24. Oktober 2015  /// Bewegung Gesellschaft Leben

Homöopathie als Kassenleistung?

Laut einer 2012 veröffentlichten GFK-Studie zur Homöopathie in Österreich nutzt jede zweite Österreicherin und jeder zweite Österreicher über 15 Jahren homöopathische Arzneien. Über 60 Prozent der ÖsterreicherInnen setzen großes Vertrauen in die Leistungen der homöopathischen Medizin, die in Österreich ausschließlich von speziell geschulten Ärzten angewandt wird. In Österreich haben derzeit etwa 700 ÄrztInnen das Homöopathische Diplom der Österreichischen Ärztekammer.

Dieser Realität entspricht die österreichische Gesetzeslage jedoch nicht. Homöopathische Medizin wird als „Wissenschaftlich nicht erprobte Heilmethode“ eingestuft, was eine Abrechnung der Behandlungskosten über einen Tarifposten der Krankenkassen unmöglich macht – obwohl die Wirksamkeit der homöopathischen Medizin durch viele zufriedene Patienten und unzählige wissenschaftliche Studien belegt und bewiesen ist (vgl. Prof. Hahn, Homoeopathy: Meta-analysis of pooled clinical data) und obwohl die Homöopathie günstiger arbeitet als die konventionelle Medizin und weitaus nachhaltiger ist und wirkt.

Situation in den Nachbarländern

Allgemeinmediziner Bernhard Zauner von der Ärztegesellschaft für Klassische Homöopathie (ÄKH) meinte anlässlich der Pressekonferenz der Initiative „Ja zu Homöopathie als Kassenleistung“ am 8.Oktober 2015 dazu: „In der Schweiz beispielsweise sind Homöopathie und andere komplementärmedizinische Verfahren seit 2012 in der Grundversicherung verankert.“ Er verwies auf eine begleitende Langzeitstudie in der Schweiz, welche zeigte, dass eine homöopathische Praxis nur die Hälfte der Kosten einer durchschnittlichen Grundversorgungs-Praxis verursacht. Homöopathisch behandelte Patienten müssen seltener stationär behandelt werden, nehmen weniger teure Spezialbehandlungen in Anspruch und leiden weniger an Nebenwirkungen von Arzneimitteln als konventionell behandelte Patienten. „Ziel sollte es sein“, so Zauner, „dass ein gewisser Pluralismus in der Medizin besteht.“

Evelyne Huber
Bild: Evelyne Huber

Thomas Peinbauer, Präsident des European Commitee for Homeopathy, unterstützte die Forderung der Ärztegesellschaft für Klassische Homöopathie: „Ziel ist die vollständige Integration der Homöopathie in das Gesundheitswesen.“ Diese Integration wäre im Unterschied zu Österreich in den Nachbarländern bereits in unterschiedlicher Weise vollzogen worden. Das European Commitee for Homeopathy, welches etwa 40 europäische Arztgesellschaften in 25 Ländern repräsentiert, plädiert dafür, dass Gesundheitsziele Patientenzentriertheit, Sicherheit, Wirksamkeit und Schnelligkeit der Behandlung, Wirtschaftlichkeit und den gerechten Zugang für alle verfolgen sollten.

Nachhaltigkeit als Gesundheitsziel

Michael Frass, Vizepräsident der ÄKH, ergänzte diese von Peinbauer aufgezählten Gesundheitsziele um den Begriff der Nachhaltigkeit: „Wir leben in einer Zeit, in der wir mehr Ressourcen auf der Erde verbrauchen als nachgebildet werden können. Mit den homöopathischen Substanzen wird kein Raubbau betrieben.“ Denn in der Homöopathie arbeite man mit ganz geringen Ursubstanzen und Urtinkturen. Und es gehe auch niemals um den schnellen Erfolg oder eine momentane Einstellung, sondern eben um Nachhaltigkeit, so Frass, und weiter: „Ich möchte den Patienten nicht für den Moment von einer Erkrankung heilen, sondern ich möchte, dass die Patienten von innen heraus lange Zeit global gesund sind.“ Peinbauer ergänzte, dass die homöopathische Arnzei sehr sicher und in der Herstellung sehr effizient sei, aber es werde eben noch zu wenig Forschung an den Universitäten betrieben.

Allgemeinmediziner Christoph Abermann von der ÄKH unterstrich dies und meinte dazu, dass er an den Universitäten aktuell beobachte, dass das Wahlfach Homöopathie bei Medizinstudenten extrem beliebt sei.

Erfried Pichler, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM), wies zusätzlich darauf hin, dass in Österreich bereits in 12 Ambulanzen an diversen Krankenhäusern die Zusammenarbeit zwischen der konventionellen Medizin und der homöopathischen Medizin hervorragend funktioniere. Auch am AKH Wien behandle, forsche und publiziere man homöopathisch. „Man sieht daran“, so Pichler, „dass ein Benefit vorhanden sein muss, denn ansonsten könnten diese Ambulanzen bei den Anforderungen, die es in der Medizin heute gibt, nicht bestehen.“

Umso unverständlicher ist es, dass die  Aufnahme der homöopathischen Medizin in den Leistungskatalog der österreichischen Krankenkassen bislang noch nicht erfolgt ist.

Aus disem Grund haben sich nun die drei homöopathischen Gesellschaften in Österreich – die ÄKH (Ärztegesellschaft für Klassische Homöopathie), die ÖGHM (Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin) und die SIH (StudentInneninitiative Homöopathie) an der MedUni Wien – zu der Initiative www.kassenleistung.at zusammengeschlossen. Sie fordern mit einer Unterschriftenaktion ein Umdenken in der Gesundheitspolitik, eine Änderung der Gesetzeslage und die schrittweise Einführung von Homöopathie als Kassenleistung in einer zehnjährigen Testphase. Im Anschluss an die Testphase sollen die Ergebnisse sowie die Kosten, aber auch die vermuteten Einsparungen im Gesundheitswesen, evaluiert und entsprechend bewertet werden.

Link zur Unterschriftenaktion: www.kassenleistung.at

2 Antworten zu “Homöopathie als Kassenleistung?”

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