IUFE - Institut für Umwelt - Friede - Entwicklung
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22. Oktober 2015  /// Gesellschaft Klima Umwelt

IUFE-Fachtagung: Ressourcenkonflikte

Florian Leregger

Im Jahr 2015 fand am 13. August der „Earth Overshoot Day“ statt. IUFEDas ist jener Tag, an dem die menschliche Nachfrage an natürlichen Ressourcen die Fähigkeit der Erde zur Wiederherstellung dieser Ressourcen übersteigt. Diese Berechnung basiert auf dem Konzept des globalen ökologischen Fußabdrucks. Trotz Unsicherheiten ist sie zu aussagekräftig, um ignoriert zu werden. Der Trend ist erkennbar: Weltweit verbrauchen wir zu viele Ressourcen und zerstören vielerorts unsere natürlichen Lebensgrundlagen. Nachdem der „Earth Overshoot Day“ 1987 noch auf den 19. Dezember fiel, ist es höchste Zeit, Rahmenbedingungen für einen zukunftsfähigen Umgang mit natürlichen Ressourcen zu schaffen.

Vor dem Hintergrund etlicher Herausforderungen (z.B. steigende Nachfrage, volatile Preise, Zugang und Kontrolle) lud das Institut für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE) am 8. und 9. Oktober 2015 zur Fachtagung. Im Springer Schlößl Wien tauschten sich Expert/innen und Tagungsgäste über Herausforderungen und Chancen im Umgang mit natürlichen Rohstoffen aus. Durch die Fachtagung führten Johannes Mindler-Steiner und Florian Leregger (beide IUFE).

Tag 1: Sieben Vorträge und drei Dialogrunden – Weltweiter Umgang mit natürlichen Ressourcen aus unterschiedlichen Perspektiven sowie ausgewählte Konfliktfelder im Kontext extraktiver Ressourcen.

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Christina Buczko (SERI) und Anke Schaffartzik (Alpen-Adria Universität) gaben einen Überblick über globale Ressourcennutzungen, Materialflüsse, Kennzahlen und Indikatoren (Inländischer Materialverbrauch, Europas Rohmaterialäquivalente) sowie die Herausforderungen als Folge von Ressourcenverknappungen. Buczko stellte zudem das Konzept der Planetarischen Grenzen vor. „Bis zum Jahr 2050 werden jährlich rund 180 Mrd. Tonnen Ressourcen verbraucht (…) Der kontinuierliche Verbrauchsanstieg bei Biomasse, fossilen Brennstoffen, Wasser, Landfläche und Metallen führt oftmals zu sozialen und ökonomischen Problemen.“ (Buczko zum Nachhören). Schaffartzik legte ihren Fokus auf Europa sowie auf die Rolle der Europäischen Union und deren Bedeutung für Importe und Exporte natürlicher Ressourcen im globalen Kontext. „Drei der vielen Forderungen an Europa für eine nachhaltige Entwicklung sind die Senkung des Ressourcenverbrauchs, die Reduktion des Materialaufkommens sowie die Berücksichtigung und Übernahme der ökologischen und sozialen Verantwortung entlang der gesamten Versorgungsketten.“ (Schaffartzik zum Nachhören). Gerald Hainzl (Landesverteidigungsakademie) berichtete über ausgewählte Ressourcenkonflikte und deren vielschichtigen Zusammenhänge in Afrika. Aus sicherheitspolitischer Perspektive erläuterte er unterschiedliche Interessen einzelner AkteurInnen am afrikanischen Kontinent. „Afrika ist ein sehr ressourcenreicher Kontinent, der von vielen äußeren Interessenten geprägt wird. Beispielsweise werden seine Erdöl- und Erdgasvorkommen weltweit genutzt, um von Firmen mit Sitzen in Europa, Amerika und Asien gefördert zu werden (…) Zudem erschweren in manchen Teilen Afrikas Wasserknappheit und undefinierte Territorialgrenzen das friedliche und ungestörte Zusammenleben.“ (Hainzl zum Nachhören).

