Walter Mathes
Bild: Walter Mathes
29. Oktober 2015  /// Leben Wölfin

Die Wölfin – Fleischlos glücklich

Nie hätte ich mir gedacht, dass ich auf Fleisch verzichten könnte. Ich habe es mein Leben lang gegessen, in allen Varianten: Schnitzel, Würstel, Burger, Koteletts. Ich rechtfertigte das vor mir selbst gerne damit, dass wir Menschen nun mal Fleischesser seien und dass schon unsere Vorfahren auf die Jagd gegangen seien, um überleben zu können. Und ich glaubte, den Winter ohne Fleisch nicht überstehen zu können – es schien mir Wärme und Energie zu geben.

Dann begann ich, im Zuge der Arbeit an meinem Buch „Nachhaltig leben“, mich näher mit dem übermäßigen Fleischkonsum in unserer Gesellschaft und seinen Auswirkungen zu beschäftigen. Und kam zu dem Schluss: Wir sind schon lange keine Jäger mehr und von Natur aus auch keine Fleischesser. Wir „produzieren“ Fleisch als Massenware und fügen den Tieren, die wir essen, unvorstellbares Leid zu. Unser maßloser Fleischkonsum beschleunigt den Klimawandel: 70 Prozent der weltweit gerodeten Regenwaldflächen werden für Weiden und die Produktion von Nutztierfutter eingesetzt. Das bekommen wiederum Bauern in Entwicklungsländern zu spüren, denen zu wenig Boden für die eigene Nahrungserzeugung bleibt.

Mein Appetit auf Fleisch ließ nach, doch noch schaffte ich es nicht, ganz darauf zu verzichten. Ich wurde zur „Flexitarierin“, aß nur noch einige Male pro Woche Fleisch und Wurst, wenn möglich in Bio-Qualität. Bis zu dem Tag, als ich selbst meiner bisherigen Lieblingsspeise entsagte: dem Wurstsalat. Ich hatte für mich und meine Familie eine Schüssel davon zubereitet, doch als ich mir eine Portion nahm, ließ ich instinktiv die Wurststückchen weg – und aß den Rest. Seither ist der Appetit auf Fleisch und Wurst endgültig verschwunden, und der nächste Schritt wird sein, auch noch Fisch von meinem Speisezettel zu streichen. Mittlerweile reicht mir die Vorstellung, lebendige Wesen zu verzehren, um mich in meinem Vorhaben zu bestärken – dadurch fallen für mich auch artgerecht gehaltene Tiere weg. Und andere Lebensmittel, die mich wärmend durch den Winter bringen, habe ich längst gefunden.

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