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Bild: www.facebook.com/partycipationfestival
11. August 2015  /// Gesellschaft Kultur Leben

Das Partycipation

Verena Stricks

Partycipation nennt sich ein neues, soziales Experiment. Dabei werden in einem gemeinschaftlichen Camp und Festival junge und alte Menschen ermutigt und bestärkt, mit dem, was sie begeistert, zu einer besseren Welt beizutragen. Es geht dabei um getanzte Lebensfreude, bewusstes Genießen und gemeinsames Feiern – ganz im Sinne einer gemeinschaftlich gelebten und gefeierten Nachhaltigkeit.

Unsere Autorin Verena Stricks war dabei und berichtet hier über Ihre Erlebnisse:

Ein paar Stunden nach Sonnenaufgang geht es am Partycipation-Gelände auch schon los: Im Schatten auf der großen Wiese finden sich die FrühaufsteherInnen zum Qui Gong ein, in der Jurte meditieren einige in der Gruppe. Die Freiwilligen bereiten das Frühstück für das ganze Camp zu – Obst aus der Region, verschiedene Müslis, frisches Brot, selbst gemachte Marmeladen und Hummus werden aufgetischt. Nach dem stärkenden Frühstück teilen sich die rund 100 TeilnehmerInnen auf ihre Workshops auf. Ein vierköpfiges Team von UmweltpädagogInnen kümmert sich um die Kleinen, während die Eltern in den Workshops sind: Naturerfahrungen machen, ins Zirkusleben hineinschnuppern, Lager bauen und Spielen sind angesagt. Die Großen färben derweil Stoffe mit aus Rotkraut oder Nüssen selbst hergestellten Naturfarben. Oder aber man läßt sich in “NaturMusik” auf ein intensives Naturerlebnis ein, bei dem Körper, Stimme und Wald als Instrumentarien dienten.

Die Arche Noah bietet einen Einblick in die Samengärtnerei, und in dem Workshop “Wie wir leben wollen” erforschen die TeilnehmerInnen die Potenziale von Gemeinschaft. Was kann sie uns geben, und was braucht es, damit Leben in Gemeinschaft funktionieren kann? Es geht darum, sich den eigenen Visionen von Gemeinschaft bewusst zu werden und das Potenzial einer tragenden Gemeinschaft (hautnah) zu erfahren. Ein Prinzip, das auch dem Partycipation zugrunde liegt und hier eine Woche lang nördlich von Wien gelebt wird.

Zum Mittagessen treffen sich dann alle wieder – es wird biologisch, saisonal, möglichst regional und fairtrade, vegan und vegetarisch gekocht. Im Schatten des Waldes lernen sich die Workshop-TeilnehmerInnen kennen und vernetzen sich. Am Nachmittag ist dann Zeit für allerlei Kreatives: Im Open Space wird von einzelnen TeilnehmerInnen Seifensieden oder Lachyoga angeboten, es werden Projekte und Initiativen vorgestellt oder es wird über Soziokratie diskutiert. Im Mittelpunkt des Abend-Gatherings steht die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls durch gruppendynamische Spiele und gemeinsame Reflexion. Noch einmal gibt es Gutes aus dem Suppentopf, und danach finden sich die meisten am Lagerfeuer ein, wo stundenlange Jam Sessions entstehen, ums Feuer getanzt und Gelerntes und Erfahrenes ausgetauscht wird.

Das Partycipation ist ein Festival für Musik, Kreativität und eine lebenswerte Zukunft.

Auf das fünftägige Workshop-Camp folgt das dreitägige Festival mit Livebands und DJs in der Natur. Vervollständigt wird das Ganze durch eine Gruppe von KünstlerInnen, die hier außerhalb von gesellschaftlich festgeschriebenen KünstlerInnenrollen ihre eigenen neu definieren und dabei das Festivalgelände verschönern. Das Partycipation will jede und jeden ermutigen, selbst tätig zu werden – TeilnehmerIn statt nur BesucherIn zu sein: Es verbindet nachhaltiges Feiern (“Party”) mit kreativer Teilnahme (“Participation”).

Beim Partycipation geht es vor allem aber auch um die Beteiligung an der Schaffung einer “besseren Welt”, in der ökologisch, fair und nachhaltig gehandelt wird. Dafür hat das Partycipation bereits einige Auszeichnungen bekommen, unter anderem für die kreative Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen und die Verbindung von Kunst und Aktionismus.

So stehen als Sanitäranlagen selbst gebaute Humus-Toiletten und erfrischende Outdoor-Duschen mit biologisch abbaubaren Produkten für alle zur Verfügung. Auch bei der Staffelung der Ticket-Preise wird soziale Gerechtigkeit angestrebt, und so zahlt jedeR BesucherIn gemäß seinen oder ihren Möglichkeiten.

Kurzum: Das Partycipation ist ein soziales Experiment. Am Partycipation kommen Junge und Alte zusammen, lernen voneinander, inspirieren sich gegenseitig. Es geht um getanzte Lebensfreude, bewusstes Genießen und gemeinsames Feiern.

Die Atmosphäre am Partycipation ist eine besondere

Sie ist liebevoll und familiär, gemütlich und gleichzeitig produktiv. Dass diese Kombination aus Workshop-Camp und Musikfestival so großen Anklang findet, liegt wohl nicht zuletzt an dem unglaublich engagierten Team dahinter. Das Partycipation-Projekt wird von jungen, in erster Linie ehrenamtlich arbeitenden Menschen getragen, die darauf bedacht sind, ihren eigenen Idealen so gut wie möglich gerecht zu werden, um diese dann der Community vorstellen zu können.

Jeder und jede TeilnehmerIn wird während dieser Woche darin bestärkt, zu einer Welt beizutragen, in der wir leben wollen. Und zwar durch das, was sie oder ihn begeistert.

Weitere Infos unter: www.partycipation.at

Bildquelle von www.facebook.com/partycipationfestival, das Informations-Center und die Chillout Area beinander am Partycipationfestival

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