Karin Chladek
Bild: Karin Chladek
20. Februar 2016  /// Gesellschaft Kultur Reihe Berlinale

Berlinale: Das Recht auf Glück

Das Recht auf Glück. Unter diesem Motto ist die 66. Berlinale gestanden, die heute, am 20. Februar 2016, mit der Verleihung der Bären ihren Höhepunkt und fast schon ihr Ende findet.

Natürlich ist es ein großes Glück, mit einem Bären ausgezeichnet zu werden. Aber klarerweise ist das Motto von Anfang an umfassender gemeint gewesen. Vor allem war das Recht auf Glückssuche angesprochen. Und damit die aktuell äußerst präsente Flüchtlingssituation, in der viele Menschen vor Krieg, aber auch aus wirtschaftlicher Not ihr Heil in der Migration suchen. Ein schwieriges Thema, bei dem es aber immer notwendig ist, Hintergründe zu zeigen und individuelle Geschichten zu erzählen. Beides tut die Berlinale.

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Alltag im permanenten Ausnahmezustand

Insofern wäre es nicht weiter überraschend, wenn der Dokumentarfilm „Fuocoammare“ des italienischen Regisseurs Gianfranco Rosi eine Auszeichnung auf der Berlinale 2016 erhalten würde. Rosi thematisiert den Clash der Kulturen rund um die inzwischen berühmt-berüchtigte italienische Insel Lampedusa. Lampedusa gilt als Metapher für die Fluchtbewegung nach Europa, die Hoffnungen und Nöte, das Schicksal hunderttausender Emigranten. Sie suchen nach Frieden, Freiheit und Glück und werden oft nur noch tot aus dem Wasser geborgen. So sind die Einwohner von Lampedusa tagtäglich Zeugen der größten humanitären Tragödie unserer Zeit.
Gianfranco Rosi nähert sich durch Alltagsbeobachtungen einem ebenso realen wie symbolischen Ort und der Gefühlswelt einiger seiner Bewohner, die einem permanenten Ausnahmezustand ausgesetzt sind.

Zehntausende Flüchtlinge in Berlin

Aber eigentlich ist es egal, ob dieser Film nun ausgezeichnet wird oder nicht: Allein schon die Tatsache, dass er im Rahmen eines renommierten Filmfestivals wie der Berlinale in der ebenso renommierten Sektion Wettbewerb seine Premiere erlebt, ist ein deutliches Zeichen der Kulturschaffenden gegen ein verbreitetes Schwarz-Weiß-Denken von Politik und Teilen der Bevölkerung. Ein Zeichen dafür, dass vermeintlich einfache Lösungen (wenn man im Zusammenhang mit dem steten Zustrom von Flüchtenden nach Europa überhaupt davon sprechen kann) wie eine Abschottung Europas eben keine Lösungen sind. Dabei redet man gerade in Berlin nicht von abstrakten Problemen an weit entfernten Orten – schließlich sind in der deutschen Metropole seit Sommer 2015 mehrere Zehntausend Menschen als Flüchtende angekommen. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil die Zuständigkeit teils bei den Bezirken und teils beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) liegt. Sicher ist, dass in diesem Jahr 40.000 registrierte Flüchtlinge bis Ende Oktober kamen. Wie viele davon noch in der Stadt sind, ist unklar. Hinzu kommen 5.000 nicht registrierte Flüchtlinge. Manche in den Behörden rechnen mit bis zu 90.000 Flüchtlingen bis Jahresende 2015.

Karin Chladek
Spendenboxen wie diese sind fixer Bestandteil der diesjährigen Berlinale.

Zusammenhänge und Hilfe für Traumatisierte

Diese Zahlen sollen nicht lähmen, sondern die Dimension der Situation zeigen. Deutschland, Europa, die westlichen Industrieländer stehen vor der Herausforderung einer Migrationsbewegung, an der der Westen nicht unschuldig ist. Schließlich haben westliche Industrieländer wie Deutschland Jahre lang von erpresserischen Handelsbedingungen, aber auch Waffenexporten profitiert. Waffen, die nun eingesetzt werden und viele Menschen dazu zwingen, ihre Heimatländer zu verlassen. Die Berlinale ruft zu Spenden für traumatisierte Flüchtlinge auf, die an das Behandlungszentrum für Folteropfer e.V. (bzfo) gehen. Die Spendenboxen stehen an prominenter Stelle bei den Berlinale-Kassen in den Potsdamer Platz-Arkaden.

Klar, auch ein so großes Kulturereignis wie die Berlinale kann sozusagen die Welt nicht retten. Was das Festival aber kann, ist Anstöße geben. Der sardische Sternekoch Roberto Petza bietet etwa zusammen mit der Berliner Flüchtlingsinitiative „Über den Tellerrand kochen“ in einem von der Berlinale organisierten Food Truck am Potsdamer Platz Essen aus dem Mittelmeerraum an.

Was dabei herauskommt: Eine Mischung aus italienischen Spezialitäten und eigens von syrischen Köchen kreierten Speisen. Es zeigt sich, dass die Traditionen viel gemeinsam haben und gut kompatibel sind.  Make Food, not War.

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