26. April 2016  /// Schwerpunkt Ernährung

Ernährung global – und ihr Beitrag zum Erhalt unserer natürlichen Ressourcen

Der Nexus-Ansatz in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit

Europaweit versuchen staatliche Agenturen wie NGOs, die im Bereich Entwicklungszusammenarbeit tätig sind, in ihren Partnerländern einen Beitrag zu verbesserter Ernährungssicherheit, gerechteren Produktionsbedingungen und einem gleichberechtigten Zugang zu Lebensmitteln für Frauen und Kinder zu leisten. Oft mussten sie in der Vergangenheit erkennen, dass Interventionen im Bereich Ernährung negative Auswirkungen auf die Energie- oder die Wasserversorgung ihrer Zielgruppen hatten. Der Nexus-Gedanke schärft das Bewusstsein für die Wechselwirkungen verschiedener Themen und Sektoren, schafft Synergien und bildet nicht zuletzt eine Grundlage für ressourcenschonendes Handeln ohne Zielkonflikte.

Der Druck auf die natürlichen Ressourcen unseres Planeten nimmt zu. Befasst man sich mit Fragen der globalen Ernährungssicherheit, sind insbesondere der Erhalt und Schutz von Böden und Wasservorräten von vorrangiger Bedeutung. Diese werden bereits heute oft über Gebühr beansprucht, und dies könnte sich mit einer steigenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln in Zukunft noch weiter verschärfen. Änderungen in der Landnutzung, etwa durch die Ausbreitung von Agrarflächen, tragen oft zu Artenvielfaltsverlusten bei und beeinträchtigen die Fähigkeit der Böden, Kohlenstoff zu speichern.

Das Thema der Ressourcennutzung ist komplex, und von vielfältigen Zusammenhängen gekennzeichnet. Der Anbau von Nahrungsmitteln erfordert – wie auch die Produktion von Gütern oder Energie – Land, Wasser und Düngemittel, landwirtschaftliche Landmaschinen benötigen Treibstoff und produzieren Emissionen. Infolge eines erhöhten Verbrauchs wird auch der Wettbewerb um diese Ressourcen zunehmen. Weiter erschwert wird der Zugang durch ihre ungleiche Verfügbarkeit innerhalb wie zwischen Ländern und Regionen. Verknappungen sowohl von nicht-erneuerbaren, aber auch erneuerbaren Ressourcen könnten in den nächsten Jahren weiter deutlich zunehmen – wenn es uns nicht gelingt, rechtzeitig und effektiv gegenzusteuern. Denn die Auswirkungen sind bereits jetzt auf allen Ebenen zu spüren, und  könnten die Beziehung zwischen den einzelnen Ländern und auf globaler Ebene weiter belasten.

Ressourcennutzung ist auch eine Frage der globalen Gerechtigkeit

Der globale Ressourcenkonsum steigt stetig, und er ist bekanntermaßen höchst ungleich verteilt. Weltweit wird vielen Menschen die Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse versagt, während der hohe Lebensstandard in westlichen Industrieländern sowie den globalen Oberschichten in der Regel auf einem überdurchschnittlichen Ressourcenverbrauch basiert. Europa nimmt in vielen Bereichen des Umweltschutzes eine Vorreiterrolle ein. Ermöglicht wird dies oftmals durch eine Verlagerung des Rohstoffabbaus, der Verarbeitung und folglich ihrer negativen Folgen in andere Teile der Erde. Im Jahr 2007 waren rund 40 Prozent des europäischen Landfußabdrucks in anderen, außereuropäischen Ländern verortet. Das bedeutet, dass Nutzung des Landes in diesen Ländern der Befriedigung der Konsumbedürfnisse europäischer BürgerInnen dient, und nicht der lokalen Bevölkerung zu Gute kommt. Nicht zuletzt ist der Zugang zu Ressourcen auch eine Frage der Macht – die ärmere Bevölkerungsgruppen meist nicht haben.

Angesichts dieser vielschichtigen Beschränkungen ist es gut und wichtig, dass die AkteurInnen der internationalen Kooperation damit beginnen, Konzepte zu entwickeln, die sich diesen Herausforderungen annehmen, und die Schonung und langfristige Erhaltung unserer natürlichen Ressourcen ins Zentrum stellen. Der europaweit bereits seit längerem diskutierte Nexus-Ansatz stellt ein solches Konzept dar. Auch wenn seine praktische Umsetzung in der täglichen Praxis der Entwicklungszusammenarbeit (EZA), die über die letzten Jahre hinweg weitestgehend sektoral organisiert war, d.h. sich jeweils auf einzelne Themen wie entweder Energie- oder Wasserversorgung konzentrierte, noch eine Herausforderung darstellt.

Mit dem Wasser-Energie-Ernährungs-Nexus zu einer nachhaltigen EZA-Praxis

Der Nexus-Ansatz stellt die Frage in den Mittelpunkt, wie Ernährung, Wasser und Energie gemeinsam verwaltet und genutzt werden können, um Armutsminderung auch langfristig zu ermöglichen. Er bezieht sich dadurch auch unmittelbar auf die vergangenen Herbst verabschiedeten Globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) im Rahmen der 2030 Agenda für Nachhaltige Entwicklung. Eine wichtige Grundlage legte der schwedische Nachhaltigkeitsforscher Holger Hoff vom Stockholm Environmental Institute (SEI), der 2011 ein erstes Nexus-Konzept öffentlich präsentierte, das seither von vielen ForscherInnen und EZA-AkteurInnen, insbesondere auf europäischer Ebene sowie in den EU-Mitgliedsstaaten aufgegriffen, erweitert und an ihre spezifischen Erfordernisse angepasst wurde.

Ernährungssicherheit bildet stets einen zentralen Aspekt des Nexus-Ansatzes. Die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO definierte vier Dimensionen der Ernährungssicherung: 1. ausreichende Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln, 2. gesicherter Zugang zu Nahrungsmitteln, 3. eine angemessene und bedarfsgerechte Verwendung der Nahrung sowie 4. eine langfristige Stabilität in der Versorgung. Neben Armut können gewaltsame Konflikte, aber auch fehlende Investitionen in die Landwirtschaft, Wassermangel aber auch fehlender Zugang zu Energie die Ernährungssicherheit der Bevölkerung eines Landes oder einzelner Gruppen beinträchtigen. Global fließen etwa rund 30 Prozent des Stromverbrauchs in die Produktion und Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln.

In seiner praktischen Umsetzung führt das Nexus-Denken zu einer Förderung kleinbäuerlicher Landwirtschaft und nachhaltiger Anbaumethoden und unterstreicht die Zusammenhänge zwischen nachhaltiger ökologischer Entwicklung und sozialer Sicherheit wie auch Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern sowie die Erfordernis langfristiger Strategien. Und nicht zuletzt erlaubt diese Art des ganzheitlichen Denkens und Wirkens eine Anbindung an lokales Wissen und Vor-Ort-Nachhaltigkeitspraktiken, die auf niederschwelliger Ebene oft bereits vorhanden sind und durch Kooperationsprojekte, die vom Nexus-Gedanken geleitet sind, gezielt gestärkt werden können.

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