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1. Oktober 2015  /// Bewegung Gesellschaft Leben

Alternatiba: Gemeinsam für das gute Leben

Die „Alternatiba“ zeigt am Samstag, dem 03. Oktober, wie eine ökologisch und sozial faire Zukunft aussehen kann. Über 40 Initiativen präsentieren sich und ihre Konzepte einen Tag lang auf dem Karlsplatz –  ergänzt von Live-Musik, Workshops und kulinarischen Schmankerln. Christian Hinterberger hat sich im Vorfeld mit dem Team hinter der Veranstaltung getroffen.

Das letzte organisatorische Treffen zur Alternatiba findet im UniKaffee der alten WU statt. In kleiner Runde werden noch letzte Details geklärt und VertreterInnen von Initiativen informiert. Man duzt sich. Als Laie wird einem schnell bewusst, wie viel Kleinarbeit allein noch in den letzten Tagen in so ein Event fließt. Schilder für die Feuerlöscher und Ausgänge müssen noch angebracht, Transparente und andere Deko noch gebastelt werden. Selbst die Bäume im Festbereich sollen am Samstag noch kontrolliert werden, verdächtig windschiefe Äste müssen sofort gemeldet werden. Trotzdem wirken die jungen OrganisatorInnen der Veranstaltung zufrieden und zuversichtlich, dass ihr „Dorf der Alternativen“ diesen Samstag gut über die Bühne geht.

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Bild: alternatiba.at

„Das erste Mal habe ich bei der Attac Sommerakademie im letzen Jahr von Alternatiba erfahren“, erzählt Timna Sandbichler, Alternatibaam ehesten die leitende Organisatorin der Veranstaltung. Die 25-jährige studiert Agrarwissenschaften an der BOKU Wien. Das erste „Straßenfest der Alternativen“ fand 2013 im französischen Bayonne statt und lockte auf Anhieb 12.000 BesucherInnen an.

„Gemeinsam mit zwei Bekannten war ich sofort von der Idee begeistert, und seit Herbst letzten Jahres haben wir uns dann immer wieder getroffen, um so etwas auch für Wien zu planen.“

Die Frage, die der ersten Alternatiba zugrunde lag, war: Was können wir alle gemeinsam und jeder Einzelne ganz konkret heute schon tun, um den Klimawandel zu begrenzen?  Und das auf den unterschiedlichsten Ebenen. Gerade jetzt, zwei Monate vor der UN-Klimakonferenz COP 21 in Paris, eine wichtige Frage. Tatsächlich ist die „ Wiener Alternatiba“ thematisch sehr breit aufgestellt. Der Bogen spannt sich von Wirtschaft, Wissenschaft und Technik über Naturschutz, Landwirtschaft und Ernährung bis hin zu sozialen Themen und gemeinschaftlichen Lebensformen. Vom Ursprungsland Frankreich aus hat sich inzwischen eine richtiggehende Alternatiba-Bewegung gebildet. Im Sommer fand dort sogar eine  „Tour Alternatiba“ statt. In 187 Städten wurde für Wege in eine gerechtere, solidarischere und nachhaltigere Gesellschaft geworben.

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Ich kann mir die Frage nach dem Termin nicht verkneifen, schließlich finden in Wien am selben Tag zwei große
Solidaritätsveranstaltungen für Flüchtlinge statt. „Als sich nach der Demo dann auch das große Konzert am Heldenplatz abgezeichnet hat, war bei uns im Team so ein bisschen Weltuntergangsstimmung“, schmunzelt  Timna. Zwei Wochen vor dem lange geplanten Termin wurde deshalb wild herum überlegt. Inzwischen sieht man das alles entspannter. Verschieben, das wurde schnell klar, war keine Option. Das Wetter ist bei einer Outdoor-Veranstaltung sowieso ein Risiko, und die über 40 Initiativen für einen neuen Termin zu koordinieren, ist nicht gerade einfach.

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Insgesamt werden diesen Samstag wohl mehr politisch interessierte Menschen unterwegs sein als an normalen Samstagen, davon ist man überzeugt. Mit den Flüchtlingen solidarisch zeigt man sich sowieso. Man habe aber ohnehin auch immer auf „Laufkundschaft“ gesetzt, wolle Menschen konfrontieren, die sonst nicht auf „Green Events“ gehen, sondern eher zufällig Interesse an einem Straßenfest finden.

Die Organisation einer Veranstaltung dieser Größenordnung ist für alle Mitglieder des rund zehnköpfigen Teams etwas Neues. Ausnahme ist DSC03007[1]vielleicht Elias, der hier vor allem für alles Organisatorische rund um die Live-
Musik zuständig ist. „Nur, bei mir ging es bis jetzt immer nur darum: Wo bekommt man genug zu trinken her? Welche Bands kann man gewinnen, und wie bekommt man die Musik dann zum Laufen?“ Ein Event außerhalb der Uni, in so einer Größenordnung, ist damit auch für den Student der Kultur- und Sozialanthropologie eine völlig neue Herausforderung.

Er und Julia kennen Timna schon „von zu Hause“, aus Tirol. „Ich freue mich am Meisten darauf, die Menschen hinter den Initiativen persönlich kennenzulernen, mit denen wir seit Wochen per Mail in Kontakt sind“, sagt Julia, die wie Timna Agrarwissenschaften studiert. „Wir können es alle noch DSC03006[1]gar nicht glauben, dass das jetzt am Samstag tatsächlich über die Bühne geht.“

Und was kommt danach? Die Planung des nächsten Jahres? „Ich glaube, wir müssen uns vor allem erst mal erholen!“

Freitagabend, 2. Oktober, findet eine Auftaktveranstaltung unter dem Titel „Alle reden über den Systemwandel. Doch warum geht so gar nix weiter?“ statt. Ab 17:00 Uhr diskutieren dazu Experten im Hörsaal 2 des Neuen Universitätsgebäudes der Uni Wien. Der Abend soll in einem ersten Get-together ausklingen. Das „Dorf der Alternativen“ am Karlsplatz ist am nächsten Morgen, Samstag 3. Oktober, dann von 11:00 bis 22:00 Uhr geöffnet. N21 wird auf der Alternatiba in der „Kuppel des Vereins für Zivilgesellschaft“ vertreten sein.

Mehr unter http://alternatiba.at/

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