CC0 Public Domain
Bild: CC0 Public Domain
27. Juni 2017  /// Gesellschaft Wirtschaft

Nachhaltiger Tourismus und die Sustainable Development Goals (SDGs)

2017 haben die Vereinten Nationen zum „Internationalen Jahr des Nachhaltigen Tourismus für Entwicklung“ erklärt.

Urlaub in einem hoch entwickelten, in vielen Regionen naturnahen und umweltbewussten Land wie Österreich zu machen – das mag umweltfreundlich und nachhaltig sein, aber was hat das mit „Entwicklung“ zu tun, bei der man vorrangig an ärmere Länder des Südens denkt?

Auf das Konsumverhalten kommt es an!

Auf den ersten Blick nicht viel, aber auf den zweiten sind viele solcher UrlauberInnen, denen umweltfreundliches Verhalten wichtig ist und die auf Siegel wie das Österreichische Umweltzeichen achten, in ihrem Konsumverhalten sehr umsichtig. Urlaub in Österreich zu machen schließt nicht aus, dass man auch an entfernte Regionen denkt – und diese vielleicht im Rahmen einer anderen Reise auch besucht. Schließlich heißt es nicht umsonst „lokal handeln, global denken“.

Tourismus und die SDGs

Der Welttourismusorganisation UNWTO zufolge habe Tourismus das Potenzial, unmittelbar oder mittelbar zu allen 17 Zielen der Sustainable Development Goals (SDGs, auch Agenda 2030 genannt) beizutragen.

Das österreichische Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium (BMWFW) stellt österreichische Ansätze vor und lässt heimische TouristikerInnen zu Wort kommen. Nachzulesen ist das unter https://www.bmwfw.gv.at/Tourismus/Documents/Tourismus_SDGs.pdf.

Auch NGOs wie Naturfreunde Internationale (NFI) in Wien schließen sich an. Cornelia Kühhas von NFI schreibt: „Es gilt, nachhaltige Konsum-und Produktionsmuster zu etablieren und Instrumente zu entwickeln, die die Auswirkungen des Tourismus auf eine nachhaltige Entwicklung der Welt dokumentieren.“

Transforming Tourism

Im März 2017 fand in Berlin die weltgrößte Tourismusmesse ITB statt. Dabei wurde von rund 30 VertreterInnen aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft die sogenannte Berlin-Deklaration „Transforming Tourism“ entworfen. „Damit der Tourismus tatsächlich zu einer nachhaltigen Entwicklung beiträgt, braucht es eine Neuorientierung der Tourismusbranche und ein entsprechendes Bewusstsein der Reisenden. Fairness, Zukunftsorientierung und Verantwortung gegenüber der Umwelt und den Menschen müssen die Grundlage jeder touristischen Entwicklung sein“, betont Andrea Lichtenecker, Geschäftsführerin der NFI. Gefordert seien alle Akteure – Reisewirtschaft, Politik und die Reisenden selbst.

Gefordert wird eine „grundlegende Tourismuswende“. Mamadou Mbodji, Vizepräsident der NFI und Vorsitzender des Afrika-Netzwerkes der Naturfreunde, versteht darunter vor allem soziale Gerechtigkeit: „Ein großer Teil der Gewinne der internationalen Tourismuswirtschaft entsteht auf Kosten der Menschen in den Reiseländern. In vielen Reisedestinationen werden Menschen ausgebeutet, Menschenrechte verletzt und die Natur zerstört. Und der internationale Flugverkehr trägt wesentlich zum Klimawandel bei, dessen Folgen die Menschen in den Ländern des globalen Südens besonders treffen.“

Nachhaltig herstellen und genießen

Konkrete Stellschrauben für einen touristischen Wandel sind: Beteiligung der Menschen in den Zielländern bei Planungen und während der touristischen Entwicklung; existenzsichernde Löhne und Aufstiegschancen für lokale Arbeitskräfte sowie die Förderung eigener, lokaler Tourismusinitiativen; nachhaltige Produktions- und Konsummuster, durch die Umwelt und Klima geschützt und die Menschenrechte geachtet werden sowie eine Abkehr vom zahlenfixierten Wachstumsfetisch.

Online-Portal

Ergänzend zur Berlin-Deklaration ist unter der Federführung von neun internationalen NGOs das Online-Kompendium „Tourism in the Agenda 2030“ entstanden. AutorInnen aus verschiedenen Ländern zeigen, wie der Tourismus zur Erreichung der einzelnen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung beitragen kann.

Mehr unter: www.transforming-tourism.org

 

Wir freuen uns über Ihren Kommentar

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.