24. Juli 2015  /// Gesellschaft Leben

Grüne Antibiotika

„Es gibt Momente in der Geschichte, die sich als Wendepunkte erweisen. Wir sind der Meinung, dass 2015 ein solcher Moment ist.“ So beginnt ein offener Brief, der im Jänner 2015 von 31 Prominenten, darunter 5 Friedensnobelpreisträger, an sämtliche Staats- und Regierungschefs weltweit verschickt wurde. Hintergrund dafür sind die Niederschrift neuer Entwicklungsziele (sustainable development goals) und der kommende Klimagipfel in Paris. Zu den verfassten Entwicklungszielen zählt u.a. ein von der deutschen Bundesregierung ausgearbeitetes Konzept namens „Globale Gesundheitspolitik gestalten – gemeinsam handeln – Verantwortung wahrnehmen“. Als eine der Prioritäten für die globale Gesundheit wird hier der Schutz vor Antibiotikaresistenzen erwähnt. Diese Priorität wurde auch auf der Weltgesundheitsversammlung (World Health Assembly) der WHO im Mai 2014 in Genf hervorgehoben und in weiterer Folge beim G7-Gipfel 2015 auf dem bayerischen Schloss Elmau in Deutschland als Thema „antimikrobielle Resistenzen (AMR)“ behandelt. Denn die Gefahren für die menschliche Gesundheit durch antibiotikaresistente Keime werden immer drängender.

 Wie konnte es so weit kommen?

„Antibiotika-Resistenzen entwickeln sich vor allem dort, wo wirtschaftliche Interessen die Gesundheitspolitik dominieren und sich die öffentliche Daseins- und Gesundheitsfürsorge dem ökonomischen Primat unterordnet“, meint etwa die Deutsche Plattform für Globale Gesundheit. Ärzte-ohne-Grenzen antwortet in Ihrem G7-Factsheet ähnlich: „AMR sind auch das Resultat eines Marktversagens im Bereich der bio-medizinischen Forschung. Kommerzielle Forschung läuft dann ins Leere, wenn wenig Aussicht besteht, Investitionen und Gewinne über hohe Produktpreise zu erwirtschaften. Deshalb ist nicht-profitorientierte, öffentlich finanzierte Forschung notwendig, um Gesundheitsforschung im Interesse der Patienten zu ermöglichen.“ Der Bundesverband praktizierender Tierärzte e.V. (bpt) sieht die bedenkliche Resistenzlage als nachweislich direkte Folge des seit Jahren überdurchschnittlichen Verschreibungsverhaltens der Humanmediziner – und nicht nur der Tiermediziner, wie dies oft in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Hans-Joachim Götz, bpt-Präsident, kritisiert in dem Zusammenhang die Medienberichterstattung, denn es wurden bereits massive Anstrengungen unternommen, um das über Jahrzehnte gewachsene Problem nachhaltig durch Verbesserung der Tiergesundheit und Tierhaltung zu lösen. Eine etwas andere Antwort gibt die DBU. Sie konzentriert sich schlichtweg auf den Eintragsweg der Arzneimittelrückstände in die Umwelt. Denn die gravierende Gesundheitsgefährdung stellen die Antibiotika dar, die von einem Körper nicht vollständig abgebaut und ausgeschieden werden und damit in die Umwelt gelangen. Und da sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. In der Humanmedizin werden jährlich 450 bis 600 Tonnen Antibiotika über öffentliche Apotheken und Klinikapotheken in Deutschland abgegeben. Annähernd dreimal so hoch sind die Mengen an Antibiotika für den veterinärmedizinischen Einsatz: So wurden im Jahr 2013 mehr als 1 400 Tonnen Antibiotika von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte in Deutschland abgegeben.

2.000 Tonnen Antibiotika alleine in Deutschland pro Jahr

Dass diese eingenommenen Mengen im Laufe der Jahre Konsequenzen zeigen müssen, leuchtet jedem ein. Es kann daher mit Recht schlussgefolgert werden: Wir haben ein Problem. Denn antimikrobielle Resistenzen (AMR) behindern die Behandlung von Krankheiten, die durch Viren, Pilze oder Bakterien ausgelöst wurden, und führen dazu, dass bisher angewendete und verfügbare Medikamente keine oder nur eine geringe Wirkung zeigen. Resistente Erreger können sich damit zunehmend und schnell von Mensch zu Mensch verbreiten. Ein zusätzliches Problem liegt jedoch auch noch vor: Durch die globale Erwärmung können sich sowohl altbekannte Infektionskrankheiten als auch neue nun schneller ausbreiten. Und sie tun es auch. Die Kombination ist somit fatal und kann vereinfacht so zusammengefasst werden: Die Temperatur steigt und mit ihr die Anzahl der Infektionskrankheiten, und gleichzeitig hilft genau das „Allheilmittel“, welches dagegen helfen soll, nicht mehr.

Was ist zu tun? Die Liste ist lang und erfordert finanziellen Aufwand

  • Investitionen in Forschung und Entwicklung für neue und für alle zugängliche Medikamente,
  • Einführung von Test-, Diagnose- und Frühwarnsystemen für die Vermeidung der Ausbreitung von Infektionskrankheiten,
  • Maßnahmen, welche zu Veränderungen bei der Verschreibungspraxis und beim Patientenverhalten führen,
  • Schärfung des Bewusstseins, damit die Zusammenhänge zwischen der menschlichen Gesundheit und der Tiergesundheit durch den hohen Einsatz von Antibiotika berücksichtigt werden können,
  • Verbesserung der Resistenz-Überwachungssysteme für Kliniken und Labors.