IUFEMichael Hauser (Centre for Development Research) und Brigitte Reisenberger (FIAN) widmeten ihre Vorträge den Zusammenhängen zwischen fehlender Ernährungssicherheit, mangelnden Zugängen zu Land, Land Grabbing und Konflikten. Hauser gab einen Überblick aktueller Zahlen zu existierenden Konflikten in Asien und Afrika und erläuterte Ursachen (z.B. Nahrungsmittelknappheit, Preisanstiege, fehlende soziale gesellschaftliche Stabilität). Er präsentierte seinen „Konflikt-Hunger-Pfad“ und beschrieb neun Hinweise für hungerinduzierte Konflikte (z.B. geringer Selbstversorgungsgrad, Zugang zu Waffen, politische Fragilität, wirtschaftliche Ungleichheit, externe Interessen). „Konflikte führen in vielen Situationen zu Ernährungsunsicherheit und Hunger (…) Insgesamt 28 aller afrikanischen Länder benötigen, bzw. erhalten derzeit externe Unterstützung in Form von Nahrungsmittelhilfe, in der Regel über das UN-World Food Programme. In 11 dieser Staaten sind Konflikte als primäre Ursache auszumachen.“ (Hauser zum Nachhören). Reisenberger legte ihren Fokus auf Land Grabbing aus menschenrechtlicher Sicht. Dabei präsentierte sie Ursachen von Landnahmen mit negativen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen für die betroffene Bevölkerung. Zusätzlich ging sie auf die dafür verantwortlichen AkteurInnen näher ein. Sie betonte, dass es sich bei Landnahmen um „Control & Resource Grabbing“ handelt, welches zur Verschärfung von Landkonflikten und zur Verdrängung und Vertreibung von Kleinbauern und -bäuerinnen beiträgt. „Wir benötigen ernstgemeinte Regulierungen und Indizes, die auf Transparenz, Fairness und Good Governance basieren. Auch Europa sollte dabei seine Verantwortung im Sinne der Menschenrechte wahrnehmen (…) Künftig bedarf es verstärkt Investitionen in eine bäuerliche Landwirtschaft, mit armutsmindernden Effekten, anstatt Investitionen in Land“ (Reisenberger zum Nachhören).

Herbert Wasserbauer (Dreikönigsaktion) und Emil Bensch (Klimabündnis) näherten sich den ökologischen und sozial negativen Effekten als Folge des Abbaus von Rohstoffen mittels zweier Beispiele an. Wasserbauer skizzierte anhand der Gewinnung von Tantal (Coltan) in Bolivien die daraus folgenden sozialen Spannungen, Konflikte um Land und Wasser sowie Menschenrechtsverletzungen. „Tantal ist ein wichtiger Rohstoff für einige große österreichische Industriebetriebe. Die Einführung der Sorgfaltspflicht in der Versorgungskette wäre beispielsweise ein wichtiger Schritt in Richtung Verbesserungen der sozialen Bedingungen in den jeweiligen Abbauländern.“ (Wasserbauer zum Nachhören). Benesch erläuterte das Konfliktpotential der größten Goldmine Lateinamerikas, der Yanachocha-Mine in Peru. Aufgrund des Einsatzes großer Mengen Zyanid, des enorm hohen Wasserverbrauchs und Energiebedarfs, der Landschaftszerstörung sowie der Missachtung von Menschenrechten, folgen zahlreiche negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt, die unweigerlich zu Konflikten führen. Beide Referenten legten nach dem Problemaufriss mögliche Lösungsansätze für einen fairen Ressourcenabbau dar. Neben bereits bestehenden Multi-Stakeholder-Initiativen, (z.B. „Dodd-Frank-Act“, NGO-Netzwerkarbeiten, Rohstoffinitiative der Europäischen Kommission) gaben die beiden einen Ausblick auf künftig denkbare Initiativen, wie etwa die Zertifizierung von fair gehandeltem Gold. „Um Konflikte lösen zu können, bedarf es in Zukunft vermehrt Fairtrade-zertifizierten Goldes und der Transparenz, um die Rückverfolgbarkeit des Goldes bis zur Mine gewährleisten zu können“ (Benesch zum Nachhören).

Tag 2: Drei Vorträge und eine Dialogrunde – Lösungsansätze auf dem Weg zu einer nachhaltigen Ressourcennutzung und zu Fairness im Rohstoffsektor.

