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Bild: Christine Ax
28. Juni 2015  /// Gesellschaft

Das Geschlecht macht den Unterschied

Karrierechancen und Einkommen sehr ungleich verteilt

Sind das Einkommen und die Karrierechancen von Frauen und Männern gerecht verteilt? Der österreichische Arbeitsmarktservice beantwortet diese Frage mit einem überraschend klaren Nein. Über dreitausend „Paare“ mit vergleichbaren Bildungsvoraussetzungen wurden 15 Jahre von ForscherInnen begleitet, um herauszufinden, welchen Einfluss das Geschlecht auf die Karriere hat. Im Ausgangsjahr 1999 verdienten die Frauen 12%  weniger als ihre männlichen Kollegen. 15 Jahre später hatte sich dieser Minderverdienst bereits verdreifacht (45%)!

Die Studie „Das Geschlecht macht einen Unterschied am Arbeitsmarkt“ belegt: Frauen verdienen nicht nur grundsätzlich deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Dieser Lohnunterschied wächst im Verlauf des Berufsleben dramatisch, vor allem wenn Frauen sich auch um Kinder kümmern, wenn die Karriere im ländlichen Raum beginnt, wenn sie einen Migrationshintergrund haben oder keinen technischen Beruf ergreifen, sondern im Handel, im Büro oder in Dienstleistungsbereichen tätig sind.

Das AMS empfiehlt jungen Frauen deshalb, sich bei der Berufswahl an der Höhe der Entlohnung zu orientieren und die Babypause so kurz wie möglich zu halten bzw. den Wiedereinstieg gut zu planen, und möchte eine entsprechende Beratung anbieten.

Die Studie ist hier zu finden.

Zwischenruf:

Kann das denn wahr sein? Einen Lohnunterschied von fast 50% müssen Frauen in Kauf nehmen, die sich für Kinder entscheiden? Mit entsprechenden Folgen für die Rente? So wünschenswert es ist, dass sich die Wissenschaftler des AMS dieser Frage gewidmet haben, die Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden, sind für uns alle beschämend. Das Leben darf nicht nur aus Arbeit bestehen! Dass Frauen (und Männer) auf Kinder verzichten müssen, um ein gutes Einkommen und eine gute Rente zu erarbeiten, oder ihre Kinder nach der Geburt umgehend fremdversorgen lassen, um gut entlohnt zu werden, kann doch nicht die richtige Antwort sein! Und dass Migrationshintergrund trotz gleicher Bildung zu derart hohen Lohndiskriminierungen führt, ist ein Skandal! Wir brauchen eine Arbeitswelt die niemanden vor die Wahl zwischen Arbeit und Familie, Arbeit und Leben stellt. Das wäre im übrigen auch gut für die Arbeit.

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