Endlich in Kopenhagen. Jetzt geht es aufs Schiff.
Bild: youth4planet
8. September 2015  /// Klima Politik Umwelt

Das Earth-Team: Wenn nicht wir, wer dann?

Sie haben Essays geschrieben, Interviews hinter sich gebracht, psychologische Test durchgestanden und sich unter Dutzenden von guten BewerberInnen bis in die Schlussrunde durchgekämpft, und alles nur, um stellvertretend für ihre Altersgenossen dem Klimawandel den Kampf anzusagen: Das Earth-Team. Die fünf junge Männer und Frauen zwischen 16 und 23 Jahren werden sich in den nächsten Wochen in der Arktis selbst ein Bild davon machen, welchen Einfluss der Klimawandel auf unseren Planeten hat.

Sonntag waren sie angereist. Bis zu 26 Stunden Flug lagen hinter Ihnen und zwei sehr aufregende und anstrengende Wochen vor Ihnen. Doch erst einmal ging es ans Kennenlernen. Teambuilding stand auf dem Programm.

Nach zwei Stunden Körperübungen und Kreativtraining unter der liebevollen Anleitung von Irinell Ruf (akademie creartat)  fühlen sie sich alle mit einander entspannt und happy. Nachmittags steht eine Fotosafari in Hamburg auf dem Programm, am Abend ist Zeit für ein gemütliches Essen bei einem Eimsbüttler Griechen. Gestern Morgen noch schnell eine Pressekonferenz hinter sich bringen, packen und ab zum Bahnhof. Gegen 16:00 setzte sich der Zug in Bewegung. In Kopenhagen wartete das Schiff, das sie nun in Richtung Arktis bringt. Endlich beginnt es: Das wohl spannendste Abenteuer ihres Lebens. In den nächsten Jahren wird das Thema Klimawandel für sie von wachsender Bedeutung sein.

Nesha Ichida (20) und Kevin Hendrawan  (23) kommen aus  Jakarta – Indonesien, Thomas King (19) und Kalinda Palmer aus Australien und die Jüngste, Delphine-Marie  (16), kommt aus Hamburg und geht ins Helene-Lange-Gymnasium, eine von der UNESCO „zertifizierte Klimaschule“. So nennen sich Schulen, die im Unterricht einen Schwerpunkt im Bereich Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit haben.

Filmemacher Jörg Altkruse macht seit Anfang der 80er-Jahre aufrüttelnde Filme über Umweltthemen. Der Klimawandel ist ihm inzwischen besonders wichtig. Mit der TV-Serie The Tipping Points hat er schon einmal bewiesen, dass gut gemachte Filme einen wichtigen Beitrag leisten können, um mehr Menschen über den Klimawandel zu informieren. Seinem jüngst geborenen zweiten Enkel schrieb er einen berührenden Begrüßungsbrief – voll Sorge und Hoffnung über die ungewisse Zukunft dieses neuen Erdenbürgers.

 

Über ein Jahr haben er und seine Mannschaft darum gekämpft, damit das Earth-Team gestern seine Mission beginnen konnte. Der ambitionierte Filmer glaubt fest daran, dass er mit das Earth Team einen Beitrag dazu leisten kann, dass mehr junge Menschen aufwachen und verstehen: Es geht um unsere Zukunft!

Wenn nicht wir,  wer dann? Und wenn nicht jetzt, wann dann?

Klimawandel ist ein globales Thema und weil es nur gemeinsam gelöst werden kann, kommen die Earthteam Mitglieder von mehreren Kontinenten. Nesha Ichida, eine großgewachsene und ernsthafte junge Frau aus Jakarta, sorgt sich darüber, dass in Indonesien beispielsweise kaum jemand über den Klimawandel nachdenkt. Ihre Landsleute haben andere Prioritäten: Sie wollen den gleichen Lebensstandard, wie es zum Beispiel in Deutschland normal ist. Nesha studiert Naturwissenschaften an einer englischen Universität –  online – und ist passionierte Taucherin. Ihr Thema ist das Meer. Mit eigenen Augen sieht sie, wie Jahr für Jahr die Korallenriffe, die sie liebt, zugrunde gehen.

Ihr Landsmann Kevin Hendrawan hat es schon bis ins indonesische Fernsehen gebracht. Er ist TV-Moderator und hat Tourismus studiert. Er will seine Generation aufrütteln. Ihm geht es darum einen Weg zu finden, wie er Gleichaltrige erreichen und bewegen kann. Dass man den Klimawandel aufhalten kann, glaubt er nicht. „Aber wir können ihn begrenzen“, sagt er. „Lasst uns einen Weg finden, wie wir das gemeinsam hinbekommen“ ist seine Botschaft an die Jugend der Welt.

