21. Oktober 2015  /// Gesellschaft Leben

Die Welten der Zukunft

Das heutige Datum ist für Filmfans ein ganz besonderes, feiert man doch den „Back to the Future Day“. Christian Hinterberger ist aufgefallen, dass die Zukunft nicht nur in der Filmindustrie Hochkonjunktur hat.

Geschichtlich hat der 21. Oktober einiges zu bieten: 1805 besiegelte die Schlacht von Trafalgar die britische Vorherrschaft zur See und das Ende des britischen Admirals Nelson, 1945 durften in Frankreich erstmals auch Frauen landesweit wählen und 1959 wurde in New York das berühmte „Guggenheim Museum“ eröffnet.

In der Popkultur jedoch verbindet man das heutige Datum mit einem anderen, ganz bestimmten Ereignis. Einem Ereignis, das eigentlich nie stattgefunden hat und trotzdem genau heute, dieses Jahr, stattfindet. Im zweiten Teil des 80er-Jahre-Klassikers „Zurück in die Zukunft“ reist Protagonist Marty McFly 30 Jahre in die Zukunft, „21. Oktober 2015“ steht da am Display der ikonischen Zeitmaschine.

Der Kultfilm von Regisseur Robert Zemeckis (Forrest Gump, Cast Away) hat unter Fans schon seit Beginn des Jahres für Aufregung gesorgt. Eines der vielleicht bekanntesten Gadgets im fiktionalen 2015 ist etwa das „Hoverboard“. Die logische Folge des Skateboards, in einer Welt, die mit fliegenden Autos bereist wird, schwebt wenige Zentimeter über dem Boden und sorgt für mehr als eine unterhaltsame Verfolgungsjagd. Tatsächlich vermeldeten heuer mehrere Unternehmen, Hoverboards entwickelt zu haben. Stellte sich die Meldung als ernst gemeint heraus, wurde aber schnell klar: So alltagstauglich wie im Film sind unsere Hoverboards noch nicht. Schließlich sind die wenigsten Straßen von entsprechend starken Magnetschienen durchzogen. Auch Marken wie Pepsi und Nike, die prominent im Film vorkommen, wollen es sich nicht nehmen lassen, ihre darin vorkommenden „futuristischen“ Produkte noch dieses Jahr auf den Markt zu bringen.

Zurück in die Zukunft statt auf nach Hogwarts

„Zurück in die Zukunft II“ nimmt sich bei seiner Darstellung der Zukunft freilich nicht allzu ernst. Fliegende Autos dürfen da ebensowenig fehlen wie abstrus „futuristisch“ aussehende Klamotten, die man heute höchstens auf Modeschauen findet – nur dort ohne praktische Selbsttrocknungsfunktionalität. Mit einigen ihrer Visionen lagen die Filmemacher aber gar nicht schlecht. Große Plasmabildschirme, Videotelefonie und mit Kameras bestückte Drohnen werden im Film gezeigt. In Energiefragen ist man schon weiter, die Leistung eines Atomreaktors kann der „Mr. Fusion Home Energy Reactor“ aus Abfällen produzieren. Die Erfindung des Internets hingegen hat im fiktionalen 2015 nicht stattgefunden. Stattdessen werden Nachrichten auf im ganzen Haus verteilten Faxgeräten ausgedruckt. Zeitungen mit bewegten Bildern, gedruckt auf staubabweisendem Papier, haben sich in echt nie gegen multimediale Touchscreens oder ganz gewöhnliches Papier durchgesetzt.

Trotzdem: Zukunft fasziniert, und das wieder zunehmend, wie es scheint. Waren die Blockbuster Anfang des Millenniums geprägt von den fantasievollen Welten J. R. R. Tolkiens und J. K. Rowlings, wendet man sich in den letzen Jahren wieder der Zukunft zu. Ob klassische „Weltraumfilme“ wie Interstellar, Gravity oder aktuell The Martian, die technologisch fortgeschrittenere Welt der Marvel-Superhelden oder gar die dystopische Zukunftsallegorie The Hunger Games, der Zukunft zugewandte Geschichten erobern wieder das Blockbusterkino. In der Tradition älterer Filme wie Blade Runner werden dabei durchaus auch menschengemachte Probleme thematisiert, statt nur mit der Zukunftsidee bzw. dem Setting zu spielen.