Man könnte auch sagen: Zuerst opfern wir unsere Gesundheit für Geld, dann Geld für unsere Gesundheit. Gibt es einen anderen Weg? Ja, meint der Arzt und Buchautor Dr. med. Eberhard J. Wormer. Er plädiert in seinem aktuell erschienenen Buch Grüne Antibiotika dafür, die Chancen zu nutzen, die die Natur uns bietet. Er sieht in der antibiotischen Wirkung vieler natürlicher Heilpflanzen und Pilze die letzte Chance gegen MRSA und andere resistente Krankheitskeime.

Wormer, Mankau VerlagGrüne Antibiotika sind durch und durch nachhaltig

Wormer meint: „Es handelt sich um eine regenerative Ressource, die der Mensch zu Heilzwecken nutzen kann. Man verwendet in der Regel bestimmte Pflanzenteile, oberirdische Teile oder Wurzeln. Beachtet man die spezifischen Vorgaben für die Herstellung von Pflanzenmedizin, bleibt die Pflanze am Leben und Sie sind lebenslang mit Medizin versorgt – wenn Sie dies möchten.“ Im Gegensatz zu pharmazeutischen Antibiotika, deren Rückstände die gesamte Umwelt seit Jahrzehnten belasten und die Resistenzentwicklung vorantreiben, sieht er „grüne Antibiotika“ als vollkommen frei von solchen „Nebenwirkungen“.  Er rät jedoch: „Wer von den Heilwirkungen in Bezug auf MRSA und Co. profitieren möchte, muss aber in vielerlei Beziehungen umdenken. Am wichtigsten ist das Bewusstsein dafür, dass alle Lebewesen inklusive Mensch nur existieren können, wenn sie zum gegenseitigen Vorteil in Gemeinschaft mit anderen Lebewesen leben.“ Es sollte daher kein „Feindbild“ Mikroorganismus geben. Hinzu kommt, dass manche Pflanzen besonders effiziente Abwehrstrategien gegen Fraß und pathogene Keime entwickelt haben. Solche Pflanzen sind sehr widerstandsfähig und besonders gute Überlebenskünstler. Sie werden oftmals als invasiv (vulgo Unkraut) eingestuft und zur Ausrottung freigegeben. Gerade solche Pflanzen enthalten die besten Wirkstoffkombinationen gegen resistente Mikroorganismen.

Auch in Bezug auf die Behandlung antibiotikaresistenter Infektionen erweist sich die Pflanzenmedizin als nachhaltige Strategie. Wormer dazu: „Das in meinem Buch vorgestellte Therapiekonzept des amerikanischen Herbalisten Stephen Harrod Buhner nutzt verschiedene Komponenten der Pflanzenmedizin: immunstärkende, synergistische, lokale und systemische Wirkungen. Ausgehend von einem starken Immunsystem (durch kontinuierliche Anwendung immunstärkender Kräuter) werden dann im Infektionsfall gezielt eine oder mehrere Komponenten (systemisch, lokal, synergistisch) eingesetzt, um die Erkrankung zu heilen.“ So ist es möglich, dass Betroffene in jedem Fall von ausgeklügelten Abwehrmechanismen der Pflanzen in Bezug auf resistente Krankheitserreger profitieren können.

Wir müssen umdenken. Jetzt!

Wormer dazu: „Das Ende der modernen Antibiotika wurde schon vor Jahrzehnten eingeläutet. Bereits Alexander Fleming mahnte vor 70 Jahren, Antibiotika mit Bedacht, Vorsicht und Zurückhaltung einzusetzen. Wir haben diesen Hinweis ignoriert.“ Wormer prophezeit, dass es in Zukunft immer weniger Heilungen durch Antibiotika geben wird und immer mehr Todesfälle durch resistente Erreger und Krankenhauskeime. Bleibt es bei der Massentierhaltung, so kann man seiner Meinung nach jede Hoffnung auf eine Resistenzkontrolle begraben. „Wir müssen umdenken und zu den sprichwörtlichen Wurzeln der Heilkunst zurückkehren. Moderne Antibiotika haben ihren Ursprung in der belebten Natur, beruhen aber auf einer reduktionistischen Auffassung von Medizin und ermöglichten nur kurzfristige Erfolge.“

Abschließend macht der Arzt darauf aufmerksam: „Medizinisch und therapeutisch nachhaltig können nur die stetig angepassten Wirkeigenschaften der ganzen Pflanzen sein, wenn es um die Abwehr pathogener Mikroorganismen geht. Wenn Ärzte bei lebensbedrohlichen antibiotikaresistenten Infektionen nicht mehr weiter wissen, sind grüne Antibiotika die bislang einzig verbliebene Option.“

Mankau Verlag / Guene AntibiotikaDr. med. Eberhard J. Wormer
Grüne Antibiotika – Heilkräftige Medizin aus dem Pflanzenreich. Wirksame Hilfe gegen MRSA und resistente Krankenhauskeime
erschienen im Mankau Verlag, Juni 2015
farbig, 16 x 22 cm, 190 S.
Preis: 16,95 € (D) / 17,50 € (A)
ISBN 978-3-86374-224-9

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