 40 Personen vor mir, aber es geht schnell. Anders ist es, wenn man ein Problem hat, dann holt man sich eine Nummer ab und gesellt sich in die entsprechende Reihe. Das kann dann schon mal 1-2 Stunden dauern. Aber wie gesagt, ich hatte es ja schon erwähnt: „Geduld“.

Ein wichtiges Wort auf griechischen Ämtern, die nicht sehr effizient arbeiten und viel zu viel Bürokratie haben. Genauer ausgedrückt, arbeiten sie noch nach dem typischen „Beamten-System“, sprich: „Ich habe viel Zeit und der Rest ist mir egal!“

Dass da bei einigen die Nerven durchgehen, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Es ist jedes Mal dasselbe. Da fehlt ein Papier, dort ein anderes, und schon ist man gezwungen, am nächsten Tag wieder zu kommen. Warum am nächsten Tag? Weil das Amt täglich um 14:30 Uhr schließt. Schließlich sind die Beamten müde von der vielen Arbeit und dürfen nicht zu stark belastet werden, das schadet der Gesundheit und letztendlich dem Nervensystem der Stromkunden.

Ratschlag: Am besten man geht gut gelaunt auf ein Amt, oder man nimmt gleich einen Psychiater mit …, oder man setzt sich gegenüber in das Kafenion und trinkt einen Mokka, der beruhigt auch die Gemüter.

 

Dieter Bartels / AthenMittwoch 05.08.15 / Folge 33

Gestern telefonierte ich mit einem Freund, der mir sagte, er habe zur Zeit eine Magen- Darm-Grippe. Und das mitten im Sommer. Eine unangenehme Sache, wahrscheinlich hat er sich einen Virus eingefangen.

Er sagte, er nehme Antibiotika, und in wenigen Tagen sei er wieder fit.

Daraufhin sagte ich ihm, es gebe doch ein Heilmittel, das die Griechen schon im Altertum benutzt hätten. Er war erstaunt, dass es so etwas gäbe.

Dieses Heilmittel ist eine Art Antibiotikum, aber aus Knoblauch. Richtig gehört, es werden Knoblauchzehen benutzt, und es ist ganz einfach herzustellen. Man nennt es auch das „Magische Getränk des Hippokrates“. Es ist ein Hausmittel, und wir wenden es schon seit Jahren erfolgreich an. Sehr empfehlenswert und wirksam! Einfach mal probieren, der Erfolg ist sicher!

Knoblauchtropfen

Zutaten: 350 g Knoblauch und 200 g Spirit 95 oder 90 %

Schälen sie den Knoblauch, schneiden sie ihn in kleine Stücke und zerdrücken sie ihn mit eine Mörserkeule aus Holz in einer Holz- oder Glasschüssel. Füllen sie den Knoblauch in einen Glaskrug und geben sie den Spirit dazu. Verschließen sie den Krug und lassen sie ihn für 10 Tage im Kühlschrank stehen. Am 11.Tag sieben sie die Mischung und legen sie zurück in den Kühlschrank. Füllen sie diese Mischung in kleine Fläschen mit Tropfenmesser ab. Diese können sie in jeder Apotheke erwerben. Es ist jetzt fertig zum einnehmen.

Wie man es einnimmt: Geben sie die Tropfen in eine Tee- oder Kaffeetasse (50 g) zu einem Getränk, wie Tee, Kaffee oder Orangensaft, wie nachstehend:

Frühstück (Tropfen)             Mittagessen (Tropfen)         Abendessen (Tropfen)

  1. Tag               1                                  2                                            3
  2. Tag               4                                  5                                            6
  3. Tag               7                                  8                                            9
  4. Tag              10                               11                                           12
  5. Tag              13                               14                                           15
  6. Tag              15                               16                                           17
  7. Tag              12                               11                                           10
  8. Tag                9                                8                                             7
  9. Tag                6                                 5                                            4
  10. Tag                3                                 2                                             1
  11. Tag               15                               25                                           25
  12. Tag               25                               25                                           25

Falls am Ende ein bisschen von der Mischung übrig bleibt, nehmen sie 25 Tropfen 3x pro Tag ein, bis es zu Ende ist. Sollte viel übrig bleiben, geben sie es an einen Freund oder Bekannten weiter. Um starken Knoblaubgeruch zu vermeiden, können sie jedes Mal, nachdem sie die Mischung eingenommen haben, Petersilie oder ein oder zwei Nelken zerkauen.

Bitte notieren Sie: Diese Mischung sollten sie ein Mal im Jahr einnehmen.

 

Dieter Bartels / AthenDienstag, 04.08.15 / Folge 32

Der Kiosk um die Ecke.

Er ist genauso wichtig wie der Bäcker oder das Kafenion. Man kauft dort ein. Man trifft sich dort, um ein bisschen zu plaudern. Man erfährt Neuigkeiten und tauscht sich aus.

