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17. Februar 2016  /// Schwerpunkt Gemeinwohl

Gemeinwohl-Fest 2016 – Eine Rückschau

Beim Gemeinwohl-Fest feierten vergangenen Samstag Gemeinwohl-Ökonomie und Bank für Gemeinwohl ihr fünfjähriges Bestehen im Wiener Volkstheater – mit einer bunten Mischung aus Aktivismus, Politik und Kultur.  Fünfter Teil unseres Gemeinwohl-Schwerpunkts.

Mit den Worten „seit fünf Jahren sind wir gemein, und wir fühlen uns wohl dabei” begrüßte der Moderator am vergangen Samstag 850 Menschen, die im Wiener Volkstheater das „Gemeinwohl-Fest” zum fünfjährigen Bestehen der beiden (laut Eigendefinition) „Schwestern” Gemeinwohl-Ökonomie und Bank für Gemeinwohl feierten. Neben Klangforum Wien, Josef Hader, Konstantin Wecker und Party in der „Roten Bar” gab es dabei auch inhaltliche Beiträge recht unterschiedlicher Art. Das Ziel der Veranstaltung sei: Kraft und Energie zu sammeln für die nächste Phase und: „spenden, spenden, spenden”.

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Insgesamt 12 AktivistInnen stellten stellvertretend kurz ihre jeweiligen Arbeitsbereiche in der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung vor. (© Michael Janousek www.janousek.at)

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Den Anfang machten 12 AktivistInnen, wie Christian Rüther, der sich in „1000 Stunden Ehremamt als Geschenk an die Bewegung” im Entwicklungsteam für die Gemeinwohlmatrix, dem Gegenstück zur finanziellen Bilanz, engagiert. Oder Claudia Gutmann, die die Gemeinwohlbilanz der  FH Burgenland mit erstellt hat und dort einen MBA für Gemeinwohl-Ökonomie auf den Weg bringen will.

Insgesamt haben sich fast 9000 Personen aus 30 Ländern als Unterstützerinnen und Unterstützer weltweit auf der Website der GWÖ. eingetragen. Promis wie der Neurobiologe Gerald Hüther, MIT-Professor Claus Otto Scharmer oder Konstantin Wecker wollen als GWÖ-Botschafter dabei helfen, Menschen zu erreichen, “die sich einen Systemwandel wünschen, aber politisch resigniert haben”.

Als weitere Erfolge wurde der erste Artikel zur Gemeinwohl-Ökonomie auf chinesisch eines „dissidenten Dissertanten” ebenso gefeiert wie ein Projekt der Stadt Stuttgart, die sich die Gemeinwohlbilanz aller städtischen Betriebe 100.000€ kosten lässt oder ein 10-Seiten-Papier des europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses, der die EU und seine Mitgliedsstaaten auffordert, die GWÖ umzusetzen.

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Die Gründer der Bank für Gemeinwohl kommen ursprünglich aus den verschiedensten Bereichen und werben gemeinsam für das nötige Startkapital ihres Projekts. (© Michael Janousek www.janousek.at)

„Wir arbeiten gerne feierlich zusammen”, sagte Rita Trattnigg, Gründungsmitglied der Bank für Gemeinwohl – von der Geigenbauerin, dem Biobauern, der Grafikerin bis zum Ex-Banker. Was will sie anders machen? Nicht Geld verdienen sondern Geldversorgung stehe im Vordergund. Außerdem sieht die Bank für sich einen Bildungsauftrag und will politische Akteurin sein, wenn es darum geht, Finanz- und Wirtschaftssystem zu verändern. Zunächst einmal muss aber einmal Geld gesammelt werden, um überhaupt eine Bank gründen zu können. Erst dann kann Geld nach Gemeinwohlkriterien verliehen werden. „Spenden, spenden, spenden” eben und mehrmals wurde darauf verwiesen, dass selbst unter den Festgästen erst ein kleiner Prozentsatz Mitglied der neuen Genossenschaft ist.

In einer Podiumsdiskussion sagte der Vorstand der Münchner Sparda-Bank und Gemeinwohlvorreiter, Helmut Lind: „Wir haben genug seelenlose Unternehmen. Was wir brauchen, ist eine belebte Seelenwelt auch in einem Unternehmen. Ich möchte Mitarbeiter, die sich wie in einer Familie zu Hause fühlen, Spaß haben.” Und: „Es ist eine Frage des Bewusstseins, aber das Bewusstsein wird sich ändern.”

In eine ähnliche Kerbe schlug Ha Vinh Tho aus dem Himalaya-Staat Bhutan, das seine Politik am „Bruttonationalglück” ausrichtet.  Das sei „ein inklusives Entwicklungsmodell und der Versuch die Entwicklung des Landes in einer holistischen Art zu messen.”

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Moderator Thomas Seifert (Stv. Chefredakteur Wiener Zeitung; ganz links) im Gespräch mit Ha Vin Tho und Helmut Lind. (© Michael Janousek www.janousek.at)

„Wachstum ist natürlich ein Element, aber wir müssen auch unsere seelischen Bedürfnisse berücksichtigen, wir müssen unsere Umwelt schützen, Natur und Gesellschaft pflegen”, so Ha Vinh Tho. Das Land verpflichte sich dabei, „auf ewig” CO2-Senke zu werden und sich auf den Weg einer 100% biologischen Landwirtschaft zu machen”.

Antje von Dewitz, Eigentümerin und Managerin des deutschen Outdoor-Ausrüsters Vaude möchte „ein Unternehmen schaffen, wo man die Fabrik aus Glas machen kann”. Transparenz sei das oberste Ziel. „Wir möchten das nachhaltigste Unternehmen der Outdoor-Branche in Europa sein”, so von Dewitz und es habe zwei Jahre gedauert, um alle MitarbeiterInnen darauf einzuschwören, dieses Ziel zu unterstützen und es umzusetzen.

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Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz erläuterte ihre Unternehmensphilosophie. (© Michael Janousek www.janousek.at)

„Es funktioniert, kostet aber auch mehr, ist anstrengend, voller Konflikte, macht aber auch Spaß”. Das Unternehmen prosperiere, die Gerichtskosten seien etwa auf 1/3 reduziert worden und die MitarbeiterInnen-Fluktuation liege unter 5%. „Langfristig stabile Partnerschaften zahlen sich aus”.

Etwas Wasser in den Wein der Jubelfeier versuchte die taz-Journalistin Ulrike Hermann zu gießen. Sie sei ja eingeladen worden, “um hier ein bisschen zu stören”. Ja, die GWÖ funktioniere betriebswirtschaftlich –und auch die taz sei als Genossenschaft gemeinwohlzertifiziert. Volkswirtschaftlich könne die GWÖ den Kapitalismus als System aber nicht ablösen.

Es fehle ein makroökonomisches Gesamtmodell, aber das politische Zeichen, „ganz vieler Leute, die endlich wollen, dass diese Transformationsforschung stattfindet”, sei schon wichtig.

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Konstantin Wecker sang und politisierte – teilweise gar beides zur selben Zeit. (© Michael Janousek www.janousek.at)

Den politischen Aspekt betonte auch der Sänger Konstantin Wecker, der mit seinem Auftritt den Abend auf der Bühne beendete. Allerdings setzt Wecker mehr auf Gemeinsamkeiten als solche Unterschiede. Es gehe heute darum, sich möglichst breit zusammen zu schließen, um der Gefahr eines neuen Faschismus etwas entgegen zu setzen. Die Gemeinwohl-Ökonomie sei nicht der, aber ein Ansatz einer solchen positiven Alternative.

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