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12. September 2016  /// Bewegung

Die Utopie möglich machen

Das Wuppertal-Institut arbeitet seit 25 Jahren auch an einer Ökologisierung der Wirtschaft

In Wuppertal, einst Pionierstadt der Industrialisierung in Nordrhein-Westfalen, wird  an der  nächsten Transformation gearbeitet. Zentrale Denkfabrik für eine nachhaltige Wirtschaftsweise ist das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie, das in diesen Tagen sein 25-jähriges Bestehen feiert.

„Making  Utopia possible“, lautet das optimistische Motto des Silberjubiläums. Und rückblickend lässt sich das auch für das Wiegenfest sagen, als 1991 NRW-Ministerpräsident Johannes Rau in seiner Heimatstadt Wuppertal das Zukunftsinstitut errichten ließ und den Ökowissenschaftler Ernst-Ulrich von Weizsäcker mit der Leitung beauftragte. „Viele Ideen, die am Wuppertal Institut in den Anfangsjahren entwickelt wurden und damals visionär erschienen, haben inzwischen Fuß gefasst“, sagt der heutige Institutspräsident, der Wirtschaftswissenschaftler Uwe Schneidewind. „Man denke nur an die Energiewende, die vor Fukushima unerreichbar schien“.

Vor allem beim ökologischen  Blick auf die Ressourcen, mit denen die Unternehmen umgehen, hat das Wuppertal-Institut Maßstäbe gesetzt. Weizsäckers „Faktor 4“, der durch bessere Effizienz doppelten Wohlstand bei halbiertem Naturverbrauch versprach, gilt heute als Öko-Klassiker. Mehr als ein Viertel der gegenwärtigen Forschungsprojekte des Instituts mit 220 Beschäftigten gelten wirtschaftsbezogenen Fragestellungen, berichtet Schneidewind. „Wir zeigen Unternehmen und Wirtschaftsbranchen, wie die Geschäftsmodelle der Zukunft aussehen können und wie sich etwa die energieintensive Industrie umstellen muss, um die Ziele der CO2-Einsparung erfüllen zu können“. Der Horizont reicht vom ganz großen Entwurf, wie der „Dekarbonierungsstrategie“ für Deutschland, das in 2050 ohne fossile Brennstoffe auskommen kann, bis zu Konzepten des Regionalwandels, so dem wirtschaftlichen „Turnaround“ der Braunkohle-Region Lausitz – ein Gutachten im Auftrag der Brandenburger Grünen.

Keine Berührungsangst hat das WI auch vor untypischen Partnern.  So wurde im letzten Jahr für die Hamburger-Kette McDonalds eine Nachhaltigkeits-Analyse der Produkte und Verarbeitungsprozesse erstellt. „Das war für uns ein guter Sparringspartner“, kommentiert Schneidewind. „Wir haben lernen können, wie ein Lebensmittel-Konzern funktioniert“. Und auch die Impulse der Wuppertal-Berater wurden „zum Teil aufgenommen“. Nur der „Bio-Burger“ von McDonalds verkaufte sich nicht so gut und wurde wieder aus dem Programm gestrichen.

Die Beziehung zur rot-grünen Landesregierung in Düsseldorf  sind harmonisch, nach einer Belastungsphase unter der CDU-Regentschaft, als dem WI wegen seiner permanent kohle-kritischen Haltung der Geldhahn des Kohle-Landes NRW zugedreht werden sollte. „Das Wuppertal Institut hat sich mehr den je als deutschlandweit führendes Institut transformativer, auf praktische Umsetzung gerichteter Forschung im Themenbereich „Nachhaltige Entwicklung“ etabliert“, heißt es aus dem Haus von SPD-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze. Zwar sei der Wandel noch nicht so weit vorangeschritten, dass heute „der überwiegende Teil der deutschen Unternehmen nach den Grundsätzen nachhaltigen Wirtschaftens agiert“. Dennoch biete „der wissenschafts- und praxisbezogene Ansatz des WI, das sich in sogenannten Reallaboren wie dem Projekt Bottrop Innovation City auch und gerade mit Unternehmen vernetzt, sehr gute Voraussetzungen, damit Ergebnisse nicht nur in der Wissenschaft stecken bleiben“, ist die Auffassung des Ministeriums. Den Großteil seines Umsatzes in Höhe von 15,5 Millionen Euro (2015) erwirtschaftet das Institut mit externen Forschungsaufträgen, rund zehn Prozent aus der Wirtschaft. Die Grundfinanzierung des Landes NRW liegt bei vier Millionen Euro.

Für die Zukunft  hat sich das Institut vorgenommen, sich mehr dem Thema Mobilität zu widmen. Hier wird ebenfalls eine „Faktor 10“-Lösung angepeilt: Mit neuen Technologien, wie Autonomen Fahrzeugen, sozialen „Sharing“-Modellen der Auto-Nutzung und einem Bürgerticket für den ÖPNV, hält es Schneidewind für möglich, langfristig den Autobesatz in Wuppertal auf ein Zehntel seines heutigen Bestandes zu drücken. Utopisch? In der Stadt der Schwebebahn wäre es nicht die erste Verkehrslösung, die anfangs für unmöglich gehalten wurde.

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