20. Juli 2015  /// Allgemein Europa Gesellschaft

Grünflächen gegen Hitzewellen

Die Hitzewelle mit bis zu 38° C hält viele Städte in Europa derzeit fest im Griff. Grund genug für das Institut für Soziologie der Universität Wien, die MedUni Wien und die Universität für Bodenkultur die sozialen Dimensionen zu untersuchen. Wen trifft die Hitzewelle am meisten? Und wie kann Abhilfe geschaffen werden? Diesen Fragen geht das Projekt „Vulnerability of and adaption strategies for migrant groups in urban heat environments (EthniCityHeat)“ unter der Leitung von ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Franz Kolland nach. Sein Ziel ist es, mehr über die Hitzebelastung, besonders von Personen mit Migrationshintergrund, in Wien zu erfahren, um daraus dann Empfehlungen für die Stadt- und Landschaftsplanung abzuleiten.

Die soziale Dimension des Phänomens Hitze

– bisher in Europa noch kaum erforscht

Bekannt ist lediglich, dass es durchschnittlich 9,6 Hitzetage in den Jahren 1961 bis 1990 gab. Heute liegt die Zahl bereits bei über 15 Tagen. Hier muss gegengesteuert werden, denn besonders ältere Menschen mit chronischen Erkrankungen in Städten, aber auch Menschen, die mit ihren Familien auf wenigen Quadratmetern oder in nicht-sanierten Wohnungen wohnen – noch dazu in Gegenden mit hohen Lärm- und Luftschadstoffbelastungen – leiden stark unter der Hitze.

SoziologInnen, MedizinerInnen, MedizinanthropologInnen und LandschaftsplanerInnen dieses Forschungsprojektes konnten in ihren Beobachtungen und Befragungen bereits feststellen, dass der Hitzeeffekt sehr unterschiedlich wahrgenommen wird und daher auch die Bewältigungsstrategien verschieden aussehen. Risikoträchtige Personen neigen leider eher dazu, sich bei großer Hitzebelastung in ihre heiße Wohnung zurückzuziehen. Dies sei keine gute Idee, warnt Projektleiter Kolland: „Rückzug kann, insbesondere im Alter, zu sozialer Isolation führen. Wird dann akut Hilfe gebraucht, z.B. bei Dehydration, ist niemand zur Stelle“. Er empfiehlt daher, zumindest in der Früh oder am Abend hinauszugehen.

Dafür würden in Wien jedoch mehr Grünflächen mit schattenspendenden Bäumen benötigt, meint Brigitte Allex vom Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung an der Universität für Bodenkultur Wien. Hans-Peter Hutter, Facharzt am Institut für Umwelthygiene der MedUni Wien, begrüßt dies und meint: „Auch aus umwelthygienischer Sicht sind horizontale und vertikale Begrünungen in der Stadt von großer Bedeutung.“ Er verweist auf die städteklimatischen und lufthygienischen Vorteile für die Gesundheit.

Wir warten gespannt auf die Ergebnisse. Das Projekt läuft noch bis 2017. Es wird aus Mitteln des Klima-und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Austrian Climate Research Programmes (ACRP) durchgeführt. (eh)

Quelle: medienportal.univie.ac.at

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