Sicherlich werden keine philosophischen Themen besprochen, aber genau dieser „Small Talk“ ist so wichtig im Leben. Man steht an der Theke, um zu bezahlen, und schon kommt man ins Gespräch mit der Frau, die gerade Kaugummi und ein Erfrischungsgetränk einkauft.

Dieses Mit-Einander-Sprechen ist so notwendig wie das tägliche Brot, weil man sich ausdrücken kann. Weil man das Gefühl hat, man lebt mit den anderen zusammen, auch wenn man sie gar nicht kennt.

Es gibt auch keine Barrieren im Kiosk. Es ist ein Kommen und Gehen, und alle fühlen sich als ein Teil des kleinen Unternehmens, das übrigens auch nicht-verschreibungspflichtige Kopfschmerzmittel verkauft. Es hat sozusagen alles für den täglichen Gebrauch.

Kinder holen sich ihr Eis, der Rentner seine Zeitung, die Geschäftsfrau ihren Eistee, die Mutter mit ihren zwei Kindern ein paar Süßigkeiten, und so geht das den ganzen Tag.

Hier im Kiosk ist immer etwas los. Man hört politische Diskussionen wie auch die neuesten Fußballergebnisse. Die Hausfrau beklagt sich über die Telefonrechnung, die sie nicht bezahlen kann, weil ihr Mann arbeitslos ist. Sie sagt das ohne Hemmungen. Und die „Mit-Hörer“ nicken mit dem Kopf. Sie verstehen die Probleme, weil sie selbst in einer ähnlichen Situation sind.

Man hat eigentlich schon bezahlt, die Gespräche gehen jedoch auf der Straße weiter, um sich Zustimmung zu holen bzw. Solidarität zu zeigen. Wie gesagt, man hat sich noch nie getroffen, und doch ist es so, als würde man sich schon jahrelang kennen.

Ein gutes Gefühl kommt in einem hoch, weil man spürt, man ist nicht alleine mit seinen Problemen. Und, man konnte sich etwas von der „Seele“ reden. Irgendwie fühlt man sich erleichtert und geht frohen Mutes nach Hause, und ich dachte mir:

„Wie schön ist es, dass es diesen kleinen Kiosk um die Ecke gibt“.

 

Montag 03.08.15 / Folge 31

Heute hat es mal richtig gerumpelt in der griechischen Ökonomie, denn mit der Eröffnung der Börse nach 5 Wochen wurde ein Minus von 30% gemacht!!!

Einmalig in der Geschichte. Aber das war zu erwarten, und die Lage wird sich nach Aussagen einiger Investoren in den nächsten Tagen wieder erholen. Investor oder Medium müsste man sein, die treffen immer die besten Vorhersagen.

Das Bankensystem ist in Griechenland reif für eine Erneuerung. Habe heute selbst zwei Stunden in der Schlange gestanden, um eine Einzahlung zu tätigen. Nur ein Bankschalter war geöffnet und über 30 Leute vor mir.

Es war Unruhe zu spüren, und einige taten ihren Unmut kund. Ein Kunde wurde dann jedoch lauter und schrie regelrecht: „Wir sind alle Idioten, dass wir euch bezahlen und ihr absolut keinen Kundenservice anbietet.“ Erst einmal in Fahrt gekommen, legte er noch einen drauf: „Dieses Bankensystem muss und wird zusammenbrechen, das sage ich euch. Sobald andere Banken aufmachen, die den Kunden besser betreuen, werdet ihr diesen Laden zumachen!“ Und fast alle haben mit den Köpfen genickt.

Diese Begebenheit hat nichts mit Kapitalverkehrskontrollen zu tun. Die Situation ist schon seit Jahren dieselbe, weil die Konzerne Mitarbeiter entlassen, es aber versäumt haben, ihre Systeme zu reorganisieren, wie es teilweise in Europa der Fall ist.

Beispiel Einzahlung. Man muss nicht nur den Ausweis vorlegen, sondern auch seine Telefonnummer angeben, egal welchen Betrag man einzahlt. Als wenn mich schon jemals jemand angerufen hätte, um zu kontrollieren, wer der Einzahler ist.

Genauer gesagt, ging es um 86 € für die Autoversicherung. Das ist natürlich lächerlich und ein großer Aufwand an Bürokratie. Diese Tätigkeiten könnte man sicherlich anders organisieren, und den Bank-Oberen wäre zu empfehlen, eine Reise durch Europa zu machen und andere Banken zu besuchen. Ganz simple Anweisungen werden mancherorts in wenigen Minuten durchgeführt.

Eine junge Dame vor mir sagte, sie erledige heute nur Bankangelegenheiten, dann sei der Tag vorüber, weil die Institute schließlich um 14:30 Uhr täglich schlössen.

„Ein schönes Leben haben diese Leute, Bankangestellter müsste man sein!“ rief sie mir beim Weggehen noch nach.

