WearFair
Bild: WearFair
1. September 2015  /// Bewegung Textil Wirtschaft

Mode, Ernährung, Mobilität: Die WearFair in Linz zeigt, was geht

Freitagnachmittag, 18. September, öffnet die WearFair 2015 ihre Tore. Mit 230 Ausstellern aus den Bereichen Mode, Ernährung, Mobilität ist die Messe eine gute Gelegenheit, sich über das immer attraktiver werdende Angebot an umweltfreundlich und fair hergestellten Produkten zu informieren. Auch N21 wird mit einem Stand vertreten sein. Ein umfangreiches Begleitprogramm informiert über eine Vielzahl von Themen rund um faire Produkte, umweltfreundliche Mobilität und gesunde und regionale Produkte.

Vor acht Jahren von Südwind e.V., Global 2000 und dem Klimabündnis gegründet, hat sich die Messe in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt. Die Zahl der Besucher_innen ist von 5000 im Jahr 2012 auf über 12 000 Besucher in 2014 angewachsen. Die Zahl der Stände im gleichen Zeitraum ist von 50 auf 230 in diesem Jahr angewachsen. Stefan Robbrecht-Roller, der bei Südwind e.V. für den Textilbereich zuständig ist, zeigt sich mit dieser Entwicklung sehr zufrieden. Südwind e.V. gibt es seit 35 Jahren und hat in allen Regionen Österreichs Büros und Infotheken. Der Arbeitsschwerpunkt der NGO liegt im Bereich Globalisierung.

Mode: Gesund, faire Löhne, umweltfreundlich

Stefan Robbrecht-Roller erzählt, dass das Interesse an fairer und schadstofffreier Mode inzwischen riesig und die Messe für die Aussteller daher auch wirtschaftlich interessant sei. Spannend sei der Trend zu „upcycling“. Immer mehr Modemacher_innen spezialisierten sich darauf, aus Altem Neues zu machen. Neu sei in diesem Jahr der Bereich Schuhe.

Robbrecht-Roller erkennt einen Trend in Europa und Österreich zu produzieren. Die 10% der Aussteller, deren Produkte nicht zertifiziert seien, könnten aber im Detail nachweisen, dass sie die ganze Lieferkette gut kennen.

Nicht wirklich glücklich sei er über die kaum noch zu überschauende Anzahl an Labels. Inzwischen gebe es 120 Qualitätslabels und Zertifikate. Da sei es für die Konsumenten schwer, den Überblick zu behalten. Die EU arbeite inzwischen an einer Vereinheitlichung.

Robbrecht-Roller: „Bisher interessiert die Besucher_innen und Konsument_innen vor allem die Schadstofffreiheit der Textilien. Die Arbeitsbedingungen spielten bisher keine große Rolle. Fair Trade ist das einzige Siegel, das sich auch mit den sozialen Dimensionen beschäftigt.“ Der WearFair Textilbereich arbeitet daher eng mit der Clean Clothes Kampagne in Österreich zusammen.

 

Eine große Modenschau am Freitagabend bietet interessierten Besucher_innen eine gute Gelegenheit, sich über die Trends im Bereich fairer und ökologischer Mode einen charmanten Überblick zu verschaffen.

Ernährung: Bio, Regional und vor allem: bewusster Einkauf

Hans Buchegger von Global 2000 ist für den seit 2012 neu hinzugekommenen Nahrungsmittelbereich zuständig. Die meisten Aussteller auf der WearFair werden in diesem Jahr aus Linz und Umgebung kommen. Die Produkte sind in der Regel aus biologischem Anbau, fast immer regional und die Importprodukte aus fairem Anbau. Die Themen Kochen und der Umgang mit Lebensmitteln, werden im Rahmenprogramm mit unterhaltsamen Highlights vertreten sein.

Mobilität: Klimaverträglich

Für den Bereich Mobilität ist Heidi Stacherl vom Klimabündnis Österreich zuständig. Denn ohne „Verkehrswende“ geht es im Klimaschutz nicht. Ihre Gespräche mit den Besitzern von Elektrofahrzeugen haben sie davon überzeugt, dass es sehr viel Spaß es machen kann, mit diesem neuen Typus von Fahrzeug unterwegs zu sein. Sehr lange hat sie sich bemüht Automobilhersteller auf die Messe zu locken, doch vergebens. „Ich habe das Gefühl, die geben ihre Marketingbudgets immer noch lieber für Benziner aus“, sagt sie. Dennoch wird der Bereich Elektrofahrzeuge auf der WearFair gut vertreten sein. Sonntag sind zwanzig Besitzer von Elektroautos mit ihren Fahrzeugen vor Ort und berichten über ihre Erfahrungen und ihre Fahrzeuge. Ein Wiener Unternehmen ist mit Longboards auf der Messe vertreten, die aus Snowboards recycelt werden. Auf dem großzügigen Innenhof, der von der Messe mit bespielt wird, werden Longboarder zeigen, was sie können und wie viel Spaß es mit sich bringt, sich selber sportlich durch die Welt zu bewegen. Denn selber bewegen, ist schließlich immer noch die gesündeste und umweltfreundlichste aller Bewegungsarten.