Keine Zukunft ohne Nachhaltigkeit

Die Kunst ist freilich nicht der einzige Ideengeber, wie unsere Zukunft aussehen könnte – oder gar sollte. Vergleichbar damit, kennt man auch in der Wissenschaft dys- und utopischere Zukunftsvisionen. Naheliegendste Beispiele sind neue Technologien, handfeste Produkte oder Gerätschaften, die unser Leben in der Zukunft beeinflussen oder verändern. Dem selbstfahrenden Auto wird hier derzeit noch gegenüber dem fliegenden Modell der Vorzug gegeben. Im öffentlichen Verkehr fährt man teilweise, wie in Kopenhagen, freilich jetzt schon autonom. Gleichzeitig warnen bekannte Wissenschaftler wie Stephen Hawking aber auch vor der Gefahr, die von künstlicher Intelligenz ausgehen kann.

Doch abseits von konsumorientierter Zukunftsmusik ist man natürlich auch im Bereich Nachhaltigkeit harmonischeren Tönen auf der Spur, beschäftigt man sich doch mit Fragen, die vom Prinzip her die Zukunft betreffen. Wie soll oder wird unsere Welt in den nächsten Jahrzehnten aussehen? Was muss passieren, JETZT passieren, damit  in Zukunft Armut, Klimawandel, Hunger bekämpft und sozialer Zusammenhalt, Entwicklung und Frieden gestärkt werden?

Zukunftsszenarien im Dutzend billiger

An Ideen mangelt es nicht, von der Plastiksackerl-freien Welt aufwärts. Die dieses Jahr verabschiedeten SDGs sind da nur die Spitze des Eisbergs. Die EU beschäftigt sich einerseits in „klassischen“ Policy Papers damit, welche nachhaltigen Strategien im Hinblick auf den Zeithorizont 2020 effektiv erscheinen. Im EU-Projekt POLFREE entwickeln WissenschaftlerInnen aus vier Ländern andererseits Szenarien für die Politik: Wie kann der Ressourcenverbrauch eines durchschnittlichen Europäers bis 2015 auf ein Fünftel reduziert werden? Von globalen Abkommen, über Ressourcensteuern statt Einkommensteuern, bis zu Anreizen für das Verhalten eines jeden einzelnen ist da alles dabei, was in der Umweltökonomie seit Jahren diskutiert wird.

Der Brite Jonathon Poritt wiederum beschreibt in seinem Buch The World We Made illustrativ und optimistisch, wie eine umfassendere Transformation gelingen kann – aus der Perspektive einer Welt im Jahr 2050, in der die Menschheit zwar noch weitere Krisen meistern musste, „inzwischen“ aber bereits 90% der Energie erneuerbar ist.

Auch die WissenschaftlerInnen der Great Transition Initiative sehen eine nachhaltige Zukunft nur in Verbindung mit einem grundlegenden Paradigmenwechsel und stark transformativen Szenarien. Eine planetare, sozial gleichere Zivilisation soll die stark individualistische und konsumorientierte Gesellschaft ablösen. Und mit 2052. Der neue Bericht an den Club of Rome knüpft Jørgen Anders wiederum an die bekannten „Grenzen des Wachstums“ an und versucht eine vergleichsweise objektive Prognose für die nächsten 40 Jahre abzugeben. Die Liste ist lang und divers.

Zukunft fängt heute an

Weder die erwähnten WissenschaftlerInnen noch Filmschaffende werden sich wohl anmaßen, ihre Ideen und Vorstellungen als die einzig wahren anzusehen. Man ist sich bewusst, dass Lösungsfindung auch mit dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ einhergeht. Denkanstöße, ob mehr oder weniger konkret, haben trotzdem noch nie geschadet.

Fazit ist doch: Es könnte gehen. Wir haben ’s in der Hand. Es müsste nur gemacht werden. Nein, WIR können und müssen es machen. Szenarien sind eben keine Prophezeiungen sondern Wenn-dann-Aussagen. Und am Ende holt einen die Zukunft doch schneller ein als man denkt. Schließlich ist schon morgen auch eine der ikonischsten „Zukunftsvisionen“ zur Gänze ein Ding der Vergangenheit.

Links:

Wir freuen uns über Ihren Kommentar

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.