Walter Mathes
Bild: Walter Mathes
23. August 2015  /// Gesellschaft Leben Wölfin

Die Wölfin – Keine Angst

Eigentlich sollte dies eine spritzige Kolumne darüber werden, wie ich meine hehren Ideale im Alltag umsetze. Über meinen Wunsch nach einem nachhaltigen, bewussten Leben und darüber, wie er sich mit zwei Kindern, zwei Katzen und einer unbändigen Reiselust vereinbaren lässt.

Doch dann kam mir die Flüchtlingsdebatte dazwischen, die seit Monaten die Medien und meine Gedanken beherrscht. Die mit den Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer begann und mit dem Notstand im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Mein Bedürfnis, Kontakt mit den Menschen hinter den Schlagzeilen aufzunehmen, führte mich in magdas Hotel am Wiener Prater, ein Social Business der Caritas. Das Hotel bietet nicht nur 20 anerkannten Flüchtlingen einen Arbeitsplatz, sondern auch eine Wohngemeinschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Dort lebt Ahmed, der mit vierzehn Jahren alleine aus seiner Heimat Afghanistan flüchtete und Eltern und Geschwister zurückließ. Nach einer dreimonatigen Odyssee landete er in Wien und fand schließlich in der Wohngemeinschaft der Caritas ein Zuhause.

Heute ist Ahmed siebzehn und besucht ein Wiener Gymnasium. Er spielt in einem Volleyballverein, liest gerne oder trifft sich mit Freunden. Nach der Schule würde er gerne Politikwissenschaften studieren oder eine Ausbildung zum Sozialarbeiter machen. Klingt nach einem durchschnittlichen Jugendlichen? Die Geschichte hat leider einen Haken: Ahmed weiß nach drei Jahren in unserem Land immer noch nicht, ob er hier bleiben darf. Vor über zwei Jahren wurde er am Asylamt befragt, auf den Bescheid wartet er bis heute. Ahmed ist von einer Ernsthaftigkeit, die mich zutiefst berührt hat, die Ungewissheit seine Zukunft betreffend macht ihm ganz offensichtlich zu schaffen.

Seine Geschichte ist nur eine von vielen über Menschen, dir vor Krieg, Verfolgung und Armut flüchten und sich im wohlhabenden Europa ein besseres Leben erhoffen. Die Ankunft wird ihnen nicht immer leicht gemacht, aber die Welle an Sympathie und Hilfsbereitschaft, die diesen Menschen entgegenschlägt, wird größer. Auch Ahmed hat viel Hilfsbereitschaft erlebt und empfindet die meisten Österreicher als nett und zuvorkommend. Alle anderen bittet er, nicht so viel Angst vor Flüchtlingen zu haben. „Niemand flüchtet freiwillig aus seiner Heimat.“

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