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Andrea Johanides, Geschäftsführerin WWF Österreich, Friederike Klein, Referentin für Nachhaltige Ernährung WWF Österreich,  Liesbeth de Schutter, Institute of Ecological Economics WU Wien
Bild: © by WWF / Walther Gastinger: Andrea Johanides, Geschäftsführerin WWF Österreich, Friederike Klein, Referentin für Nachhaltige Ernährung WWF Österreich, Liesbeth de Schutter, Institute of Ecological Economics WU Wien
28. Oktober 2015  /// Gesellschaft Klima Wirtschaft

Fünf Schritte in die richtige Richtung

Ein neue wissenschaftliche Studie, erstellt vom WWF Österreich gemeinsam mit dem Institute of Ecological Economics der WU Wien, nimmt die Ernährungsgewohnheiten von Herr und Frau Österreicher genau unter die Lupe.

Denn Ernährung hat nicht nur Einfluss auf unsere Gesundheit, sondern auch auf unser Klima. Sie ist für rund ein Viertel unseres ökologischen Fußabdruckes in Österreich verantwortlich.

„Wir essen unseren Planeten regelrecht leer. Mit unserer ungesunden Ernährung verursachen wir besonders viele Treibhausgase und beanspruchen enorme Flächen im In- und Ausland. Und dabei landet in Österreich etwa ein Drittel der Lebensmittel wieder im Müll“, mahnt Andrea Johanides, Geschäftsführerin des WWF Österreich.

Mit über 100 kg Fleischverbrauch pro Kopf halten Österreicher in der EU den Rekord

Aber auch bei anderem Ungesunden wird ordentlich zugegriffen: 29 % mehr Fleischprodukte, 80 % mehr tierische Fette, 27 % mehr Zucker und 43 % mehr Alkohol als der Durchschnitts-EU Bürger verbrauchen wir Österreicher und Österreicherinnen. Aktuell sind rund 40 % aller Erwachsenen hierzulande übergewichtig.

„Unser Lebensmittelkonsum steigt seit den 1960er Jahren stetig an. Dabei ist zu beobachten, dass vor allem Fleisch- und Milchprodukte enorm populär sind, während Gemüse, Obst und Getreide relativ konstant bleiben“, meint dazu Friederike Klein, Referentin für Nachhaltige Ernährung beim WWF Österreich.

Das macht sich im Klimafußabdruck bemerkbar

23 % unseres Konsumvolumens generieren 67 % der Treibhausgase. Mit den durch Ernährung entstehenden 2.500 CO2-Äquivalenten pro Person pro Jahr könnte man auch einmal mit dem Auto von Wien nach Peking und wieder retour fahren. Rechnet man die indirekten Emissionen mit ein, könnte man zusätzlich noch eine Spritztour bis nach Istanbul und zurück einlegen.

Wie müsste sich die aktuelle Zusammensetzung der Ernährung verändern, damit sie den Empfehlungen des Bundesministeriums für Gesundheit entspricht? Das wurde im theoretischen Versuch „Szenario Gesunde Ernährung“ untersucht. Liesbeth de Schutter, Mitarbeiterin des Institutes of Ecological Economics der WU Wien, meint dazu: „Wir mussten feststellen, dass wir aktuell sehr weit von einer als gesund und klimafreundlich definierten Ernährung entfernt sind. Fleisch müssten wir um 70 % und Milchprodukte um 20 % reduzieren, Gemüse um 36 %, Getreide um 62 % und Hülsenfrüchte um ganze 707 % (das entspricht einem Kilo mehr pro Kopf und Jahr) erhöhen.“

Fünf erste Schritte in die richtige Richtung

Schon kleine Änderungen in unserem Ernährungsverhalten können große Wirkung haben. Der WWF empfiehlt:
1. Lebensmittel gehören nicht in den Müll. Wer seine Einkäufe plant und sie gut lagert, verringert die Lebensmittelverschwendung.
2. Saisonal und regional kaufen. Denn das spart Treibhausgase aufgrund kürzerer Transportwege.
3. Gemüse in Massen, Fleisch in Maßen. Das ist gesund und tut der Umwelt gut.
4. Bitte Bio, denn biologische Landwirtschaft ist ressourcenschonender und umweltverträglicher als konventionelle.
5. Die „Last Mile“ beachten, denn am Transportweg vom Einkaufs- zum Wohnort entstehen viele zusätzliche Treibhausgase, wenn das Auto benutzt wird.

Auch Unternehmen und Politik sind gefordert. Unternehmen können durch die Reduktion von Lebensmittelverschwendung, durch nachhaltige Beschaffung und Angebote sowie durch Konsumenteninformation zum Thema Nachhaltige Ernährung sehr viel tun.

Die Politik wiederum ist gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, und durch langfristige Strategien, Stärkung der Förderprogramme für Bio-Landwirtschaft und Information sowie Vorbildwirkung ein europaweites Beispiel zu setzen.

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