 

Dieter BartelsSonntag 02.08.15 / Folge 30

Einmal im Monat treffen wir uns auf einen Kaffee in Athen. Unsere illustre Gesellschaft besteht aus einem früheren Professor, einem Studenten, einem IT-Spezialisten, einem Ingenieur, einem Verkäufer, einem Marketing-Fachmann und meiner Person.

Heute haben wir uns das Café nahe dem Hotel Hilton ausgesucht, in dem die Troika übernachtet. Eher ein Zufall, aber auch gleichzeitig ein Aufhänger für eine intensive Diskussion.

Die Troika fordert Reformen, die das Land sicherlich benötigt und die schon lange überfällig waren, jedoch von den Regierungen bisher nicht angegangen wurden, aus Angst vor Verlusten von Wählerstimmen.

Der Personenkreis setzt sich aus allen politischen Richtungen zusammen, somit ist eine objektive Diskussion gewährleistet.

Der frühere Professor, jetzt Rentner, beklagt, dass ihm die Rente sieben Mal gekürzt wurde. Er ist 73 und hat natürlich Angst, dass es zu weiteren Abschlägen kommt, wie von der Troika gefordert.

Dem Marketing-Fachmann, Mitglied von PASOK, bereitet die Arbeit bei einer amerikanischen Firma Probleme. Ein Arbeitstag mit 10-12 Stunden und 1200 € netto. Davon könnte er, würde er nicht bei seinen Eltern wohnen, nicht leben. Es gibt extrem hohen Arbeitsstress und das Betriebsklima ist typisch amerikanisch, soll heißen, jeder schaut auf seine Tätigkeit ohne Rücksicht auf den Anderen. „Das sind wir in Griechenland nicht gewohnt“, fügte er hinzu.

Unser Student macht gerade ein zusätzliches Diplom in Rotterdam. Holland ist gut organisiert, aber …, und jetzt kommt das große Aber: Es ist alles technokratisch, die Menschen reden nicht miteinander, sie arbeiten nur, und es fehlt ihm das Gemeinschaftsgefühl, wie er es von Griechenland gewohnt ist. Wie sagte er: „Man bekommt den Eindruck, die Menschen leben dort nicht!“

Dem stimmte der Verkäufer zu, der viel im Nahen Osten tätig ist und zuletzt in Ägypten war. Auf die Frage, wie es dort aussehe, kam nur eine knappe Antwort: „Chaos pur.“

Wir saßen knapp drei Stunden bei einem Kaffee und ständig serviertem, frischem Wasser zusammen und stellten fest, dass es in diesem Land etwas gibt, das dieses Stück Erde so liebenswert macht. Was ist das? Das Resümee war einfach und klar.

Hier fühlt man sich wie in einer großen Familie, und man kennt keine Einsamkeit. Die Gemeinschaft hat absolute Priorität, und das ist eine Form von Lebensqualität, auf die man hier Wert legt.

Bevor wir uns trennten, machten wir noch eine Prognose, sollte es im Herbst zu Wahlen kommen. Alle waren sich einig, dass Tsipras sie gewinnen werde, auch wenn er Fehler begangen habe. Fehler kann man jedoch verzeihen, die Korruption der Vorgängerregierungen nicht!

Na denn, schauen wir mal.

 

Samstag, 01.08.15 / Folge 29

Man wünscht sich zum Ersten immer einen „guten Monat“. Das ist ein altes Ritual.

Sollten die Privatisierungspläne, die sich Brüssel wünscht, wirklich in Kraft treten, dann wird es kein guter Monat. FRAPORT möchte die Flughäfen kaufen, d. h. einmalig 1,2 Milliarden Euro und eine jährliche Entschädigung von knapp 20 Millionen Euro zahlen, und das für eine Dauer von 40 Jahren.

FRAPORT gehört der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen, also dem Staat. Oder sehe ich das falsch? Man verkauft die staatlich lukrativen Flughäfen an einen anderen Staat. Nennt man das Privatisierung? Wohl sicherlich nicht!

Es gibt bereits große Widerstände, auch von Politikern vor Ort, zumal hier die Inseln Mykonos, Zakynthos, Korfu etc. betroffen wären.

Die Flughäfen in Griechenland, die keine Gewinne bringen, dürfen beim Staat bleiben. So kann man auch Geschäfte machen. Das hat natürlich nichts mit Wirtschafts-Ethik zu tun. Hier geht es darum, politischen und wirtschaftlichen Einfluss zu bekommen.

Was wäre korrekter? FRAPORT würde auch die nicht gewinnbringenden Flughäfen übernehmen und Investitionen tätigen. Davon will die Gesellschaft aber nichts wissen und der deutsche Staat auch nicht.

Im Fachjargon nennt man das so: „Wir helfen euch und sind großzügig!“

Persönliche Meinung dazu: „Kein Kommentar“.

 

 

 

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