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3. Juli 2017  /// Bewegung Gesellschaft

Große Transformation und die Medien

Alternativen zum Wachstum als Leitbild der Kommunikation

Eine Konferenz am 10. und 11. Juli 2017 in der Evangelischen Bildungsstätte auf Schwanenwerder, Berlin

Die Menschheit verändert den Planeten in einem bisher nicht gekannten Ausmaß. Nicht von ungefähr wird von einem neuen Erdzeitalter – dem Anthropozän – gesprochen. Zugleich erreichen uns paradoxe Bilder: Einerseits vertreten viele Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik die Vision eines linearen Fortschritts. Andererseits erreichen uns Bilder rauchender Industrieregionen, der Schademissionen den Klimawandel antreiben. Was uns kaum erreicht, sind dagegen Bilder und Hinweise auf Problemlösungen, auf Handlungspotenziale in Richtung einer „Großen Transformation“, um der Verantwortung im Anthropozän gerecht zu werden.

Worin liegen die Ursachen? Ansatz der Konferenz ist das „Matching“ von wissenschaftlicher Transformations- und Umweltforschung, umsetzender Politik und dem vermittelnden Mediensystem, einschließlich der dort entstehenden neuen journalistischen Formate. Die ReferentInnen und TagungsteilnehmerInnen wollen der Frage nachgehen, warum das Wissen über neue Lösungsmöglichkeiten gegenüber den großen globalen Herausforderungen im Zeitalter des „Anthropozäns“ zwar zunimmt, die Berichterstattung in den Medien im Vergleich dazu eher schwindet.

Wissen gibt es zur Genüge, Bewusstsein weniger

So liegen von verschiedenen Beratungsgremien der Bundesregierung, dem Umwelt- und dem Forschungsministerium sowie vielen einflussreichen Forschungsgruppen in Deutschland Vorschläge vor, wie man die Gefährdungen der biologischen Vielfalt, des allein quantitativ an Wachstum ausgerichteten Wirtschaftens, die Versauerung und Überfischung der Meere oder schleichende, sich akkumulierende Belastungen von Öksoystemen oder die Herausforderungen in Ballungszentren meistern könnte.

Aber das Wissen darüber erreicht Politik und Gesellschaft, einschließlich der Wirtschaft, nur in geringem Umfang. Sind kommunikative Übertragungsfehler zwischen Wissenschaft und Medien die Ursache dafür? Liegt eine Wahrnehmungsverweigerung oder eine Schreibhemmung auf Journalistenseite vor? Wie könnten in einer positiven Kooperation und Verstärkung die Medien die Tätigkeit der Transformations-Akteure unterstützen? Und welche Modelle für einen derartigen Journalismus mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeits- und Transformationsthemen bzw. lösungsorientiertem Journalismus gibt es bereits?

Diese Themen sind sowohl für die Umwelt- und an Nachhaltigkeit orientierten wissenschenschaftlichen Einrichtungen von Bedeutung, als auch für einen größeren Teil der Bevölkerung: Denn dieser bleiben unbemerkt – weil medial nicht transportiert – wichtige Vorschläge für eine nachhaltigere Gestaltung des ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Umfeldes vorenthalten.

Narrative: Große Herausforderungen brauchen große Erzählungen

Die Industriegesellschaften gründen den eigenen Aufstieg seit Jahrzehnten unverändert auf das Wirtschaftswachstum, das sich auch im Journalismus als das grundlegende Narrativ der Wohlstandsgesellschaft durchgesetzt hat. Da faktischer Wandel Not tut, stellt sich Frage: Wie kommuniziert man diese Wende, was ist die Erzählung des Anthropozäns?

Die Tagung thematisiert die Rolle der Medien im anstehenden Transformationsprozess, ihr Versagen bei der Darstellung komplexer Sachverhalte und fragt, wie alternative gesellschaftliche Narrative initiiert werden können, die von einem anderen Fortschritt erzählen: Dabei stehen auch die Wissenschaft selbst, die Politik und die Zivilgesellschaft vor neuen Herausforderungen bei der Kommunikation von Lösungsansätzen.

Dritte Konferenz in Schwanenwerder

Dies ist die dritte Veranstaltung zu diesem Themenfeld auf der Halbinsel Schwanenwerder. Im Zentrum steht nun die Frage, ob und wie sich in der Nachhaltigkeitspolitik, der Wissenschaft, bei den Medien sowie auch in der Zivilgesellschaft neue Rollen und neue Kommunikationsstrategien abzeichnen, um eine „Große Transformation“ mittels Information und Kommunikation weiter voran zu bringen.

Veranstalter sind das Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin und die Evangelische Akademie zu Berlin. Konzeption und Tagungsleitung: Dr. Michael Hartmann (Evangelische Akademie zu Berlin), Manfred Ronzheimer (Wissenschaftsjournalist, Berlin) und Roland Zieschank (Forschungszentrum für Umweltpolitik, Freie Universität Berlin). Unterstützt wird sie vom Umweltbundesamt und vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

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