Und wer mit seinem Fahrrad vor Ort ist, kann die Gelegenheit für einen kleinen Fahrradcheck nutzen.

Beeindruckendes Rahmenprogramm mit Information und Unterhaltung

Das Rahmenprogramm der WearFair ist beeindruckend und sorgt ab Donnerstagabend nicht nur für gute Unterhaltung sondern auch für Diskussionsstoff. Neben „Landgrabbing“, Landwirtschaft, Geld, Schuhe und Ernährung steht vor allem am Freitagnachmittag  auch „Green Clean IT“ und das ärgerliche Thema Obsoleszenz im Fokus. Mit einer großen Modeschau und dem „WearFair Poetry Slam“ auf der „Étage Lumière – Brandland“ ist der Freitagabend ein ästhetisches Highlight. Der 1. Linzer FAIRNESS RUN trägt das Thema am Sonntag in die Stadt. Die Teilnehmer_innen werden mit vollem Körpereinsatz für konkrete Maßnahmen, mehr Transparenz und Verantwortung von Handel und Markenfirmen und politischen Verantwortlichen laufen. Alle Informationen über das Rahmenprogramm gibt es auf der WearFair Website.

 

Interview mit Maria Wimmer, Geschäftsführerin der Wear Fair

Die ehemalige stellvertretende Landessprecherin der Grünen in Oberösterreich hat vor zwei Jahren die Geschäftsführung der WearFair übernommen und sagt, dass sie jetzt das tue, was sie schon immer am liebsten hätte tun wollen. Sie ist mit der Entwicklung der Messe sehr zufrieden. Zwei Dinge sind ihr besonders wichtig: Dass die Messe als Verkaufsausstellung für die Unternehmen ein wirtschaftlicher Erfolg ist und dass die Messe mit ihrem umfangreichen Rahmenprogramm auch etwas in Köpfen und politisch bewegt.  N21 hat mir ihr über nachhaltigen Konsum gesprochen.

Frau Wimmer, wie fair leben Sie?

Fair zu leben ist mir sehr wichtig. Ich gestalte mein Leben so fair wie möglich und damit meine ich auch das täglich mit einander. Die WearFair ist ein Verein und Vereinszweck ist die Förderung fairer, nachhaltiger und ökologischer Lebensstile. Wir nehmen unseren Bildungsauftrag sehr ernst. Das Rahmenprogramm ist uns genauso wichtig, wie der Verkaufsaspekt der Messe. Wir wollen zeigen, was heute schon alles möglich ist. Und wir wollen Klein- und Kleinstunternehmer_innen eine Chance geben. Das ist auch fair. Denn die leisten hier oft Schwerstarbeit. Bauen alleine oder zu zweit ihren Stand auf und stehen rund um die Uhr auf der Messe.

Ist nachhaltiger Konsum nur etwas für Reiche?

Nein. Denn nachhaltiges Leben und Konsumieren fängt im Kleinen an, z.B. beim Stoffsackerl statt der Plastiktüte oder bei der Ernährung und beim Catering darauf zu achten, dass die Produkte aus der Region kommen. Ich und meine Töchter, wir leben sehr bescheiden und das geht. Wir haben irgendwann angefangen bewusst einzukaufen. Und wir schmeißen keine Lebensmittel mehr weg. Gar keine. Und was die Kleidung angeht: Die meisten von uns haben fünf Kleidungsstücke im Kleiderschrank, die wir wirklich gerne tragen. Die anderen brauchen wir fast nie. Öko oder fair meint auch keineswegs immer teuer. Es gibt sehr kostbare Stücke und es gibt Produkte, die gar nicht teuer sind. Hat ein Kleidungsstück eine hohe Qualität, ist der Tragekomfort oft auch sehr hoch, man kann sie gut waschen und sie bleiben lange schön.

Ist es nicht auch ein gutes Gefühl ein schönes Kleidungstück zu tragen, das von NäherInnen hergestellt wurde, die von ihrem Lohn auch leben können? Im Vorfeld der Messe veranstalten wir übrigens eine Tauschbörse und wir haben eine „Nähküche“ auf der Messe. Man kann dort alte Kleidungsstücke mit Unterstützung einer Schneiderin umnähen und etwas Neues daraus machen. Und ja: Auch ich habe Dinge oder tue Dinge, die weder öko noch fair sind. Vor allem komme ich nicht ohne Auto aus, denn ich lebe auf dem Land.

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