Wie geht Geld anders?
Bild: Christine Ax
25. Juli 2015  /// Bewegung Griechenland Wirtschaft

Krimi: Der Fall Griechenland

Nicht nur hier draußen in Wien war es heiß. Heiß war auch der AEMS Workshop „Der Fall Griechenland“ und bekam Donnerstagnachmittag den Charakter eines Krimis. Dr. Helene Schuberth, Abteilungsleiterin Analyse wirtschaftlicher Entwicklungen im Ausland an der Österreichischen Nationalbank, Prof. Dr. Zoe Lefkofridi, griechische Politikwissenschaftlerin an der Uni Salzburg, und Bernhard Lietaer, Experte für Geld- und Währungsfragen und Autor zahlreicher Bücher, analysierten gemeinsam den „Fall Griechenland“.

Am Anfang stand eine gründliche Analyse.

Wie genau ist Griechenland in diese Lage geraten? Welchen Anteil hatte die griechische Politik, welchen hatten Wirtschaft und Verbraucher und welche Rolle spielten Politik und Finanzmärkte (Ratingagenturen, EZB, IMF, Banken) in Griechenland, Europa und weltweit.

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Am Ende stand für die meisten TeilnehmerInnen fest: die griechische Krise ist kein „besonderer Fall“, sie ist nur ein besonders extremer Fall. Sie steht für eine tiefgreifende europäische Krise. Eine Krise der Institutionen, des politischen Systems und des Finanzsystems. Ohne grundlegende Reformen an allen europäischen Institutionen, wird Europa an diesen sich immer weiter zuspitzenden Problemen politisch und wirtschaftlich zerbrechen.

Kein Sonderfall, sondern ein Extremfall 

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„Krimimäßig“ wurde es, als Bernhard Lietaer immer mehr Fakten, Hintergründe und Ereignisse ansprach, über die bisher wenig zu hören war. Lietaer, einst selbst an der Einführung des Euro beteiligt, war einer der Berater Varoufakis‘ und im Detail über alle „Exit-Optionen“ informiert, die zuletzt auf dem Tisch lagen. Immer wieder standen in der Causa Griechenland auch die Medien in der Kritik. Wie konnte es zu so viel schlechter, unvollständiger und falscher Berichterstattung über den „Fall Griechenland“ kommen?

Gefangen im „square of power“

Viele Teilnehmer fragten sich gegen Ende des Workshops, ob die Welt sich nicht tatsächlich in Geiselhaft des von Lietaer beschriebenen „square of power“ befindet. Einem Zusammenspiel weniger und keineswegs demokratisch legitimierter Institutionen, die alles tun, um das Finanz- und Währungssystem weltweit unter ihrer Kontrolle zu halten. Ohne eine Reform des Geld- und Finanzsystems, da waren sich am Ende alle einig, kommt Europa aus dem Krisenmodus nicht mehr heraus.

Viele Währungen? Oder Vollgeld?

Am Abend wurde dann im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung im Palais Harrach über Geld und die Bedeutung von Währungen aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert.
Vollgeld oder Vielfalg und konkurrierende Währungen?

Es trafen die Vertreter zweier sehr unterschiedlicher Konzepte aufeinander. Ein liberales Geld- und Währungsmodell, das auf Währungsvielfalt setzt und vielen Playern die Ausgabe eigener Währungen erlaubt. Oder eine Reform der Finanzmärkte nach dem „Vollgeld“-Modell, in dem nur der Staat Geld ausgibt und dieses zentral besichert. Beide Modelle wären geeignet, die unkontrollierte Geldschöpfung durch heutige Bankensysteme zu beenden und das Machtmonopol des „square of power“ zu brechen. Der Zuammenhang zwischen Geld und Nachhaltigkeit bzw. Ressourcenverbrauch wurde zwar angesprochen, aber nicht wirklich vertieft.

Über die beiden Veranstaltungen wird in Kürze auf n21 ausführlich berichtet. Ein Interview mit Bernhard Lietaer ist in Bearbeitung.

Links zur Veranstaltung:

https://www.facebook.com/AEMSVienna
www.oenb.at/Geldpolitik/Forschung/Personen/Helene-Schuberth.html
www.eui.eu/ProgrammesAndFellowships/MaxWeberProgramme/People/MaxWeberFellows/Fellows2013-2014/Lefkofridi.aspx
de.wikipedia.org/wiki/Bernard_Lietaer
www.lietaer.com/

Und zum Thema „Vollgeld“:
www.monetative.de
www.vollgeld-initiative.ch
www.vollgeld-initiative.ch/pressedossier/#c1376

3 Antworten zu “Krimi: Der Fall Griechenland”

  1. He was part of the technical staff that hepeld design the euro framework.He is sort of a specialist in alternative currencies and monetary system, very interesting and insightful man. I recommend searching his stuff on youtube and in google. Also this excerpt which comes from the lecture clonal posted is from 2009 (maybe even 2008), it’s good to see how many of these taboos are being untangled since 2009.The Breton Woods institutional arrangement and the operations of central banks and the banking system are being questioned in a daily basis today, and discussions on how to properly manage fiat regimes for the public good are no longer a taboo. this has yet to end in new institutional arrangements or policies, but I think that naturally we are getting there. The status quo is dead and they even don’t know it, specially financial industry, which will have ceased to exist in its present form in some years probably, as well as the role of credit and the power of the banks. It’s just a zeitgeist, its like a natural consequence of the circumstances, if capitalism is to survive in any form the current financial system is incompatible with the new paradigm we will be entering in the next decades.But capitalism without a financial system like the current one is probably going to be a very different system (even if private ownership of the means of production and market based pricing are still the basis of the system).

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