Nach einem Kurzfilm über künftige Rohstoffkonflikte legte Thomas Roithner (Wissenschaftler/Journalist) Details zu aktuellen Konfliktgegenständen, zur EU-Auslandseinsatzpolitik sowie zu sicherheits- und verteidigungspolitischen Interessen externer AkteurInnen im Kontext natürlicher Ressourcen dar. Er skizzierte Lösungsansätze auf EU-Ebene als Beitrag für eine friedensfähige Weltordnung. Dazu zählten ein zukunftsfähiges Wirtschaftsmodell, die außenpolitische Neukonzeption („zivile Herausforderungen verlangen zivile Lösungen“), das Überdenken der Rolle des Militärs sowie die konsequente Verfolgung des Gewaltverbots und Stärkung der Multilateralismus in den Vereinten Nationen. „Die Zivilgesellschaft sollte mit ihrem Wissen und ihren Kapazitäten künftig verstärkt in Konfliktlösungen eingebunden werden.“ (Roithner zum Nachlesen).

Karin Küblböck (ÖFSE) ging auf ausgewählte Bereiche ressourcenbasierter Entwicklungen und Abhängigkeiten von Rohstoffexporten verschiedener Staaten sowie auf die vermehrt auftretende Volatilität der Rohstoffpreise am Weltmarkt ein. Sie widmete sich dem Phänomen „Social licence to operate“ und stellte einige Governance-Initiativen vor, die dazu beitrügen, den Rohstoffsektor zu regulieren (z.B. EU-Rohstoffstrategie, Africa Mining Vision, internationale Rechenschafts-Mechanismen, Extractive Industries Transparency Initiative). „Seit einiger Zeit ist zu erkennen, dass die Entwicklungspolitik verstärkt dafür genutzt werden soll, europäischen Staaten den Zugang zu natürlichen Ressourcen in Drittländern zu verbessern (…) Ein Rohstoffboom bzw. -export trägt in vielen Förderländern oftmals nicht zur positiven Entwicklung bei.“ (Küblböck zum Nachlesen).

Elisabeth Sötz (ADA) präsentierte einzelne Aktivitäten der Entwicklungszusammenarbeit Österreichs und hielt fest, dass eine intakte Umwelt die Grundlage für Entwicklung gewährleiste. Nachdem sie unterschiedliche Gründe für Umweltdegradation in Entwicklungsländern (z.B. Bevölkerungswachstum, Migration, schlechte Regierungsführung) anführte, stellte sie den ADA-Nexus-Ansatz (Wasser-Energie-Ernährungssicherheit) für zunehmende Ressourceneffizienz vor. Sötz betonte, dass erfolgreiche Armutsbekämpfung, Konfliktprävention und Umweltschutz einer integrierten Regionalentwicklung und des Ressourcenschutzes unter Berücksichtigung lokaler Gegebenheiten bedürfen. Zum Abschluss stellte sie zwei Beispiele vor, in denen die ADA als Projektpartnerin mitwirkt (COGEL in Burkina Faso und ENVSEC in Südosteuropa). „Armut, Umweltdegradation, Konflikte und fehlende Sicherheit gehen auf die gleichen Ursachen zurück und bedingen einander (…) Klimawandel verstärkt in vielen bereits negativ betroffenen Ländern Problematiken.“ (Sötz zum Nachlesen).

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In den Dialogrunden mit Referent/innen und Publikum brachten die Tagungsgäste spannende Aspekte in die Diskussionen ein. So wurden beispielsweise persönliche Handlungsmöglichkeiten für Ressourcenschutz gemeinsam besprochen, einzelne Konfliktfelder näher beleuchtet, „Green Economy“, alternative Lösungsansätze sowie die Effizienz der EZA diskutiert. Neben Auffassungsunterschieden und abweichenden Diskussionsstandpunkten waren sich am Ende der Fachtagung die ReferentInnen und Gäste einig, dass es künftig verstärkt Transparenz, Fairness, ökologisch-soziale Verantwortung, Partnerschaften auf Augenhöhe sowie Governance-Ansätze geben müsse, damit eine nachhaltige Entwicklung im Umgang mit natürlichen Ressourcen gewährleistet werden könne.

Weiterführende Informationen (Bericht, Vorträge, Fotos, Podcasts) auf der IUFE-Webseite

Zum Autor:

Dipl.-Ing. Florian Leregger studierte Umwelt- und Bioressourcenmanagement an der Universität für Bodenkultur. Er arbeitet am Institut für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE). Als Trainer und Referent widmet er sich darüber hinaus der Bewusstseins- und Weiterbildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in den Bereichen „ Nachhaltige Entwicklung“, „Umwelt“ sowie „Entwicklungszusammenarbeit“.

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