15. Mai 2017  /// Bewegung Kultur

Die Zukunft ist besser als ihr Ruf

In den 00er-Jahren waren in bestimmten Kreisen Dokumentarfilme en vogue, die uns zeigten, wie schlecht die Welt ist: Darwin’s Nightmare zum Beispiel, der es sogar bis zur Oscarnominierung brachte, WE FEED THE  WORLD oder Unser täglich Brot, um nur die zu nennen, die mir grade einfallen. Obwohl die Welt seit damals kaum besser geworden ist und die öffentliche Wahrnehmung, unterstützt durch einschlägige Medien, also fast alle Medien, diese Schlechtigkeit weiter kultiviert, tauchen in letzter Zeit  – endlich – Filme auf, die zeigen, wo auch das Positive wächst, die Alternativen aufzeigen, die offenbar möglich sind.

Tomorrow fällt einem da sofort ein, Alphabet oder auch Das Leben ist keine Generalprobe über Heini Staudingers Waldviertler Schuhwerkstatt.

Das tut der krisengeschundenen Seele gut! Aber kann ein Film funktionieren, in dem im wesentlichen sechs ProtagonistInnen des Wandels von vier RegisseurInnen porträtiert werden, die sie und ihre Arbeit zeigen – vor allem in ausführlichen Interviews, aber auch bewegten und bewegenden Bildern von ihrer Arbeit. Noch dazu ProtagonistInnen, die nicht einmal in Österreich weltbekannt sind. Um es gleich zu sagen: er kann! Und zwar gerade deshalb.

Es geht auch anders,…

Der Film Die Zukunft ist besser als ihr Ruf von Teresa Distelberger und ihren drei KoregisseurInnen zeigt (mir), was die sechs können, können andere auch. „Ich will Filme machen, die Mut machen. Es gibt viele Menschen, die jetzt schon leben, was auch noch möglich ist. Ihre stille Überzeugung inspiriert mich.”, sagt Teresa Distelberger

Nur am Anfang wird „die Krise“ thematisiert – gewissermaßen als Hintergrund für das, was folgt. Nämlich, dass es geht. Anders geht. Krise sei, sagt etwa Rita Trattnigg, Expertin für partizipative Demokratie, „wo das alte nicht mehr passt und das neue ist noch nicht in Form gegossen“. Alle sechs arbeiten in ganz unterschiedlicher Weise an diesem Neuen. Distelbergers Film lässt uns daran teilhaben und Hoffnung schöpfen.

…ganz gleich wo

Da ist etwa Andrea Roschek, die nach einem persönlichen Schicksalsschlag die „Pannonische Tafel“ gegründet hat, die nicht nur Lebensmittel verteilt, sondern zu einem  „Wohnzimmer“ für Armutsbetroffene und Asylwerber geworden ist – mit kostenlosem Mittagessen, Vermittlung von Schlafplätzen, Begleitung bei Behördengängen und oft einfach einem offenen Ohr.

Oder Anna Heringer, die dem globalen Betonbau, dem jetzt schon Energie und Sand auszugehen drohen, ein radikal anderes Modell entgegen setzt: Bauen mit Lehm – internationale Vorzeigeprojekte von Österreich bis Bangladesch.

Szene aus "Die Zukunft ist besser als ihr Ruf" (Foto: www.diezukunftistbesseralsihrruf.at)

Oder Andreas Renoldner, Schriftsteller und Heimhelfer, der, nachdem er sein Auto verkauft hat (weil es ihn „genervt” hat),  mit 600€ ans Nordkapp und wieder zurück gefahren ist – mit dem Rad. Sein Ausflug mit einer betagten Dame ins Kaffeehaus ist einer der berührendsten Momente. „Wozu hab ich Dich denn?”, sagt sie zu ihm. Schön, wenn es solche Menschen, wie Andreas Renoldner „zu haben gibt” – mögen es viele mehr werden.

„Niemand kann sagen, wie sich die Zukunft entwickeln wird, das heißt die Zukunft ist offen, wir müssen’s machen!“, sagt der Ökonom und Kulturhistoriker Walter Ötsch gegen Ende des Films.

Schau’n Sie sich das an! Zum Beispiel am Dienstag, 16.5. im Wiener Gartenbaukino mit dem wunderbaren Bläserensemble Federspiel, die dem Film einen wunderbaren Soundtrack verpasst haben, live vor und nach der Vorstellung.  Neben Aufführungen im normalen Kinoprogramm sind auch Schulvorführungen mit ermutigenden Dialogmöglichkeiten geplant.

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