12. August 2015  /// Bewegung Gesellschaft Leben

Im Sinne einer friedlichen Welt

Konflikte sind ein zentrales Thema im menschlichen Zusammenleben. Sie beinhalten die Gefahr von Verletzung und Zerstörung, aber auch Chancen für Bindungen, Beziehungen und Neuorientierungen. Daher macht es Sinn, uns alle immer wieder dazu zu ermutigen, selbst verantwortete Lösungen eines Konfliktes zu ermöglichen.

Denn wenn jahrelange Streitereien verbrannte Erde und einen Scherbenhaufen hinterlassen haben, scheint es oft aussichtslos, wieder Friede einkehren zu lassen und sich ohne Gesichtsverlust gegenüberzutreten. Aber noch ist nichts verloren. Neue alternative Lösungsmodelle, wie beispielsweise Mediation oder collaborative law, bieten heute Hilfe und Unterstützung. Sie finden immer mehr Anhänger, und alles deutet darauf hin, dass sich das Bewusstsein von Menschen im Umgang mit Konflikten verändert.

Aus diesem Grund informierten am 18.6.2015, am Tag der Mediation, Experten aus den Bereichen Recht, Psychologie und Sozialarbeit anhand von Fakten und Praxiserfahrungen über Vorteile und Nachteile neuer alternativer Lösungsmodelle und stellten auch ein aktuelles Pilotprojekt der Justiz vor.

Oft bringe nicht einmal das Prozessende jahrelanger Gerichtsverfahren die ersehnte „Befriedigung“. Gerade bei Familien- und Nachbarschaftsstreitigkeiten, wenn sich die Parteien auch nach dem Gerichtsverfahren immer wieder begegnen müssen, komme es immer wieder zu neuen zermürbenden Streitsituationen und Prozessgängen, berichtete die Organisatorin und Moderatorin der Veranstaltung, die Wiener Familienrechtsanwältin Mag. Katharina Braun. Der Trend in Richtung alternativer, selbstbestimmter Lösungsmodelle sei jedoch nicht zu übersehen. Gerade im Familienrecht beispielsweise kämen mittlerweile eine Vielzahl von Maßnahmen (u.a. Erziehungsberatung, Kinderbeistand, verpflichtende Mediation Kinderangelegenheiten betreffend) zum Einsatz, die geeignet seien, die Parteien bei ihrer Suche nach Lösungen sehr gut zu unterstützen, so Braun.

Weg von der Streit- hin zur Verhandlungskultur

Egal um welche Art von Lösungsmodell es sich handelt, letztlich geht es darum, den Dialog zwischen zwei oder mehr Konfliktparteien zu fördern – im Sinne einer friedlichen, bindungsorientierten Zukunft. Die Mediation verzeichnet dabei in den letzten 10 Jahren in Europa besondere Erfolge. Diese Methode wurde in den sechziger und siebziger Jahren in den USA entwickelt. In Europa kannten wir die Mediation jedoch lange vorher, beispielsweise tauchte sie bereits im Westfälischen Frieden im Jahr 1648 auf.

Mediator und Richter Dr. Leopold Popp begründete bei der Veranstaltung seine heutige Arbeit als Mediator so: „Ich bin schon seit 26 Jahren Richter. Gerade im Bereich von Familien ist eine Mediation oft sehr hilfreich, auch nach mehrjährigen Verfahren. Oft ist verletzter Respekt das Thema. Wenn man das anspricht, ist das oftmals die Lösung. Ich habe einen Weg gesucht, gerade in solchen Fällen, wo ein Urteil nach dem anderen gefällt wird, und das nichts bringt. Es ist eine Win-Win-Situation für alle. Für alle Parteien und letztlich auch für den Richter, der seine Funktion als Friedensrichter ausüben kann.“

Die bekannte Psychologin, Medizinerin und Buchautorin Prof. Dr. med. Martina Leibovici-Mühlberger gab ihm recht: „Ich glaube, man muss sehen, dass es sich oftmals um einen hochemotionalen Kontext handelt, um den Verlust eines Lebenstraumes, wie es beispielsweise gerade bei einer Scheidung, Trennung oder einem Kontaktabbruch ist, wo man sich vollkommen neu aufstellen muss. Die Menschen sind in einer Extremsituation und in einer tiefen Enttäuschung. Dahinter steckt viel Kränkung, Lebensveränderungsangst, Respektverlust, Reaktivierung von alten Traumen und, und, und. Also ein Riesensack. Ein Management von Emotionen ist hier notwendig.“

Keine leichte Arbeit. Aber eine mögliche, sinnvolle und nachhaltige

Sich gegenseitig Verstehen und gemeinsam konstruktive, interessengerechte Lösungen für die Zukunft erarbeiten, genau das ist die Basis für gegenseitige Achtung und einen fairen Ausgleich gegensätzlicher Bedürfnisse. Konflikte mit Vernunft und auf dem Verhandlungsweg zu lösen, ist das Resultat neuen gesellschaftlichen Bewusstseins. Dahinter liegt das gesellschaftliche Bedürfnis nach einer neuen Beziehungs- und Konfliktkultur.

Und wir leben in einer Zeit, die Alternativen zu Kampf, Verletzung, Schuldzuweisung und Beziehungsabbruch gefunden hat. Jetzt gilt es diese so oft wie möglich anzuwenden und einzuüben – im Sinne einer friedlichen Welt.

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