Karin Chladek
Bild: Karin Chladek
17. Februar 2016  /// Kultur Reihe Berlinale

Kulinarisches Kino auf der Berlinale

Schon seit Jahren setzt sich die Berlinale in einer Kooperation mit Slow Food für eine bessere Landwirtschaft und Ernährung ein. Das geht auf eine persönliche Initiative des Festivalleiters Dieter Kosslick zurück. In der Programm-Sektion „Kulinarisches Kino“, die 2016 schon zum 10. Mal einen Teil der Berlinale ausmacht,  werden aktuelle Langfilme – sowohl Spielfilme als auch Dokus – über die Beziehungen zwischen Essen, Kultur und Politik gezeigt. Auch Persönliches kann thematisiert werden: Warum empfinden manche Menschen unbändige Lust am Fleisch-Essen?

In vergangenen Jahren waren schon sehr prominente Gäste wie die kalifornische Aktivistin, Autorin und engagierte Köchin Alice Waters oder der Slow Food-Gründer Carlo Petrini auf der Berlinale, um das „Kulinarische Kino“ zu unterstützen. Dieses Jahr steht der Autor Michael Pollan im Mittelpunkt eines Films und eines Publikumsgesprächs, aber auch das berühmte Restaurant „noma“ in Kopenhagen.

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Zu manchen Filmen servieren Spitzenköche passende Menüs. Die entsprechenden Vorstellungen sind dann mit 40 bzw. sogar 95 Euro nicht gerade billig. Aber die meisten Filme werden auch wiederholt und sind dann nicht mit einem Menü verknüpft. Dann kostet der Eintritt nur so viel wie ein normales Berlinale-Kinoticket.

Wider die Sättigungsbeilage

Alle Menüs sind stark vegetarisch ausgerichtet, Fisch und Meeresfrüchte werden aber angeboten. Auch die Speisen, die den prominenten Gästen der Berlinale angeboten werden, sind überwiegend vegetarisch. Fleisch wird nicht angeboten, Fisch schon. Also eine pescetarische Orientierung. Sicher von erster Qualität, was für die Herkunft aus nachhaltiger Befischung bzw. Aquakultur spricht. Sicher ist das aber nicht. Genuss und Geschmack stehen an erster Stelle. Kommuniziert wird im Rahmen der Berlinale aber eben auch, dass Gemüse abwechslungsreich und wohlschmeckend ist und ebenso abwechslungsreich und wohlschmeckend zubereitet werden kann. In einer Stadt, in der Gemüse lange Zeit als „Sättigungsbeilage“ bezeichnet und auch so behandelt wurde, kein kleiner Schritt.

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Street Food bei der Berlinale 2016 (Foto: Karin Chladek)

Street Food am Potsdamer Platz

Im Rahmen des „Kulinarischen Kinos“ werden auch für TeilnehmerInnen kostenlose Teegespräche („TeaTime“) zu kritischen Themen organisiert, und auch für originelle Verköstigung am Potsdamer Platz (ansonsten eine kulinarische Wüste) gesorgt: Zusammen mit der Markthalle Neun (einer Kreuzberger Institution) und Slow Food Berlin organisiert die Berlinale den Street Food Markt mit verschiedenen Food Trucks, wie „Heisser Hobel“ mit Allgäuer Kässpätzle, „Big Stuff Smoked BBQ“ mit saftigem Pulled Pork, dem südindischen “Chutnify“ und „Café 9“ mit Sironis italienischen Backwaren. „Kein Festivalbesucher muss schlecht essen, denn es gibt wieder köstliches Street Food in der Joseph­von­Eichendorf­Gasse/Ecke Alte Potsdamer Straße in Zusammenarbeit mit der Markthalle Neun“, erklärt Thomas Struck, der Leiter der Festival-Sektion „Kulinarisches Kino“.

Über den Tellerrand kochen “

Wir freuen uns sehr, dem Publikum der Berlinale am Beispiel von Street Food die Idee von Slow Food schmackhaft zu machen. Anbieten werden wir abwechslungsreiche länderspezifische Esskultur, bei der man sich Herkunft und Geschichten der Produkte auf der Zunge zergehen lassen kann. Gute Qualität erschwinglich für alle“, sagte Bernd Maier von der Markthalle Neun schon bei der ersten Zusammenarbeit der Kreuzberger mit der Berlinale im Jahr 2014.

Der sardische Sternekoch Roberto Petza bietet zusammen mit der Berliner Flüchtlingsinitiative „Über den Tellerrand kochen“ in einem Truck Essen aus dem Mittelmeerraum an. Der Anspruch ist es, für die Berlinale-BesucherInnen, die oft tagelang vom Potsdamer Platz kaum wegkommen, ein kostengünstiges, abwechslungsreiches Verköstigungsangebot zu schaffen. Vorschriften an die Zutaten der internationalen Gerichte (aus der Region, aus ökologischem Anbau etc.) sind nicht öffentlich, aber die einzelnen Anbieter orientieren sich an Bio-Richtlinien. Der Berlinale Street Food Markt in der Joseph-Von-Eichendorff-Gasse am Potsdamer Platz umfasst in diesem Jahr fünf Food Trucks und ist während der gesamten Berlinale von 11 bis 22 Uhr geöffnet.

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