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30. November 2015  /// Energie Klima Wirtschaft

COP 21: Erwartungen der Österreichischen Zivilgesellschaft

Heute wurde die UN-Klimakonferenz in Paris eröffnet. Am 12. November 2015 fand in einem Wiener Kaffeehaus die Pressekonferenz der „Allianz für Klimagerechtigkeit“ statt. Unter dem Titel „Klimakonferenz Paris 2015 – Meilenstein oder Farce?“ hatte das zivilgesellschaftliche Bündnis eingeladen, um auf wissenschaftliche Hintergrundberichte zum Klimawandel, notwendige Vermeidungs- und Anpassungsmaßnahmen sowie die Erwartungen österreichischer NGOs für die Klimakonferenz (COP21) aufmerksam zu machen. Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb (Universität für Bodenkultur – BOKU) und Klimaexperte Martin Krenn (Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz) sowie Klima- und Energieexperte Johannes Wahlmüller (Global 2000) und Entwicklungsexpertin Jennifer Liang von der indischen NGO „The Ant“ standen dort Rede und Antwort.

Glaubwürdig für Klimaschutz eintreten

Helga Kromp-Kolb erklärte die wissenschaftliche Faktenlage und kam dabei zum Schluss, dass der Klimawandel enorme negative Auswirkungen auf die Gesellschaft in vielen Ländern hat und auch künftigen haben werde, wenn die internationale Staatengemeinschaft nicht sofort gegensteuern würde. Daher sei die Verabschiedung ernstgemeinter Bemühungen zur Klimawandelvermeidung und -anpassung in Paris unabdingbar, so die Klimaexpertin.

Energie- und Klimastrategie Österreichs zur Erreichung der EU-Reduktionsziele bis 2050

Nun liege es an der Politik, möglichst rasch geeignete Maßnahmen zu setzen. Dazu wäre es notwendig, dass Österreich eine Energie- und Klimastrategie zur tatsächlichen Umsetzung der in der EU mitbeschlossenen Reduktionsziele bis zum Jahr 2050 entwickelt, meinte Johannes Wahlmüller. Geht es nach diesen Reduktionszielen sollen Österreich und andere Industriestaaten ihre Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 senken. Mit diesen Zielen soll das 2-Grad-Ziel erreicht werden. Dies könnte unter anderem durch die Reduktion des Energieverbrauchs und mit einem Umstieg auf erneuerbare Energieträger gelingen.

Internationale Klimafinanzierung als Unsicherheitsfaktor

Martin Krenn beschrieb einen der Unsicherheitsfaktoren bei den Klimaverhandlungen in Paris. Aus seiner Sicht sei dies die internationale Klimafinanzierung. Demnach müsse es gelingen, eine adäquate, planbare und rechtzeitige Finanzierung für Klimaschutz und Klimawandelanpassung in Entwicklungs- und Schwellenländern sicherzustellen. Aus diesem Grund erwarte sich die „Allianz für Klimagerechtigkeit“ von der Bundesregierung Österreichs die Sicherstellung der Erstkapitalisierung des UN-Green Climate Fund in Höhe von 100 Mio. Euro sowie jährlich 80 Mio. Euro an zusätzlichen Mitteln für Klimaschutzprogramme in Entwicklungsländern. Erstmalig 2009 in Kopenhagen (COP15) erwähnt, soll dieser UN-Klimafonds bis zum Jahr 2020 jährlich 100 Mrd. US-Dollar bereitstellen, um Projekte zur Vermeidung von Treibhausgasen und Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern zu ermöglichen.

Indien bereits vom Klimawandel betroffen

In ihrer Heimat Indien sind bereits jetzt Auswirkungen des Klimawandels in Form von Überflutungen und Dürreperioden zu spüren. Dies stelle insbesondere die vorwiegend von der Landwirtschaft und Waldnutzung lebende Bevölkerung vor massive existenzielle Probleme, führte Jennifer Liang aus. Sie berichtete von Regionen in Nordost-Indien, wo die Temperaturen in den vergangenen Jahren nachweislich ansteigen, der Monsun-Regen zunehmend unvorhersehbarer auftritt und sich Überflutungen und Dürreperioden häufen. Als eine der vielen Folgen ist die klimabedingte Migration aus Bangladesch zu beobachten. Sie führe bereits jetzt zu ernsthaften sozialen und gewaltsamen Konflikten, beschrieb die NGO-Vertreterin aus Indien.

Völkerrechtliches verbindliches Klimaabkommen

Bereits im September 2015 veröffentlichte die Allianz für Klimagerechtigkeit ihren Forderungskatalog, in der sie ihre Erwartungen an die Rolle Österreichs im Rahmen der Klimakonferenz in Paris formuliert. In insgesamt sieben Themenbereichen, wie etwa „Klimaschutz in Österreich“, „Wald“ und „Technologietransfer“ fordert die Allianz dazu auf, möglichst schnell zu handeln. Demzufolge soll sich Österreich beispielsweise für ein völkerrechtliches verbindliches Klimaabkommen einsetzen, welches die wissenschaftlich begründeten Ziele erfülle und Sanktionsmechanismen beinhalte.

Allianz für Klimagerechtigkeit Österreich

Die Allianz für Klimagerechtigkeit dient als Plattform österreichischer Nichtregierungsorganisationen, die in den Bereichen Umwelt, Entwicklungszusammenarbeit, Soziales und Humanitärer Hilfe aktiv sind. Derzeit besteht das zivilgesellschaftliche Bündnis aus 24 Mitgliedsorganisationen, die sich gemeinsam für mehr Klimaschutz in Österreich und für internationale Klimagerechtigkeit einsetzen. Im Steering Committee (Leitungsgremium) der Allianz sind derzeit folgende Organisationen vertreten: KOO, CARE, Global 2000, SOL, Rotes Kreuz, Klimabündnis, DKA, WWF und IUFE.

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