Christine Ax / AEMS
Bild: Christine Ax / AEMS
29. Juli 2015  /// Politik Umwelt Welt

Noch 15 Minuten um die Welt zu retten

Wien, 29. Juli 2015. Die Fieberkurve ist schon wieder angestiegen. Wir haben noch genau 15 Minuten Zeit, um zu verhindern, dass die Durchschnittstemperatur bis Ende des Jahrhunderts um vier Grad steigt. Hektisch sind die TeilnehmerInnen  der  „World Climate Project Negotiation Simulation“ auf der Suche nach Lösungen. Werden sich die USA bewegen? Was sind die starken Argumente? Wie verhält sich China? Was ist mit den Entwicklungsländern, die eben trotzig erklärt haben, dass sie alle Klimaschutzanstrengungen einstellen und beim Status-quo-Szenario bleiben? Immerhin sind die USA und Europa für das CO2-Problem verantwortlich. Leben selber wie die Made im Speck und wollen ihnen das Recht auf nachholende Entwicklung streitig machen?

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Allerdings hatte die Spielleitung ja deutlich genug darauf hingewiesen, dass gerade ihre Länder vom Anstieg des Meereswasserspiegels und anderen Folgen besonders hart betroffen wären. Wie – so lautet die Frage die hier spielerisch simuliert wird – kommt die Weltgemeinschaft auf der bevorstehenden Klimakonferenz zu einem Konsens? Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb, Leiterin des Zentrums für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Wiener Universität für Bodenkultur und ihre Kollegin Lisa Bohunovsky leiten das Spiel und die AEMS Summerschool 2015.

Die TeilnehmerInnen kommen aus aller Welt: Korea, Indien, Bhutan, Italien und vielen anderen Ländern mehr. Am Ende hat die Vernunft gesiegt. Alle haben Zugeständnisse gemacht. Die reichen Länder senken den CO2-Ausstoß früher, andere forsten mehr auf oder stellen den Entwicklungsländern Geld zu Verfügung, um den Einstieg in eine C02-arme Zukunft zu ermöglichen, ohne deswegen wirtschaftliche Nachteile zu erleiden. Am Ende ist der Temperaturanstieg auf 2 Grad fast, aber nur fast erreicht. Freude und Stolz kommt auf. Alle sind erleichtert und auch ein wenig enttäuscht, dass nicht mehr drin war.

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Im großen Kreis tragen alle zusammen, was sie erlebt haben. „Wir fühlten uns hilflos und wütend“, sagen die einen. Der Öl-Lobbyist findet, es war sehr hart für ihn. Der Zeitdruck war hilfreich, stellt ein anderer Teilnehmer fest. Und eine Studentin aus Asien sagt, wie spannend es für sie war, die Position der USA vertreten zu müssen. Auch um die eigenen Argumente zu schärfen. Denn sie kommt aus einem Entwicklungsland.

Helga Kromp-Kolb fasst am Ende die „echte“ Lage zusammen: Sie beobachtet, dass sich einiges in die richtige Richtung bewegt. Die USA und China haben im Vorfeld bilaterale Verträge geschlossen und nehmen das Thema endlich ernst. Frankreich, in dessen Hauptstadt im Oktober die nächste Klimakonferenz stattfindet, hat gerade verbindliche Ziele im Parlament verabschiedet.

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Professor Kromp-Kolb – die wohl bekannteste österreichische Klimaexpertin – resümiert, was wir alle gerade eben anhand der Klimasimulationen selber sehen konnten: Entscheidend ist, dass die Nationen früh genug anfangen und die C02-Reduktionsraten hoch genug sind. Der entscheidende Punkt sei aber: Selbst wenn alle Industrieländer jetzt extreme C02-Einsparungen vornähmen, würde dies den Klimawandel nicht aufhalten. Auf die Entwicklungsländer kommt es an. Ihr Resümee: „Hoffnung“, das gibt sie uns allen mit auf den Weg, „ist etwas, für das man sich entscheiden kann und in diesem Fall muss. Denn um nicht zu hoffen, ist es in diesem Fall viel zu spät.“

Post Skriptum:

Auf dem Weg zu dieser Veranstaltung habe ich eine kleine Mini-Umfrage gemacht und sechs WienerInnen gefragt, ob es den Klimawandel gibt. Von drei Bäckereiverkäuferinnen sagte die erste: „Nein. Gibt es nicht. Die Veränderungen sind ganz natürlich.“ Die zweite sagte: „ Ich glaube eher schon“, und die dritte: „Das gibt es, ich bin mir da ganz sicher.“ Der Busfahrer meinte: „ Ich weiß es nicht, aber gefühlt: Ja.“ Ein weiblicher Fahrgast im Bus meinte, dass sie das weder wisse, noch interessiere. Ihr Begleiter sagte sehr nachdrücklich: „ Ja, auf jeden Fall!“

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