Der großgewachsene, strahlende Thomas King aus Australien, ist in seiner Heimat ein sehr bekannter junger Mann in Sachen Umweltaktivitäten. Schon mit 13 Jahren machte er von sich reden und hat seitdem immer wieder viel bewegt. Der „Victoria’s Young Australian of the Year 2015“ arbeitet derzeit als Campaigner für eine Tierschutzorganisation und ist ganz sicher nicht das letzte Mal zu Heldentaten aufgelegt. Der gut aussehende junge Australier hat die Erfahrung gemacht: „Egal wer man ist und wie alt man ist: Jeder hat die Möglichkeiten etwas zu verändern.“ Und man glaubt es ihm sofort.

Delphine-Mare Zacharias wurde von Deutscher Seite ins Earth Team entsandt. Die 16jährige Schülerin des Helene-Lange-Gymnasiums aus Hamburg ist die Jüngste im Team.Obwohl die jüngste im Team, hat Delphine Zacharias keine Probleme ernst genommen zu werden. Die Schülerin gibt zu, dass sie noch ganz genau weiß, wie das alles ist, mit dem Klimawandel. Aber sie weiß, dass es sie angeht. „Wir alle gemeinsam“, sagt sie, „können es stoppen“.

Jetzt geht es erst einmal in die Arktis

Das Earth Team wird auf dem Schiff viel Zeit haben, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Ein Klimaforscher erwartet sie vor Ort, um die wissenschaftliche Sicht auf den Klimawandel mit ihnen zu diskutieren.

Ein Filmteam wird sie begleiten und beobachten und Jörg Altekruse wird daraus einen Film machen, der in Paris während der Klimakonferenz, die dort vom 30. November bis 11. Dezember tagt, im größten Kino gezeigt werden soll.

„Das alles ist aber nur der Anfang“, erläutert das Team um den Filmemacher gestern Morgen im Rahmen seiner Pressekonferenz seine Pläne. „Es geht nicht nur um diese singuläre Aktion. Es geht darum, dass es uns gelingt in den nächsten zwei oder drei Jahren auf vielen Kontinenten die nächste Generation zu erreichen. Der Film ist nur ein Medium und natürlich wäre es gut, wenn diese Aktion auch im Fernsehen zu sehen ist.“  Aber genauso wichtig sei es, den Klimawandel gemeinsam auf der Website www.youth4planet.org und mit Facebook, Twitter und Instagram in die Breite zu tragen. Seine Hoffnung: „Gemeinsam mit dem Earth-Team die Sprache und die Bilder zu erarbeiten, die helfen, die Welt zu verändern, weil alle jungen Leute sie verstehen. Sie und ihre Kinder haben Besseres verdient, als den Klimawandel und die Katastrophen, die damit einhergehen.“

Ein Anliegen, das auch von Dirk Notz,  Leiter der Gruppe Meereis im Erdsystem am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, geteilt wird, der auf der gestrigen Pressekonferenz dem Team seine volle Unterstützung zusagte. Er fürchte sich heute schon vor dem Tag, an dem er in die Arktis zurückkehre und nichts mehr von der Schönheit der Landschaft übrig sei, die ihn so fasziniert.

Christine Ax
Delphine-Marie Zacharias
Christine Ax
Angelika Blütener: Schulleiterin des Helene-Lange-Gymnasiums  in Hamburg-Harvestehude

Eine Englisch- und Geographielehrerin betonte den Wert der Initiative für ihre Arbeit. „Normalerweise sprechen wir als Lehrer zu den Schülern über den Klimawandel – mit Materialien, die von Erwachsenen geschrieben wurden. Jetzt forschen die Jugendlichen selbst und verbreiten die Nachricht vom sich verändernden Klima“.

Angelika Blütener, Schulleiterin des Helene-Lange-Gymnasiums,  bedankte sich bei ihren vielen engagierten Kolleginnen und Kollegen. Youth4Planet sei ein wunderbares Projekt. Blütener: „Wir fühlen uns verpflichtet, dazu beizutragen, dass unsere SchülerInnen die Welt nicht so eindimensional sehen.“ Sie selber mache immer wieder die Erfahrung,  dass SchülerInnen des Helene-Lange-Gymnasiums, die im Rahmen einer bestehenden Schulpartnerschaft in Dar es Salaam (Tansania) waren, ganz verändert wiederkämen.

Einen weiteren aktiven Unterstützer hatte das Earth-Team bereits am Sonntag kennen lernen dürfen. Der TV-Moderator und Wetterexperten Sven Plöger ließ sich via Skype interviewen und versicherte ihnen seine ganze Sympathie und Unterstützung.

N21 hofft vom Earth-Team sehr bald Neues über seine Erlebnisse zu hören und wird das Projekt als Medienpartner auch in Zukunft begleiten.
Weitere Informationen: www.youth4planet.org

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