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Bild: CC0- Public Domain (StockSnap/pixabay.com)
5. September 2017  /// Gesellschaft Wirtschaft Wissenschaft

Österreich bekommt einen Roboterrat

Auswirkungen auf die Gesellschaft frühzeitig abschätzen und steuern

Die Roboter kommen. Sie verlassen die Fabriken und erobern neue Bereiche der Gesellschaft, etwa als Pflegemaschinen oder autonome Fahrzeuge. Auf diese Veränderung hat die Politik in Österreich mit der Gründung eines „Roboterrates“ reagiert, der jetzt auf den internationalen Technologie-Gesprächen beim Europäischen Forum Alpbach vorgestellt wurde.

Der Roboterrat – noch mit Menschen besetzt – wurde von Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) eingerichtet, „um eine Roboter-Strategie zu entwickeln, wo wir in den nächsten zehn bis 20 Jahren hinwollen“. Österreich wolle die Chancen dieser Technologie nutzen und zugleich „die Risiken im Griff haben“. Leichtfried betonte, dass „der Mensch immer im Mittelpunkt der Entwicklung“ stehen müsse und Roboter dazu da seien, „um das Leben der Menschen verbessern“.

ExpertInnen aus Wissenschaft und Wirtschaft

Vorsitzende des Rates ist Wirtschaftswissenschaftlerin Sabine Köszegi, die den Bereich Arbeitswissenschaft und Organisation am Institut für Managementwissenschaften der Technischen Universität Wien leitet. Das mit einem Budget von einer Million Euro ausgestattete Gremium besteht aus neun Experten, davon sieben Wissenschaftlern aus Österreich und den USA sowie zwei aus der Wirtschaft. Roboter würden eine „tiefgreifende Auswirkung auf Gesellschaft und soziales Gefüge haben“, sagte Köszegi bei ihrer Vorstellung in Alpbach, seien aber per se weder gut noch böse.

Der Rat wolle die Politik bei der „Entwicklung einer verantwortungsvollen Roboter-Strategie unterstützen“. Dazu gehören die Beanwortung von Fragen, welche Aufgaben Roboter in der Pflege übernehmen könnten, welche Folgen es hat, wenn Kinder mit Robotern aufwachsen, oder wer haftet, wenn etwas schief geht. Minister Leichtfried: „Ich erwarte mir einen Plan, wo Roboter ihren Platz haben sollen und wo wir keine haben wollen“. Vergleichbare Gremien haben bereits Japan und Großbritannien eingerichtet. In den USA, China und Israel gibt es Ethik-Räte für Roboterfragen. In Deutschland gibt es keinen gesellschaftsorientierten Roboter-Rat. Hier sind alle Aktivitäten auf die „Industrie 4.0“ ausgerichtet.

Bevölkerung und Roboter: je näher, desto unbehaglicher

Und was wollen die Menschen? Die Haltung der österreichischen Bevölkerung zur Robotik hat das Infrastrukturministerium auch in einer Umfrage von 1000 Personen repräsentativ ermitteln lassen. Das Ergebnis: Je näher die Maschinen dem Menschen Leibe rücken, desto mehr wächst das Unbehagen. Drei Viertel der Befragten könnten mit einem Haushaltsroboter gut leben, aber nur 40 Prozent wollen von ihm bekocht werden, Angehörige pflegen (23 Prozent) oder die Kinder beaufsichtigen lassen (10). Ähnlich in der Gesundheit. Dass der Roboter beim Gehen hilft oder den Blutdruck abnimmt, ist für 70 Prozent in Ordnung. Aber eine Spritze durch die Haut oder eine Operation vom Robodoc wollen allenfalls 22 Prozent zulassen.

Innovation: Österreich mit Luft nach oben

Das Techologieforum in Alpbach, veranstaltet vom staatlichen Austrian Institute of Technology (AIT), ist mit 1300 Teilnehmern in diesem Jahr eine der wichtigsten Innovationskonferenzen in Europa. Erstmals wurde ein Jahrbuch „Discussing Technology“ vorgelegt, das sich dem Schwerpunkt Digitalierung widmet. Bei der Vorstellung fand AIT-Vorstandsvorsitzender Hannes Androsch kritische Worte zur Innovationspolitik des Landes, das im nächsten Jahr die EU-Ratspräsidentschaft innehat. Österreich hinke etwa bei der digitalen Infrastruktur sowie bei der Berücksichtigung dieses umfassenden Trends im Bildungsbereich nach, bemängelte Androsch.

Ebenso ist der österreichische Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP) mit dem Transfer zwischen den beiden von ihm verantworteten Bereiche nicht zufrieden. „Wenn wir mit 3,14 Prozent die zweithöchste Forschungsquote in der EU haben, aber im European Innovation Scoreboard auf Rang 7 liegen, dann sind Input und Output nicht stimmig“, kritisierte Mahrer in Alpbach. Um Innovationsführer zu werden, brauche es „mehr Effizienz, mehr Offenheit und Internationalität und mehr Mut für Neues“.

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